Lehrte ist in der Willkommenskultur für Flüchtlinge auf einem guten Weg

Von links: Stadtrat Uwe Bee, die Landtagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der Grünen, Filiz Polat, der stellvertretende Bürgermeister Dündar Kelloglu und der Geschäftsführer des Niedersächsischen Flüchtlingsrats, Kai Weber, erörterten Möglichkeiten zur Integration von Flüchtlingen. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Achim Rüter (links), Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Lehrte, und Eva Lütgemeyer stellten auf Nachfrage des Lehrter Grünen-Sprechers Christian Gailus (re.) ihre Angebote für Flüchtlinge vor. (Foto: Susanna Veenhuis)

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Bemühen um Teilhabe, aber Sammel-Wohncontainer lassen sich auf Sicht nicht mehr vermeiden

LEHRTE (sv). „Wir haben in Niedersachsen einen Paradigenwechsel eingeläutet“, sagte Filiz Polat, Landtagsmitglied, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin der niedersächsischen Grünen bei der Podiumsdiskussion in der Alten Schlosserei. Unter dem Titel „Flüchtlinge – Unterkunft und Teilhabe“ hatten die Lehrter Grünen zu der Diskussion eingeladen.
Neben Moderator Dündar Kelloglu, stellvertretender Lehrter Bürgermeister, und Filiz Polat erörterten auch der Geschäftsführer des niedersächsischen Flüchtlingsrats, Kai Weber, und der erste Lehrter Stadtrat Uwe Bee die Situation von Flüchtlingen in Lehrte.
162 Flüchtlinge, vorwiegend aus dem Sudan, Somalia, Montenegro, Algerien, Syrien, Irak, Pakistan und Afghanistan sowie Staatenlose haben bislang in Lehrte Zuflucht gefunden, berichtete Bee. Und sie seien von den Ortsverbänden des Deutschen Roten Kreuzes und vielen Privatpersonen herzlich begrüßt und aufgenommen worden.
Allerdings seien die Unterbringungskapazitäten in Wohnungen ausgeschöpft, die Stadt sehe keine andere Möglichkeit mehr als die Beschaffung von Wohncontainern, zumal kurzfristig weitere 123 Personen zugewiesen würden. Bee: „Sehen Sie sich die weltpolitische Lage an, es wird weitere Quoten geben, und sie werden höher sein – wir haben die humanitäre Verpflichtung, sie aufzunehmen!“
Sprache sei der Schlüssel zur Integration, sagte Kelloglu und kritisierte, dass die offiziellen Sprachkurse im Rahmen von Integrationskursen nur Migranten mit einem Aufenthaltsstatus offen stünden – Flüchtlinge und Asylbewerber seien außen vor. Für diesen Personenkreis hatten Privatleute auf Initiative der pensionierten Lehrerin Eva Lütgemeyer, jetzt in Zusammenarbeit mit demvom Lehrter DRK unterstützt, niedrigschwellige Sprachkurse eingerichtet. „Wir sind inzwischen sechs Lehrer, und 50 bis 60 Leute nehmen dieses Angebot wahr“, sagte Lütgemeyer.
Es würden auch mehr Frauen die Kurse besuchen, wenn sie während dieser Zeit eine Betreuung für ihre Kinder hätten. Aber eine entsprechende Anfrage in den städtischen Kitas brachte aus versicherungs- und verwaltungstechnischen Gründen eine Absage.
Auch ein Sprachkursus, den Migranten aus Eritrea vor etwa einem halben Jahr bei der Volkshochschule beantragten und aus eigener Tasche finanzieren wollten, scheiterte letztlich an den Verwaltungshürden.
Die sah auch Kai Weber als Haupthinderungsgrund für eine praxisorientierte und flexible Flüchtlingspolitik: „Es geht immer um die Verteilung von Kosten zwischen Bund, Land und Kommune. Wir müssen intelligente Systeme der Integration von Flüchtlingen installieren, von denen alle Seiten profitieren!“
Filiz Polat berichtete, dass Landauf, landab die Bürger in den Kommunen mittlerweile eine Willkommenskultur für die geflohenen, vertriebenen und oft auch traumatisierten Menschen entwickelt hätten - anders als bei der Migrationswelle in den 1990er-Jahren, als Asylbewerber bewusst ausgegrenzt worden seien.
Aktuell fördert das Land Niedersachsen auf Antrag Projekte in den Bereichen Migration, Teilhabe, Vielfalt, Demokratie und Toleranz.
„Integration beginnt mit Sprache und setzt sich fort über Möglichkeiten zum Mitmachen“, sagte Achim Rüter, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins, in seinem Bericht über die vielfältigen Aktivitäten und Hilfsangebote und fügte hinzu: „Da sind wir in Lehrte auf einem guten Weg!“