Orts-, Regional- und selbst Europa-Geschichte ist in Sievershausen überaus lebendig

Sie hatte an diesem Tag selbst Gäste im Haus, aber Andrea Krüger-Glimmann (links) ließ es sich nicht nehmen, die TSV-Oldies auf ihrer Hofstelle - wo einst auch die Postkutschenstation bestand - zu einer kleinen Erfrischung einzuladen. (Foto: Walter Klinger)
 
Anhand alter Bilder erläutert Giesela Schulz vom Arbeitskreis Ortsgeschichte gern die bis heute wechselnden Nutzungen der Hofstellen - auch den Antikhof wird es in dieser Funktion nicht mehr lange geben. (Foto: Walter Klinger)
SIEVERSHAUSEN (r/kl). In den Steterburger Annalen wird für das Jahr 1166 Arpke im „banni“ (Archidiakonat) Sievershausen erwähnt. Das ist 850 Jahre her und wird am Wochenende vom 19. bis zum 21. august 2016 bei einem Dorffest gefeiert..
Sievershausen und Arpke sind sicher noch älter, denn die Erwähnung eines Ortsnamens bedeutet, dass dieser Ort schon vorhanden war. Der Kirchturm ist der älteste Teil der Sievershäuser Kirche, die wie frühere Untersuchungen ergaben, schon um das Jahr 1000 bestand. Doch schriftliche Nachweise zu finden, ist schwierig.
Ortsgeschichte hat in Sievershausen, wo bei der Schlacht von 1533 Militär-, Kirchen- und sogar regionale/europäische Geschichte geschrieben wurde, einen hohen Stellenwert. Der Ortsgeschichtliche Raum in der Antikriegswerkstatt, dortige Ausstellungen und Vorträge (bei Prof. Biegel mit manchmal sogar mehr als 100 Zuhörern) sowie Chronikbände (und selbst ein Handbuch des Sievershäuser Platt) zeugen davon.
Jüngstes Beispiel war die starke Beteiligung an einem weiteren historischenDorfspaziergang der "Aktiven Oldies" des TSV Sievershausen. Mit Giesela Schulz vom Arbeitskreis Dorfgeschichte und zahlreichen Gästen erwanderten sie die frühere Ortschaft "Ambostel", die mit den Ortschaften "Sievershausen" und "Röddenser Busch" letztlich die Gemeinde Sievershausen bildete.
Bevor sich die TSVer jedoch auf dem Weg machten, hatten sie sich im Sportheim an einem leckeren Frühstücksbuffet gestärkt, das von Annegret Schäffer und Heidi Kröpke vorbereitet wurde.
Giesela Schulz nutzte die Gelegenheit, um die Oldies anhand einer alten Karte schon einmal auf den späteren Dorfspaziergang auf "Ambostel" theoretisch einzustimmen. So sei Ambostel bis 1928 eine selbständige Gemeinde gewesen. Der Name Ambostel könnte aus einer Verbindung mit Abbensen (Ansiedlung des Abu) herrühren.Vermutlich hat ein Abbensener Gutsherr einen Hof in Ambostel gehabt.
Keine eindeutige Erklärung konnte sie dafür geben, warum Ambostel im Volksmund auch "Katten" genannt wird. Ob nun ein Herr von Katten, das Aufhängen von Katten (Katzen) oder weil Ambostel der kleinere Ort gegenüber Abbensen gewesen ist (klein wie ein Katzentisch), dafür verantwortlich ist, bleibt nur Vermutung.
Nach der interessanten Einführung und dem ausgiebigen Frühstück ging es dann an die Luft. Die alten Hofstellen von Ambostel wurden eingehend erläutert und Schulz hat zu jedem Gebäude die passende historische Entwicklung parat. Eine Überraschung hatte Andrea Krüger-Glimmann vorbereitet. Sie lud die Oldies auf ihrer Hofstelle zu einer kleinen Erfrischung ein.
Dazu gab es interessante Details zu den wunderschönen historischen Gebäuden auf ihrem Grundstück. So gab es hier beispielsweise eine alte Poststelle, in der früher die Pferde gewechselt wurden. Über den früheren Dorfteich, der der Landesstraße weichen musste, ging es in den Schafsköttelweg (Röhrser Weg). Diese hatte den Spitznamen, da hier früher die Schaafe der angrenzenden Höfe auf die Weide gebracht wurden. Interessant war auch eine schriftliche Kindeserinnerung, bei der die jetztige John-F.-Kennedy-Straße als Asphaltstraße bezeichnet und als Spielstraße genutzt wurde. Heute undenkbar.
Das Wissen der Dorfhistorikerin über die Sieverhäuser Dorfgeschichte schien unerschöflich. Die TSV-Oldies hingen an ihren Lippen. Viele Kindheitserinnerungen wurden bei den Anwesenden wachgerufen.
Nach rund zweieinhalb Stunden endete der historische, kurzweilige Dorfspaziergang nach Auffassung der Teilnehmer viel zu früh. Obwohl viele der TSV Oldies bereits seit ihrer Geburt in Sievershausen leben, haben sie an diesem Tag noch sehr viel Neues über ihr Heimatdorf erfahren - wie zuvor schon bei einem historischen Dorfspaziergang durch das übrige Sievershausen.