Rekord mit 757 Einsätzen

Großbrand: Gleich mehrere Tage waren die Lehrter Feuerwehren damit beschäftigt ein Feuer bei der Recyclingfirma Timberpak zu löschen. (Foto: Feuerwehr Lehrte)
 
Hier kam Hilfe zu spät: Der Fahrer dieses Lastzuges verbrannte auf der A2 in seinem Führerhaus. (Foto: Feuerwehr Lehrte)

Bilanz 2017: So oft wurden Lehrter Feuerwehren noch nie gerufen

LEHRTE (tob). Über diesen Rekord freut sich niemand: Die Freiwillige Feuerwehr in Lehrte und die dazugehörigen neun Ortswehren mussten 2017 zu insgesamt 757 Einsätzen ausrücken. Nie zuvor gab es so viele Einsätze in einem Jahr. Das ist ein Plus von 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das allerdings mit „491 Einsätzen eher ruhig war“, wie Stadtbrandmeister Jörg Posenauer gegenüber dem Marktspiegel erläutert. Wirft man einen Blick in die Statistiken, so verzeichnen die Lehrter Wehren durchschnittlich 600 bis 650 Einsätze im Jahr.

Dabei wurden die Brandschützer 2017 „nur“ zu 110 Bränden gerufen. Das sind sogar sieben weniger als im Jahr zuvor. Es gab sechs Groß-, acht Mittel- und 96 Kleinbrände. Dafür steigen andere Aufgaben zum Teil sprunghaft an. So wurden die Feuerwehren 299 Mal gerufen, um technische Hilfe zu leisten. Zum Vergleich: 2016 gab es 188 derartige Einsätze. Zumeist sind dies Türöffnungen, wenn Mitarbeiter von Sozial- oder Pflegediensten hilflose Personen hinter einer verschlossenen Tür vermuten. An solchen Zahlen kann man eine „alternde Gesellschaft und zunehmende Vereinsamung von Menschen erkennen“, sagt der Stadtbrandmeister.

Ebenfalls mit einem Plus von 40 Prozent ist der Einsatz nach Fehlauslösungen durch Brandmeldeanlagen und heimischen Rauchmeldern angestiegen. Das bedeutet zwar mehr Arbeit für die Wehren, hat aber auch einen positiven Effekt. Gerade die mittlerweile vorgeschriebenen kleinen Rauchmelder in den Privatwohnungen sorgen dafür, dass „wir früher zu Bränden gerufen werden und damit größere Schäden vermeiden können“, sagt Posenauer. Er möchte die kleinen Sirenen in den heimischen vier Wänden nicht mehr missen.

Dafür belegen ganz andere Zahlen, was dem Stadtbrandmeister Sorgen bereitet. 234 mal wurden 2017 Lehrter Wehren zu einer nachbarlichen Hilfe angefordert. Dies passiert immer dann, wenn eine Ortsfeuerwehr mit eigenen Mitteln oder eigenem Personal einen Einsatz nicht alleine bewältigen kann. Zum Vergleich: 2016 rückten die Lehrter Wehren 117 mal aus um Kollegen zu unterstützen. Gerade in diesem Punkt ist Besserung in Sicht. Wenn 2017 die neue Lehrter Feuerwache fertiggestellt ist, kann die Zahl der hauptamtlichen Gerätewarte von derzeit zwei auf dann elf erhöht werden. „Dann haben wir tagsüber Personal zur Verfügung, dass Einsätze unterstützen kann“, sagt Posenauer.

Erfreulich auch die Trendwende bei der Anzahl der aktiven Einsatzkräfte: Derzeit leisten 374 Männer und 67 Frauen Dienst bei den Lehrter Feuerwehren. Damit konnte der Mitgliederrückgang der vergangene Jahre gestoppt werden. Konstant sind weiterhin die Zahlen beim Nachwuchs. 137 Jugendliche sind in der Jugendfeuerwehr aktiv, 176 Jungen und Mädchen machen bei den Kinderfeuerwehren mit.

Und es gibt eine neue Einsatzgruppe: Acht Feuerwehrleute sind jetzt Multiplikatoren in der Absturzsicherung, sprich sie können weitere Kollegen in diesem Bereich ausbilden. In Absturzsicherung ausgebildete Feuerwehrleute werden immer dann benötigt, wenn beispielsweise ein Einsatz auf Gebäudedächern notwendig ist, bei dem eine Absturzgefahr besteht. „Unser Ziel ist es, dass 30 Kameraden für diesen Bereich geschult werden“, benennt der Stadtbrandmeister Pläne für die Zukunft.

Wie engagiert die Lehrter Feuerwehrkameraden sind, verdeutlicht aber noch eine ganz andere Zahl: Zum Jahreswechsel haben sich 125 Feuerwehrfrauen und -männer freiwillig zur Einsatzbereitschaft gemeldet, um einen sicheren Jahreswechsel für die Bevölkerung gewährleisten zu können. „Das ist nicht selbstverständlich und ich bedanke mich dafür ausdrücklich“, freut sich Jörg Posenauer über das Engagement der Mitglieder bei den Lehrter Feuerwehren.