Präventionsrat der Stadt Lehrte setzt nach zehn Jahren mit neuem Rahmenplan auf Nachhaltigkeit

Jürgen Witzmann konnte zum Jubiläum mit Ute Haas die Vorsitzende des Landespräventionsrates für einen Vortrag gewinnen. (Foto: Horst-Dieter Brand)
 
Auf mehreren Schautafeln hat der Präventionsrat bei der Geburtstagsfeier die Gäste über seine zehnjährige Vergangenheit informiert. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Bei Jubiläumsfeier würdigt Landesvorsitzende Ute Haas das Lehrter Modell

LEHRTE (hdb). Viel Lob aus berufenem Munde: Als Vorsitzende des Landespräventionsrates hat Ute Haas die Arbeit und die Erfolge des kommunalen Gremiums gelobt. Für die Zukunft hat der Lehrter Vorsitzende Jürgen Witzmann einen neuen Rahmenplan angekündigt.
Die künftige Agenda, die in einer Arbeitsgruppe unter Federführung von Elenor Algner-Habermann aus dem städtischen Fachdienst Jugend ausgearbeitet werden soll, kann auf die bisherige Grundlagenforschung des Präventionsrates zurückgreifen. Witzmann erhofft sich für den „möglichst für alle Kitas und Schulen verbindlichen“ Rahmenplan auch eine finanzielle Ausstattung.
„Schritte gegen Tritte“ oder „Du bist gut!“: Mit vielseitigen Projekten hat der Präventionsrat in den vergangenen Jahren vorbeugende Akzente in der Sucht- und Gewaltprävention unternommen. Die Kooperation mit den lokalen Schulen bei der frühkindlichen Bildung bezeichnete Witzmann bei der Jubiläumsfeieraus Anlass der Gründung vor zehn Jahren in der Alten Schlosserei sogar als „bundesweit einmalig“.
Schon für Mitte des kommenden Jahres kündigte der ehemalige Schulleiter, der den Präventionsrat mit seinen bis zu 30 Mitgliedern seit 2008 leitet, eine Neuauflage von „Du bist gut!“ für etwa 1.000 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge sieben und acht an. Zuvor hatte ein knapp fünfminütiger Film - nach leichten technischen Startschwierigkeiten, die für Erheiterung unter den etwa 30 Geburtstagsgästen sorgten - den Suchtpräventionstag aus dem Jahr 2012 Revue passieren lassen.
Im Zentrum der Jubiläumsfeier stand der Vortrag „Chancen nutzen – Ausblicke in die Schwerpunkte künftiger Präventionsarbeit“ der Braunschweiger Kriminologin und Victimologin Ute Haas, seit 2010 Vorsitzende des Landespräventionsrates. Abweichend von ihrem Manuskript sagte die Expertin zur aktuellen Flüchtlingsdebatte und möglichen Folgen für Prävention und Integration: „Das ist überall akut und fordert die Kommunen aufs Äußerste heraus.“
Haas erinnerte in ihrer Rückschau an die Gründungszeit des Lehrter Gremiums im März 2005 und den entsprechenden Ratsbeschluss im Februar 2003 in der Verantwortung der damaligen Bürgermeisterin Jutta Voß, die an der Feier teilnahm. Seit damals sei von zahlreichen ehrenamtlich Engagierten viel Positives geleistet worden. Ein besonderes Plus für Lehrte sei auch ein Geschäftsführer – seit 2008 Claus-Volker Fink aus der Stadtverwaltung.
Allgemein warnte sie davor, bei der Betrachtung der Kriminalitätsbekämpfung einfach strukturierten Erklärungsmustern unreflektiert Glauben zu schenken. Von der Vergangenheit mit Beispielen wie den hannoverschen „Chaostagen“ im August 1995 spannte Haas den Bogen in die Gegenwart bis zu jungen Menschen, die für den „Islamischen Staat“ in den Krieg zögen.
Bürgermeister Klaus Sidortschuk hatte zum Auftakt Vertreter vieler Organisationen - Polizei, Drobel, DGB-Ortskartell – und viele Einzelpersonen begrüßen können, die sich in den vergangenen zehn Jahren im Präventionsrat engagiert haben. Sie alle hätten „für jeden Einzelnen in unserer Stadt, also für die Allgemeinheit“ gewirkt.