Mit Bidla Buh auf Tournee nach Peine-Ost

„Kleiner Hai“ mit großer Klappe: Die drei Musiker von „Bidla Buh“ verpassten dem Internet-Gag noch ein paar neue Pointen. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Sekt und Frack und Rock‘n‘Roll - das Publikum hielt es bei der frech-flotten Show nicht auf den Stühlen. (Foto: Susanna Veenhuis)

„Sekt und Frack und Rock‘n‘Roll“ - Musik-Comedy im Kurt-Hirschfeld-Forum

LEHRTE (sv). Sabine in der ersten Reihe hat es nicht leicht. Ihr Gesprächspartner im Frack, der charmante Musiker, spart nicht mit Komplimenten und bricht in wahre Begeisterungsstürme aus, als sie ihren Einsatz als Ein-Ton-Glockenspielerin perfekt setzt. Auch ihr Mann Horst ist nicht so ganz überzeugt vom gemeinsamen Glück, als Hans Torge Bollert das Publikum im fast ausverkauften Kurt-Hirschfeld-Forum zur After-Show-Party bei den beiden einlädt.
Bollert ist charmanter Dampfplauderer und Moderator des Musik-Comedy-Trios „Bidla Buh“. Außerdem, so stellt sich im Lauf des Abends heraus, ist er ein genialer Musiker, stellt alle seine Trompeten von der Klassik- über die neonrote Jazz- und die kleine dicke Volksfest-Trompete sowie die Hardrock-Trompete mit Nebelmaschine und eingebauter Laser-Show bis hin zur Gartenschlauch-Tröte vor - denn er ist ja „zu schade für eine!“ - und greift außerdem beherzt auf Tasten und in Saiten. Saitenspiel und, wie die Zuschauer später erfahren, gelegentlich auch -Sprünge, sind eigentlich das Metier von Gitarrist Olaf Klindworth, genannt Ole. Schlagzeuger Jan Frederick Behrend komplettiert das Trio, zusammen treten sie als Brüder auf und verhalten sich auf der Bühne entsprechend - musikalisch sehr harmonisch, aber sonst eher missgünstig und missgelaunt. Entsprechend zeigen sie leidende Griesgram-Mienen. Bis auf den Conferencier, der aber auch nicht zimperlich ist in Sachen Seitenhieben, im wörtlichen wie im musikalischen Sinn.
Gleich zu Anfang wird nicht lang gekleckert, sondern direkt geklotzt: Keine fünf Minuten nach Beginn haben die drei Musiker ihr Publikum voll in der Hand, es wird eher enthusiastisch als rhythmisch, aber heftigst mitgeklatscht. Aber das mit dem Rhythmus wird im Lauf des Abends immer besser, denn Bidla Buh stammt aus Hamburg, ist seit über 15 Jahren im Geschäft und weiß, wie man norddeutsch Unterkühlte zum Lachen, zum Singen und schließlich sogar zum Tanzen bringt. Wie zum Beispiel Sabine aus der ersten Reihe.
Die Show ist nicht nur musikalisch genial und ultra witzig, sondern auch interaktiv: So müssen „Hilfsmusiker“ aus dem Publikum - und beileibe nicht nur aus der ersten Reihe - mit einer lauten Ratsche für das „bayerische Waldesrauschen“ oder mit einer als „Fieberzäpfchen für hannoversche Mastbullen“ bezeichneten Kürbisratsche, wobei der Spieler auch einen Heulton von sich geben sollte, und mit einer Holzklapper, deren Spielerin sich auch noch dazu drehte, die passende Untermalung für ein Medley so gar nicht zusammen passender Lieder erzeugen. Diese aber, beginnend mit „Kein Schwein ruft mich an“, waren nahtlos aneinander gefügt, das mitklatschende Publikum bewältigte den Rhythmuswechsel immer professioneller.
Ukulele, Cajon, Ziehharmonika, Glöckchen am Gewand oder simple Ikea-Plastikbecher, die drei machten aus allem Instrumente und mit allem Musik. Auch ein historisch anmutendes Koffervibrafon kam zum Einsatz, es gab Sekt (in der Pause) und Frack und Rock‘n‘Roll vom Feinsten. Und Unterricht in Sparsamkeit: So konnten die Zuschauer erfahren, wie man zu dritt gleichzeitig auf einer Gitarre spielen kann - heraus kam ein Miniorchester mit Perkussion in Perfektion.
Mit Haifischbadekappe, mit Perücke als Barockmusiker, als Udo Lindenberg-Nuschler und Herbert Grönemeyer-Knödler, ob als rasender Xylofonist, Kaktus-Kiffer und als Westernhagen-Grunzer, die drei Hamburger begeisterten das Publikum bei ihrem „ersten und bisher besten Konzert in Lehrte“, so dass sie sich natürlich nicht ohne Zugaben verabschieden konnten. Mit stehenden Ovationen - das Publikum stand ja bereits vom gemeinsamen Singen, und hinsetzen mochte sich bei dem Schwung und Tempo eh niemand mehr. Ob allerdings Sabine aus der ersten Reihe der Einladung der drei zur Tournee nach Peine-Ost tatsächlich gefolgt ist, ist nicht überliefert.