Landfrauen in Lehrte und Sehnde wollen mehr als Torten backen

Genau 111 Landfrauen aus Lehrte und Sehnde ließen es sich nicht nehmen, trotz besten Garten-Wetters der Einladung zu einem Vortrag ihres Verbands im Ahltener Landhotel Behre zu folgen und der Referentin begeistert zu applaudieren. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Uta Busch, Leiterin der Landfrauen-Ortsgruppe Lehrte-Sehnde, freute sich, dass sie bei der Begrüßung gleichzeitig zwei neue Mitglieder willkommen heißen konnte. (Foto: Susanna Veenhuis)
Lehrte: Landhotel Behre |

Ein Beitrag von Susanna Veebhuis - Bildungsarbeit und Politik sind Kernaufgaben

LEHRTE/SEHNDE (sv). Oft noch verschrien als Club fürs Tortenbacken, Garten dekorieren und Erntekronen binden, wollen – und tun - die Landfrauen aber viel mehr: Unter dem Motto „Wild, frech und wunderbar – auf dem Land und mitten im Leben“ referierte die niedersächsische Landesverbandsvorsitzende Barbara Otte-Kinast über die Aktivitäten des Landfrauen-Verbands, die mittlerweile weit über hauswirtschaftliche Themen und Vortragsveranstaltungen hinaus gehen.
Landfrauen aus Lehrte und Sehnde – unter ihnen just zwei Neueintritte – konnte deren Ortsverbandsvorsitzende Uta Busch trotz mild-sonnigen Gartenwetters bei dem nachmittäglichen Vortrag im Landhotel Behre in Ahlten begrüßen. Die Veranstaltung war Bestandteil der Sehnder Frauenkulturtage rund um den Weltfrauentag am 8. März.
Dazu schlug die Referentin Otte-Kinast, selbst Milchbäuerin auf einem Hof bei Bad Münder, einen großen Bogen über all die Themen, bei denen sich die Landfrauen auf verschiedenen Ebenen einmischen. Ob es die Situation der freien Hebammen ist, auf die gerade Frauen in ländlichen Gebieten angewiesen sind, die Abschaffung der Förderschulen zugunsten von Inklusionsklassen, schnelles Internet auf dem Land oder die Mobilität im ländlichen Raum – alle diese Themen bewegen die Landfrauen nicht nur, weil sie davon betroffen sind, sondern sie setzen sich auch aktiv für Verbesserungen ein. „Gerade vor Wahlen sind wir immer wieder eine gefragte Institution, deren Meinung den Politikern wichtig ist“, sagte Otte-Kinast.
Bei Verhandlungen mit Verbänden und Politikern müssten sie bisweilen durchaus auch etwas frech auftreten, „sonst gibt es nur ein mildes Lächeln!“ So habe man mit den Restaurants der Autostadt Wolfsburg das Gespräch gesucht, als diese damit warben, fortan nur noch vegane Küche anzubieten, nannte Otte-Kinast ein Beispiel.
„Wir Bauern mussten damals viel Land für die Autostadt verkaufen, vielen blieb nur noch die Tierhaltung. Mit dieser Einstellung würde unserem ganzen Berufsstand Schaden zugefügt; die Gespräche zeigten inzwischen Wirkung.“
Allem voran stünde die Bildungsarbeit innerhalb des Verbands wie beispielsweise die Coachings junger Frauen für mehr Erfolg im Berufsleben, das sei „der Renner, die Workshops sind schnell ausgebucht!“ Um der mangelhaften ärztlichen Versorgung in der Fläche gegenzusteuern, hat der Landfrauen-Verband ein eigenes Zehn-Punkte-Papier konzipiert
Es schlägt unter anderem vor, den aktuell sehr hohen Numerus Clausus für künftige Medizinstudenten leicht zu senken und ihnen somit jahrelange Wartezeiten zu ersparen, die dafür ihrerseits die Verpflichtung eingehen, für eine bestimmte Zeit als Landärzte zu praktizieren.
Im Herbst starten in der Reihe „Wissen entspannt" neue Kurse zu den Themen „Wasser“ und „Bienen". Dir Kurse werden von der Bingo-Umweltstiftung bezuschusst, sagte die Referentin.
Kochen mit Kindern, Flüchtlingsarbeit, Energiewirtschaft, Antibiotika und nicht zuletzt das Thema Wölfe sind weitere Felder, auf denen die Landfrauen aktiv sind. Dabei kommt auch das Freizeitvergnügen nicht zu kurz, versicherte Barbara Otte-Kinast und nannte unter anderem einen Besuch mit zwei Bussen bei einem HSV-Fußballspiel.
Zwar beträgt der Altersdurchschnitt der Ortsgruppe Lehrte-Sehnde nach Angaben von Uta Busche derzeit 71 Jahre; wenn es nach der Entwicklung auf Bundes- und Landesebene geht, kann der sich sehr bald senken. So seien viele Neuzugänge von jüngeren Frauen zu verzeichnen, Gruppen junger Landfrauen mit eigenen, neuen Themen sprießen geradezu aus dem Boden, machte Barbara Otte-Kinast Hoffnung.
Neben dem großen, äußerst aufmerksamen Auditorium zeigte sich Landesvorsitzende auch von der Sehnder Veranstaltungsreihe sehr angetan. „Diese Frauenkulturtage hier sind eine gute Institution, diese Idee nehme ich mit in den Vorstand“, sagte Otte-Kinast.