Regionspräsident und Radler besuchten Lehrter "Kulturen"

(Banger) Blick des Präsidenten nach oben, nicht nur wegen der stolzen Höhe der Bambuspflanzen: Karsten Steckhan (3.v.re.) führte die Besucher im Regen durch die Schaugärten der "Bambuskultur" Steinwedel. (Foto: Walter Klinger)
 
Regionspräsident Hauke Jagau (Mitte, im roten Regendress, dahinter Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk) mit einem vom Steinwedeler BI-Sprecher Udo Rösler übergebenen Flugblatt. (Foto: Walter Klinger)

Durchs Bambustor zu den Erdbeeren - Bürgerprotest im Regen

LEHRTE/STEINWEDEL (kl). Dass es im früher oft als Industriestandort geschmähten Lehrte biel Grün gibt, beweist schon dessen fast 60 Hektar großer Stadtpark. Dass es neben Kraut und Rüben hier aber auch Anbaukulturen ungewöhnlicherer Art ihren Standort haben, würdigte jetzt der Besuch von Regionspräsident Hauke Jagau im Rahmen seiner ersten diesjährigen Sommerradtour bei der "Bambuskultur" in Steinwedel und im "NöhrenHof" im Lehrter Dorf.
Die Sommerradtouren des Präsidenten haben, weil es dabei viel Interessantes zu sehen gibt, schon ein Stammpublikum. Dabei gibt es, mit Unterstützung des ADFC, regelrechte Radler-Netzwerke: Rainer Foltis aus Barsinghausen hatte sich so mit Peter Strauß aus Hannover (früher: Lehrte) verabredet. Beide hatten sich bei einem Fahrradtag im Deister kennengelernt.
Manche der mehr als 30 Teilnehmer/innen, die jetzt mit Jagau auf Tour gingen, sind schon seit Jahren dabei. Auch der Lehrter Bürgermeister und aus den Reihen der Regionsabgeordneten Jürgen Buchholz aus Dollbergen (beide SPD) sowie der stellvertretende Steinwedeler Ortsbürgermeister Ralf Wengorsch (CDU) fehlten nicht.
Den einen halben Kilometer weiter im einsetzenden starken Regen ausharrenden 40 Steinwedelern fehlte dagegen der Präsident. Der radelte mit seinen Begleitern nicht über die Auebrücke sondern über Röddensen nach Steinwedel. Nach einem Hinweis von unserem Reporter konnten die Protestler, die am von ihnen favorisierten alternativen (Bau-)Platz der Hilgenwiese die 40 Meter Länge der geplanten Gasstation abgesteckt hatten, Jagau wenigstens noch im Dorf erreichen.
Dem Präsidenten war dabei wichtig, dass das öffentliche Planungsverfahren noch gar nicht begonnen hat; den Bürgern, dass sie nicht unversehens vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Klasse fand die anwesende SPD-Landtagskandidatin Thordies Hanisch den Protest; auch deshalb, weil er sich gar nicht gegen das technische Bauwerk sondern seinen Standort richtet.
Dann ging es in einen asiatisch anmutenden "Regenwald": Mit 200 auf vier Hektar gezogenen des für eine lockere Gartenbepflanzung geschätzten Bambus halten Karsten und Birgit Steckhan zusammen mit ihrem Kompagnon durch die Aufnahme auch von (Buddha-)Statuen und Gartenzäunen sowie Bambusmöbeln ins Sortiment (auch Internetversand) mit ihrer vor fast 25 Jahren begonnenen "Bambuskultur" eine europaweit einzigartige Auswahl asiatischen Ambientes vor.
Bis zu 40 Meter hoch (in Steinwedel nur bis elf Meter) bereiten die Bambuspflanzen und -Produkte einer steigenden Zahl von Gartenfreunden Freude - auch wegen der kundigen Beratung über Sorten, die sich nicht durch Ausleger zügellos ausbreiten. Seine langen Fasern machen den Bambus für viele Verwendungen stabil - auch für Gerüste. Jedenfalls hat die Region Hannover jetzt eine feste Adresse, sollen Delegationen aus Asien durch heimische Pflanzendekoration (auch im Innenhof des Regionshauses) geehrt werden.
Weil hier nicht heimisch, gilt es beim Bambus Vorurteile abzubauen. Einiger Vandalismus in den Kulturen mag damit zusammenhängen. "Ich hatte mal eine Kultur in Lehrte" - ganz so weit ist es bei Harm Heinrich Nöhre nicht gekommen. Auf ihrem weiteren Fahrweg im Regen konnten die Radler aber sehen, dass die neuen Apfelbaum-Jungkulturen des Obstbauers ohne Früchte sind.
Warum? Weil Nöhre gegen den frühen Frost versucht hatte, zum Schutz der Blüten über zehn Tage immer wieder zu beregnen. Die Blüten waren darauf hin durch das Eis geschützt, aber das Zehnfache an Chlorid im Wasserbrunnen als sonst üblich setzte die Bäume so unter Druck, dass sie die Früchte abwarfen. "Soll vorkommen in einer Bergbaustadt wie Lehrte," kommentiert Bauer Nöhre, der sich in Sachen Risiko auch noch gut an den Totalschlag durch den Hagel 2013 erinnert.
Mit 15 Erdbeer- und sieben Apfelsorten, Himbeeren, Zwetschgen und Spargel auf vier Hektar setzt die Familie Nöhre, im Sommer von einem Dutzend rumänischer Erntearbeiter unterstützt, nicht auf Akkord sondern Qualität. Dies ist nur möglich durch die Direktvermarktung im eigenen NöhrenHofladen (Im Jägerwinkel 2) und die Belieferung auch anderer Direkt-Verkaufsstellen sowie übers Jahr 50 eigenen Mastschweinen.
Und nach dem Spargel gibt es im Sommer für den Betriebsinhaber und seine Familie sogar Kurzurlaub, bevor es demnächst mit Zwetschgen weitergeht und - die Sorten sind stets den sich ändernden Geschmäckern anzupassen - neue Erdbeersorten gepflanzt werden. In Sachen Wetterrisko haben die durchgeregneten Radler den Obstbauern übrigens gut verstanden, denn nach dem Besuch im NöhrenHofladen ging es direkt zurück zum Lehrter Bahnhof. Die deshalb ausgefallenen Stationen in Wassel und Höver werden nächstes Jahr angefahren.