Regen auch über Zytanien – trotzdem über 2.000 Besucher beim 28. Festival

Als der Regen kam, wussten sich die Besucher zu helfen: Sie trugen einfach einen Pavillon auf die Tanzfläche vor der Bühne. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Der „Weltraum“ gehörte den Bands mit experimentellen Klängen und bot die Möglichkeit für Sessions. (Foto: Susanna Veenhuis)

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Das Konzept zieht zunehmend auch jüngere Fans an – Spontane Musiksessions zwischen den Zelten

IMMENSEN (sv). Zum Lehrter Bluesfestival gehört der Regen schon fast traditionell dazu (wir berichteten in unserer Mittwochsausgabe). Aber auch das zweite große Lehrter Musikfestival, das im Immenser (Festival-)"Freistaat" Zytanien machte in diesem Jahr Bekanntschaft mit dem kühlen Nass von oben - und bestand den Wetter-Härtestest ebenfalls so glänzend, dass die erneute Auflage vom 28. bis 30. August 2015 ganz außer Frage steht.
Der Platz vor der Hauptbühne ist gut gefüllt, einige warten auf die nächste Band im „Weltraum“, und im „Ongolito-Ville“ produzieren DJs Rhythmen für die Tanzwilligen: Auch beim 28. Zytanien-Festival war eigentlich alles wie immer – bis der Regen kam. Dennoch hatte das "Hippie"-Festival an die 2.500 Besucher zu verzeichnen.
Selten regnet es, wenn die Zytanier feiern. Diesmal hatte es sie kalt und nass erwischt: War es am Freitag und Samstag noch freundlich und warm für die Feiernden, so ging am Samstag Abend ein Landregen nieder, der gar nicht wieder richtig aufhören wollte. Dazu fielen die Temperaturen, und auch am Sonntag gab es immer wieder Schauer.
Doch das hielt die Besucher nicht von einem Besuch auf dem ehemaligen Ziegelei-Gelände ab, wo sie ordentlich feierten – die insgesamt gut 30 Bands, DJs und Musikaktionen mit Reggae und Rock über Hardcore und Pop bis hin zu Hiphop ebenso wie ihre eigene Kreativität. In der Nacht auf Sonntag konnten die Feiernden vor der Hauptbühne auch noch eine eindrucksvolle Feuershow genießen.
„Seit zwei Jahren findet ein Wechsel statt, es kommen immer mehr junge Leute hierher, die hören den Bands zu, machen aber auch viel selber, zum Beispiel Musik oder Jonglage“, hat Georgis von der Kulturinitiative Zytanien-Festival festgestellt. Waren früher auch auf der kleinen Bühne im sogenannten Ongolito Ville verschiedene Bands zu hören, so hat dort inzwischen die Techno- und Trance-Szene mit DJs an Plattentellern ihren neuen Treffpunkt gefunden. Dafür gehört deren frühere Heimat, der „Weltraum“, eine Halle in einem der Fabrikgebäude, wieder den Bands und spontanen Musik-Sessions unter viel ultraviolettem Licht. Dort waren auch verschiedene Video-Installationen zu bewundern. Gerade die Jüngeren hielten sich gern zum Musikmachen auf dem drei Hektar großen Zeltplatz auf, der schon am Freitag voll besetzt war, sagte Georgis.
Seit gut fünf Jahren bieten Gisela Kruse und Thomas Tschirner von der Lehrter Drogenberatungsstelle DroBel mit einem Infostand beim Zytanienfestival ihre Dienste an - ehrenamtlich, versteht sich. „Wir können niemanden davon abhalten, etwas zu konsumieren, aber wir klären auf über die Risiken bei der Einnahme verschiedener Substanzen“, sagte Tschirner. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Aidshilfe unterstützten sie auch die Safer-Sex-Initiative und geben kostenlos Kondome aus. Als besonderen Service bot er eine Ohrakupunktur zur Entspannung an - einer der Gäste nahm dieses Angebot spontan in Anspruch und genoss die angenehme Wirkung sehr.

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Mit fremden Klängen aus ungewohntem Instrumentarium brachten die „Analogue Birds“ ihr Publikumzum Tanzen. Foto: Susanna Veenhuis

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Viel Erheiterung erzeugte die „Zychiatrie-Station“: Man musste ein Speichenrad in Drehung versetzen, damit ein Metallbolzen über die Speichen hüpfte und dabei Töne erzeugte.