Können (Geist-)Witz und Kulturprogramm das komplizierte Europa erklären?

Da bewegt sich was in Europa, und in Lehrte dazu noch sehr anmutig: Umdenken von Folklore- auf moderne Tanz-Performance zu Pop-Chharts-Hits muß man auch bei den Tanzbeiträgen der türkischstämmigen Mitbürger. Die neue Gruppe "Yurdumdance" des Sportvereins "Yurdumspor" Lehrte zeigte bei ihrer öffentlichen Tanzpremiere beim "Europa-Fest" mit Charme, warum . . . (Foto: Walter Klinger)
 
Es hat sie schon immer gegeben, die (Wirtschafts-)Krisen (nur hilft statt der einst angerufenen Fabelwesen heute zuverlässig der europäische Rettungsschirm). Schon immer auch haben die Iren und Schotten mit ihrer Musik die Not erträglicher gemacht. Diese, von der Folkloreband "Mullin Dhu" präsentierten Songs luden denn auch beim "Europa-Fest" zu immer noch möglichen aktuellen Bezüge zu heutigen Situationen ein. (Foto: Walter Klinger)

"Europa-Fest" der SPD Lehrte bot anregend-relaxenden Spaß mitten im Wahlkampf . . .

LEHRTE. Von uns Journalisten fordert Ekkehard Bock-Wegener immer wieder: "Bringt doch mal auch mehr Hintergrund!". Dafür beschwert sich der Lehrter Ratsherr und SPD-Abteilungsvorsitzende nie, wenn Meldungen von regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen eher kurz ausfallen. Letzteres war jetzt zwar mehrfach der Fall, aber Anlass für diesen Artikel ist die jüngste Aktion des Lokalpolitikers. Bei welcher er zusammen mit der jungen Aktiven-Riege der SPD Lehrte-Kernstadt (und natürlich seiner Ehe-(und Rats-)Frau Petra, ganz außerhalb der Reihe mal etwas völlig anderes bot als Wahlkampfstände: ein "Europa-Fest" mit einem Kulturprogramm, das die Kriterien kultureller Begegnung erfüllte.
Und zugleich dafür warb, aktiv selbst solche zu suchen, beispielsweise durch Beteiligung an den bestehenden Kontaktmöglichkeiten durch Städtepartnerschaften - auch als Gastgeber. In unserem Redaktionsjargon würden wir ein solches Vorhaben als "den Hintergrund aufhellen" bezeichnen. Tatsächlich klarte sogar der trübe "Maibummel"-Himmel mit etwas Sonne auf, als zu Beginn als erneute Kandidaten (Wahltag: 25. Mai) Regionspräsident Hauke Jagau und SPD-Europaabgeordneter Bernd Lange (aus Burgdorf) anderthalb Stunden lang 300 Muttertagsrosen auf dem City-Stadtfest verteilten.
Dann aber standen die Wahlkämpfer wieder im Dauerregen, hatte - die in Lehrte zu ihrem Glück über eine junge Aktiven-Riege verfügende - Parteibasis Stress mit dem schnellen Umräumen des Europa-Festes vom Freien (wo die Musik-Rhythmen besser gekommen wären) unter das Dach des Fachwerkhauses im Stadtpark (wo das Publikum im voll besetzten Saal doch etwas statisch-eng saß). Die jungen Aktiven sind übrigens so engagiert dabei, weil man (frau!) in der Lehrter Politik, wo sogar Geld für Großprojekte in die Hand genommen werden kann, noch über richtig wichtige Dinge entscheiden kann.
Sichtlicher Spaß am politischen Gestalten (auch wenn die Sozialdemokraten in Brüssel derzeit keine Mehrheit haben) scheint auch den hiesigen SPD-Abgeordneten (Matthias Miersch im Bundestag und Bernd Lange im Europaparlament) noch recht jugendlich wirkenden Schwung zu verleihen - von der Basis bis zu Niedersachsens SPD-Europapolitiker (auf Listenplatz) Nr. 1 motiviert und ergänzt man sich über alle Ebenen denn auch prächtig.
Beim "Europa-Fest" zeigt sich das nicht zuletzt im gemeinsamen Singen internationaler Lieder der Arbeiterbewegung, die natürlich auch am DGB-Infostand zustimmenden Gefallen finden. Noch einen zweiten Info-Stand gibt es, die Naturfreunde werben hier einmal mehr um eine politische Lobby für den Ausbau ihrer Häuser (vor allem in Immensen-Grafhorn) für Jugendbegegnungen und Umweltbildung.
Arbeiterlieder erklingen bei den Genossen in der Lehrter Kernstadt-SPD natürlich nicht zum ersten Mal, zuletzt wurden sie zur Ausstellung "150 Jahre Sozialdemokratie" mit dem Unterbezirksvorsitzenden Matthias Miersch angestimmt. Heiterkeit aber kommt im Saal auf, als in einem Song über einst unschuldig hingerichtete US-Gewerkschafter eine vollmundig mitgesungene Liedzeile bestätigt: ". . . auch dein Kampf, Angela, wird weitergeh'n, weil hinter Euch Millionen steh'n".
Gemeint ist natürlich nicht Angela Merkel, sondern die einstige Farbigenrechtlerin Angela Davis. Aber irgendwie stimmt selbst hier wieder der aktuelle politische Bezug, denn draußen im Regen unter einem Sonnenschirm diskutieren zwei der Jüngeren gerade die andere Seite der großen Koalition: welche SPD-Initiativen unter Angela Merkels Kanzlerschaft in Gefahr sind, ausgebremst zu werden.
Denkt man gerade gemeinsam zu einem Thema wie Europa nach, sind aktuelle Bezüge schnell gefunden, selbst in den historischen Liedern, mit denen in ebenfalls zwei Auftrittsblöcken die Folkloregruppe "Mullin Dhu" beim Fest unterhielt. "The full rigged Ship" - ja: Das einst aus Not gern Feen, Riesen und Fabeltiere besingende Irland, beim (in Tateinheit mit deutschen Banken und Anlegern ermöglichten) Ausflug in die Welt der großen Gewinne von der platzenden Spekulationsblase erwischt, hat nach europäischer Rettungstat wirtschaftlich wieder unter vollen Segeln Fahrt aufgenommen.
"Stimmt, aber die Iren müssen noch was in ihrer eigenen Gesetzgebung tun", merkt zu solchen Gedanken Bernd Lange an - ein handelspolitischer Sprecher im Europaparlament hat da eben ein weites Blickfeld. Aber auch jeder andere kann dazu beitragen, die Perspektive zu erweitern.
Das Verständnis für andere Kulturen und Verhältnisse, aber auch den Blick für Probleme, die man europäisch gemeinsam angehen kann, schärfen bereits die vor Ort aufgenommenen Städtekontakte. "Unsere Städtepartnerschaften zu Frankreich, Belgien und Polen, die wollen wir pflegen", bekräftigt dazu Ekkehard Bock-Wegener, unter Hinweis auf eine beim Europa-Fest für die Städtepartnerschaften werbende Infotafel.
Wie wichtig solche Kontakte sind, bestätigte den Lehrtern bei seiner Ansprache zum 1. Mai auf dem Rathausplatz auch der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD): Als ihn - noch hannoverscher Bürgermeister - der zurückliegende Europaerfolg der 96er nach Sevilla brachte, habe ihm ein längeres Gespräch mit seinem dortigen Amtskollegen erstmals so richtig vor Augen geführt, was 60 Prozent Jugendarbeitslosigkeit für eine Stadt wirklich bedeuten. Die Ausbildungsplatzgarantie für die Jugend in Europa ist für die SPD - und auch den gelernten Pädagogen Bernd Lange - denn auch ein überaus vorrangiges Thema.
Begegnungen zwischen den Kulturen sind aber auch schon in der eigenen Stadt möglich, können zudem Überraschungen bieten:
So gar nichts von der gewohnt folkloristischen Pflege türkischer Heimattraditionen hatte der (nach dem internen Jubiläum des Sportvereins "Yurdumspor" Lehrte) beim "Europa-Fest" der SPD beklatschte erste öffentliche Auftritt der neuen Tanzgruppe "Yurdumdance". Deren Mädchen setzen ihre Bewegungsfreude zu Rhythmen internationaler Pop-Chart-Hits - mit viel natürlichem Charme vorgetragen - in mitreißend-schnelle Tanzformations-Performance um.
Gleichfalls beeindruckend der Auftritt der die jungen Tänzerinnen begleitenden Geschwister und Mütter, welche den voll besetzten Saal des Lehrter "Europa-Festes" plötzlich um einen weiteren Zuschauerblock bereicherten. Und dabei für alle unübersehbar machten: Diese selbstbewussten jungen Frauen sind - während die Beitrittsverhandlungen der Türkei in die EU noch stocken - längst im modernen Europa angekommen.
Da sich in der einstigen "Eisenbahnerstadt" das gemeinsame (Sport-)Sponsoring türkischstämmiger und angestammter Unternehmer schon seit Jahren nicht zuletzt beim Abend-City-Lauf (dieses Jahr wegen der späten Ferien bereits am 18. Juli) trifft, werden hier neue türkische Initiativen im Gemeinschaftsleben schneller wahrgenommen als in anderen Städten. So kam - vermittelt auch über die gemeinsame Elternarbeit - ebenfalls der aktuelle Premierenauftritt beim SPD-Fest zustande.
Zumal sie tags darauf auch beim City-Stadtfest "Maibummel" einen Auftrittserfolg hatten und zudem bewiesen, dass sie auch Freestyle tanzfreudig sind, darf für "Yurdumdance" bereits vorhergesagt werden, dass sie (auf jedem Fall schon mal im Show-Programm des City-Laufes, weiteren SPD-Festen auch in den Ortsteilen und beim Hauptschul-Abschlussball) noch so manches Publikum begeistern und überraschen werden . . .


Es hat sie schon immer gegeben, die (Wirtschafts-)Krisen. Nur hilft statt der einst angerufenen Fabelwesen heute zuverlässig der europäische Rettungsschirm. Stets auch haben sich die Iren und Schotten mit ihrer Musik die Not erträglicher gemacht. Diese, von der Folkloreband "Mullin Dhu" präsentierten Songs luden denn auch beim "Europa-Fest" zu immer noch möglichen aktuellen Bezügen zu heutigen Situationen ein . . .