Mit Trompetenschall und Paukenschlag: Weihnachts-Oratorium in Lehrte erreicht die Herzen

Chor, Orchester und Solisten waren unter der Leitung von Birgit Queißner glänzend aufgelegt beim Weihnachtsoratorium in der gut, aber nicht bis auf den letzten Platz gefüllten Matthäuskirche. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Matthäus-Kantorei, Orchester und Solisten spielen Bachs Meisterwerk unter Kantorin Birgit Queißner

LEHRTE. Wer kennt sie nicht – den Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“, die Auftakt-Fanfaren und die ersten Worte des Evangelisten: „Es begab sich aber zu der Zeit . . .“? Adventszeit ist Weihnachtsorato-rium-Zeit. In der Matthäus-Kirche haben annähernd 300 Besucher dem Meisterwerk von Johann Sebastian Bach gelauscht und die Ensembleleistung mit herzlichem Beifall gewürdigt.
Die 1734 in Leipzig uraufgeführte Komposition beginnt mit dem vierstimmigen Eingangschor in strahlender Dur-Tonart. Der Chor der Matthäus-Kantorei mit 52 Sängerinnen und Sängern zeigte damit von Anfang an seine wache Präsenz, die Kantorin Birgit Queißner während der ersten drei Kantanten auch mühelos auf das Orchester und die vier Solisten übertragen konnte.
Im homogenen 20-köpfigen Klangkörper fielen insbesondere der glänzend disponierte Trompeter Romeo Balamiento, die einfühlsame Flötistin Heide Dahlhoff, die von Kerstin Ingversen gespielte Oboe und Dorothea Paschko an der Orgel auf. Auch die Continuo-Gruppe, die die Rezitative des Evangelisten begleitete, spürte mit dem Cellisten Roland Baumgarten an der Spitze den Bach’schen Intentionen weniger routiniert als erfrischend nach. So entstand – ein Verdienst der offenbar sorgfältigen Einstudierung und Zeichengebung durch Queißner - ein Klangerlebnis von erlesener Qualität in Rezitativen, Chorälen und Arien.
Das Solisten-Quartett genügte ebenfalls hohen Ansprüchen. Tenor Jan Kristof Schliep, immerhin studierter Diplom-Opernsänger und am Hildesheimer Theater engagiert, erzählte die Weihnachtsgeschichte nach Lucas mit großer Textverständlichkeit und gestaltete seine einzige Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilet“ sehr gefühlvoll und mit klaren Spitzentönen. In nichts nach stand ihm der Bass-Bariton Torsten Gödde, der gleich mit seiner ersten Arie „ Großer Herr und starker König“ mit kraftvoller Stimme und interpretatorischer Eleganz aufhorchen ließ.
Geringfügige Schwierigkeiten, sich immer gegen den manchmal wuchtigen Orchesterklang durchzusetzen, hatten Julia-Sophie Kober (Sopran) und Mechthild Seitz (Alt) Ihre Solo-Passagen wie die Engel-Botschaft „Fürchtet Euch nicht, ich verkündige Euch große Freude“ (Kober) und „Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben“ (Seitz) erreichten aber ungetrübt die Herzen der gebannt lauschenden und nach dem da capo von „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“ kräftigen Beifall spendenden Zuhörinnen und Zuhörer. Horst-Dieter Brand