Pommes-Bude als Karussell menschlicher Eitelkeiten

Das Leben ist eine Pommes-Bude: Wirt Dirk (Julian Bank, mit Schürze) bleibt noch gelassen, als Fussballfans sich lautstark zuprosten – als sie randalieren, ist es auch bei ihm mit der guten Laune vorbei. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Das Leben ist eine Pommes-Bude: Wirt Dirk (Julian Bank, mit Schürze) bleibt noch gelassen, als Fussballfans sich lautstark zuprosten – als sie randalieren, ist es auch bei ihm mit der guten Laune vorbei. (Foto: Susanna Veenhuis)

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Theater im Gymnasium: Nonnen wollen zur Audienz – bei Robby Williams!

LEHRTE (sv). Die einen fahren Rallye, andere in die Ferien und wieder andere ihr Leben an die Wand: Langweilig war es nicht bei der Theaterstück „ Pommes und Currywurst“, mit dem der Kursus „Darstellendes Spiel“ des elften Jahrgangs des Gymnasiums unter der Leitung von Uwe Röber sein Publikum in der Aula begeisterte.
In dem Stück von Frank Pinkus und Nick Walsh dient eine Pommes-Bude irgendwo an einer deutschen Autobahn als Karussell menschlicher Eitelkeiten. Die Schüler haben dem Stück auch selbst erarbeitete Szenen hinzugefügt.
Sozusagen das Auge in dem Strudel von Ängsten, Aggression, Eifersucht und Intrigen ist Dirk, der stets freundliche und hilfsbereite Imbiss-Wirt – gespielt von Julian Bank – kurz: die Ruhe selbst. Als eine Familie auf dem Weg in den Urlaub bei ihm pausiert, deren Opa diesmal woanders Ferien machen soll, staunt er über deren Kaltschnäuzigkeit.
Die Mutter spricht ziemlich abfällig über den ihr lästigen Senior. Einzig die Enkeltochter findet den Rollator-Piloten cool und möchte unbedingt mit ihm zusammen Ferien machen – zur Not auch in der so genannten Senioren-Urlaubspension, die sich aber bald als Altersheim und der Aufenthalt dort keineswegs als Urlaub, sondern als endgültig entpuppen soll.
Aus dem Staunen nicht heraus kommt der Pommesbräter auch bei seinen anderen Gästen wie dem Pärchen, bei dem der Mann ein Riesenproblem mit einem Opernbesuch hat und seine Frau verlässt; bei den Anzugträgern, die angeblich zu einem Betriebs-Seminar in der Toskana reisen, aber tatsächlich auf ganz andere Manager-Vergnügungen aus sind; oder bei den Nonnen, die aufgeregt einer Audienz bei seiner Heiligkeit entgegen sehen.
Blondinen bevorzugt: Schön klamaukig mit Vokuhila-Perücke, Porsche und vorn ordentlich ausgestopfter Hose kommt der „schöne Harry“ alias Nikolas Kreß bei einer gewissen weiblichen Spezies an.
Das Publikum genießt bei allen Szenen bestes Amüsement – von hetero- sowie homosexuellen Familienstreitigkeiten über Fußball-Hooligans und exaltierte Casting-Teilnehmer bis hin zu Drama und Tod, als eine Frau in bester Virgina-Woolf-Manie den Ehekrieg schließlich mit einem gezielten Schuss auf ihren Mann beendet.
So ziemlich alle Charaktere treffen sich irgendwann in jenem Imbiss wieder – teils erfolgsverwöhnt und völlig überkandidelt, teils in neuen Beziehungen zusammen gewürfelt.
So haben beispielsweise die Nonnen nicht den Papst, sondern ein Pop-Konzert besucht, mit seiner Heiligkeit war der Star Robby Williams gemeint, und die Gläubigste der drei hat sich als Groupie entpuppt – was wird die Äbtissin sagen? Auch der Rollator und dahinter Opa (Arne Hense) tauchten wieder auf – Opa war aus dem Altersheim abgehauen.
„Das war schauspielerisch toll und sehr lustig, ich hätte noch länger zuschauen können“, sagte Elftklässlerin Jasmin Chelbi nach der 70-minütigen Aufführung.
Nichts anzumerken war Imke Schmidt, die erst eine Stunde vor der Aufführung erfuhr, dass sie als Nonne einspringen muss: „Der Anfang fiel mir schwer, aber dann lief es gut!“

Foto: Susanna Veenhuis

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Süßigkeiten für die Zuschauer: Julian Bank begeistert in der Rolle des Pommesbuden-Betreibers das Publikum nicht nur schauspielerisch. Foto: Susanna Veenhuis