„Kölle Alaaf“ in der Karnevals-Hochburg Sievershausen

So eine Kulisse findet man sonst nur im Karneval am Rhein: Elferrat, Prinzengarde und Funkenmariechen mit den Prinzenpaaren bei ihrer ersten von insgesamt drei Prunksitzungen in der "Frickburg" Sievershausen. (Foto: SOS Sievershausen)
Lehrte: Hotel Fricke Sievershausen |

Noch zwei Prunksitzungen im 55. Jahr der SOS-Karnevalsgesellschaft

LEHRTE/SIEVERSHAUSEN (r/kl). Das Kölner Narrengesetz bestimmt das Verhalten der Sievershäuser Karnevalisten bis zum Aschermittwoch. „Et küt wie et küt“, verkündete die aus Köln stammende Prinzessin Sabine und ihr Gatte, Prinz Kai „vom grünen Berg“, übersetzte diesen und weitere zehn Paragraphen des Kölner Gesetzeswerkes mit einem Augenzwinkern ins Hochdeutsche. So startete die erste Prunksitzung der SOS Karnevalsgesellschaft Sievershausen mit rheinischem Frohsinn in der nahezu ausverkauften „Frickburg“, den Festsälen Fricke in Sievershausen.
„Eines der besten Programme der letzten Jahre“, so Präsident Rainer Ernst, „bunt, fröhlich und abwechslungsreich. Der Karneval in Sievershausen ist wie immer handgemacht, über hundert Aktive stehen auf und hinter der Bühne.“
Zu zwei weiteren Prunksitzungen laden die SOS-Karnevalisten in ihrer diesjährigen Jubiläumskampagne noch ein: an den Samstagen 2. und 9. Februar in der „Frickburg“, den Festsälen Fricke in Sievershausen. Beginn ist jeweilsw um 19.31 Uhr. Karten ab zehn Euro (inklusive eines Loses der "SOS"-Lotterie) gibt es im Vorverkauf (montags und dienstags von 18.00 bis 19.00 Uhr im Gasthaus und Hotel Fricke, John-F.-Kennedy-Straße 32, oder an der Abendkasse.
Charmant und wie immer mit viel Witz führte bei der ersten Prunksitzung Sitzungspräsident Stefan Kaiser durch das Programm. Die Funkenmariechen begeisterten die Gäste mit schwungvollen Gardetänzen und die Jugendprinzengarde hatte als Fliegerstaffel frei nach „Top Gun“ die kreischenden weiblichen Fans auf seiner Seite. Putzfrau Adele berichtete vom Urlaub in Rüdesheim und lästerte musikalisch über ihren Gatten und die Männer im Allgemeinen.
Büttenredner Edgar Korn legte mit seinem „Narrenspiegel“ humorvoll den Finger in die „Wunden der aktuellen Weltpolitik“ und verschonte dabei auch die Prominenz der deutschen Volksvertreter nicht: „Trotz Kältewelle, Wahlkampf und Rentenstau, die Sievershäuser Narren feiern Karneval, Helau!“.
Der Showtanz der Minifunken „SpongeBob“ nach der US-amerikanischen Zeichentrickserie ließ das Publikum nicht kalt. So durften die kleinsten Tänzerinnen und Tänzer erst nach einer Zugabe die Bühne wieder verlassen. Das Showballett der Jugendfunken streifte bei einer Zeitreise mit Titeln von Abba, Michael Jackson und den Spice Girls die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Bei einer tänzerischen Weltreise stoppte die Funkengarde auch im Wilden Westen, an der türkischen Riviera sowie in Andalusien und ließ dabei auch die russische Seele auf das Publikum überspringen.
Die Lacher auf ihrer Seite hatten die Fuhsedeppen, Jörg und Nico Schwieger, die auch das Präsidium der SOS-Karnevalsgesellschaft „durch den Kakao zogen“. Beim Stierkampf und den „Bolitas de Oro“ blieb im Publikum dann kein Auge mehr trocken. Mit einem musikalischen Rundgang durch das Wachsfiguren-Kabinett von Madame Toussauds zeigte das Playbackteam mit tollen Kostümen seine Verwandlungsfähigkeit. Doris Day, Falco, die Rockgruppe KISS und vor allem Thomas Wilkening als Marilyn Monroe und Heinz Erhardt - die Wachspuppen rockten.
Der SOS Chor zeigte mit „Wir machen Musik“ und Gesangstiteln aus legendären UFA Filmen und den Goldenen Zwanzigern sein musikalisches Können - zum 20. Mal unter der Leitung von Winfried Schulze, der als Zarah Leander das richtige Vibrato in der Stimme hatte. Mit einem Medley würdigte das Ensemble das 50jährige Bühnenjubiläum der Beatles. Die bekanntesten Hits, wie „Yellow Submarine“, „Help“ und „Hey Jude“ rissen das Publikum mit und ließen alte Erinnerungen wieder wach werden.
Höhepunkt des Abends waren die Herren der Prinzengarde mit Highlights aus den Programmen der vergangenen 55 Jahre. Mit den schottischen Dudelsäcken, den Glocken von Rom und dem aufreizenden Blick in eine Frauen-Fitness-Gruppe hatten Sie das Publikum auf ihrer Seite. Erst nach der dritten schweißtreibenden Zugabe mit irischen Steptänzen aus „Lord of the Dance“ wurden sie vom Publikum „entlassen“.
Prinzessin Sabine konnte das „Kölle Alaaf“ dann doch nicht den ganzen Abend durchsetzen. Es blieb beim seit 55 Jahren bekannten „Sievershausen Helau“. Das Shadow Light Duo hielt die Stimmung auch auf der Tanzfläche auf dem Höhepunkt, so dass viele Gäste erst am frühen Morgen den Heimweg antraten.