Oberschule soll Schulstandort Hämelerwald sichern

Hämelerwalds Ortsbürgermeister Dirk Werner (vorn, beim Ausmarsch), nahm bereits beim Schützenfest ausführlich Stellung zur Forderung nach dem Erhalt des Schulzentrums Hämelerwald. (Foto: Walter Klinger)
 
In nur einer Woche im Dorf 1.373 Unterschriften für den Erhalt des Schulstandortes Hämelerwald gesammelt: Tobias Pohl (vorn, rechts), Gründer der entsprechenden Bürgerinitiative, übergab sie bei der Ratssitzung vor der politischen Sommerpause an Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk. (Foto: Walter Klinger)
Lehrte: IGS Lehrte/Schule am Ried Hämelerwald |

Kursänderung bei der "Ratsmehrheit" in Lehrte

LEHRTE/HÄMELERWALD (r/kl). Wie sehr - bei zudem einem Stimmenpatt in dieser Frage - die Meinungen im Lehrter Stadtrat zur weiteren Schulentwicklung auseinander liegen, ist bekannt. Jetzt kommt erstmals wieder Bewegung in die starren Fronten: die bisherige Ratsmehrheit des Bündnisses von SPD, Grünen und Linken will den Schulstandort Hämelerwald jetzt doch weiterführen - durch die Errichtung einer Oberschule.
Dass das Schulzentrum Hämelerwald aufgegeben werden sollte (weil die Sek I der IGS mit zur IGS-Oberstufe nach Lehrte soll) hatte die zwei Hämelerwalder SPD-Ratsherren gegen die Vorschläge des Mehrheitsbündnisses stimmen lassen.
Die Gruppe CDU/Pirat hat dagegen die Verlegung auch der IGS-Oberstufe nach Hämelerwald gefordert, um dort die IGS als ein Ganzes weiter zu führen und somit den Schulstandort zu sichern. Auch FDP und AfD könnten sich damit anfreunden.
Im Namen des Mehrheitsbündnisses hat am gestrigen Freitag nun der SPD-Fraktionschef Dr. Bodo Wiechmann diesen Änderungsantrag zu den bisherigen Forderungen zur Schulentwicklung gestellt: "Die breite Forderung nach einer weiterführenden Schule im Lehrter Osten wird vom Rat der Stadt Lehrte anerkannt.
Im Schulzentrum Lehrte-Ost soll eine Oberschule eingerichtet werden. Die gesetzliche Voraussetzung dafür ist, dass ein ausreichender Bedarf dafür nachgewiesen wird.
Die Verwaltung wird beauftragt, Informationsveranstaltungen zur Errichtung einer
Oberschule durchzuführen. Diese sollen insbesondere in den Grundschulen in Arpke, Immensen, Hämelerwald und Sievershausen erfolgen."
Obwohl bei den Informationsveranstaltungen vor der jüngsten Elternbefragung Realschullehrer Jens Rabba (bis vor einem Jahr noch in Lehrte) das Konzept der Oberschule anschaulich darstellte, galt diese Alternative bislang nur als ein Außenseiter.
Kritiker hatten mehrfach prognostiziert, eine Oberschule werde keine lange Überlebenschance in Hämelerwald haben. Haupt- und Realschule gemeinsam, das habe man mit Erfolg schon ursprünglich in Hämelerwald mit der alten HRS gehabt, bevor das "Schulformmonopoly" eingesetzt habe.
Entscheidend für die anstehenden Beschlüsse zur künftigen Schullandschaft dürften die Stimmen der beiden Mehrheitsabweichler aus Hämelerwald sein. Dazu hatte Ortsbürgermeister Dirk Werner als einer von ihnen beim Festessen des Hämelerwalder Schützenfestes unter rauschendem Beifall die SeK I der IGS in Hämelerwald als Erfolgsmodell bezeichnet und weiter ausgeführt:
"Die Anmeldezahlen für die IGS Lehrte aber liegen gegenüber der
Befragungen aus 2013 zurück und das Gymnasium boomt. Nun wurde in diesem Jahr eine 2. Elternbefragung durchgeführt. Leider wurde diese Befragung nach meiner Meinung nicht professionell durchgeführt und so kamen da von den 1.687
angeschrienen Eltern nur 525 verwertbare Rückläufer, also mal gerade 31 Prozent und das bei einer Umfrage, bei der nur die Betroffenen angefragt wurden. Das ist für mich keine Umfrage mit repräsentativem Charakter.
Nun kann man sich aber aus diesen Zahlen prima alles herleiten, was man gern möchte. Und so kam es zu dem Antrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und die Linke im Stadtrat die IGS komplett nach Lehrte umzusiedeln und den Hämelerwalder Standort ohne weitere Konzepte zu schließen und abzuwickeln. Das ist ja einfach oder hört sich komisch an, ist aber so.
Und nun komme ich zu dem was mich mächtig stolz auf unser Hämelerwald gemacht hat. Ich hatte einmal bei einem Neujahrsempfang in Hämelerwald, bei
dem auch unser Bürgermeister der Stadt dabei war, von Hämelerwald als dem Gallischen Dorf gesprochen. In den letzten Wochen konnte ich beeindruckend miterleben, wie dieses Wirklichkeit wurde.
Obwohl hier, wie im gallischen Dorf, oft über Nichtigkeiten gezänkelt wird, stehen in Sachen Schulstandort alle hinter Hämelerwald. Es wurde eine Bürgerinitiative gegründet, die nach vier Tagen bereits über 800 Mitglieder hatte. Diese Bürgerinitiative hat eine Unterschriftenaktion, die aufgrund des bevorstehenden Stadtratstermins nur eine Woche Zeit hatte, gestartet, in der sagenhafte 1.373 Unterschriften zusammen gekommen sind. Das sind mehr Unterschriften, als die BIGIL nach mehreren Wochen damals für die Gründung der IGS hatte.
Wäre die Aktion noch länger gelaufen, wäre das Ergebnis noch wesentlich größer gewesen. Das ist eine nicht zu vernachlässigende Anzahl, die sich die Parteien in Lehrte doch zu Herzen nehmen sollten, denn eine Schließung des Schulstandortes würde genau in die nächsten Wahlen für den Bürgermeister der
Stadt Lehrte und die Kommunalvertretungen fallen.
Auch die Kostenseite sollte man nicht ganz außer Acht lassen. Würde die IGS komplett nach Hämelerwald umziehen, würden die teuren Neubauten in Lehrte nicht notwendig, eine Mensa wäre ebenfalls nicht erforderlich, einzig die Erweiterung des Standortes Hämelerwald um die Oberstufe wäre mit einer Baumaßnahme verknüpft, die aber längst nicht die Dimensionen erreichen würde,
wie die Abrisse und Neuaufbauten im Schulzentrum Südstraße.
Die Gebäude in der Südstraße wären bestimmt auch geeignet den wachsenden Raumbedarf für das Gymnasium Lehrte zu decken und das ohne die immensen Kosten für Neubauten. Das wäre Kostenbewusstsein der Stadt und der Parteien auch vor dem Hintergrund der anderen anstehenden Großprojekte wie zum Beispiel der Stadtfeuerwehr oder der Sanierung des Rathauses. Jeder Steuergroschen kann schließlich nur einmal ausgegeben werden".