Kleingartenkolonie „Feierabend“ Lehrte kämpft um ihr Bestehen

Gut 60 Pächter und Anlieger der Kleingartenkolonie „Feierabend“ zogen am Samstag bei ihrem Demonstrationszug durch die Lehrter Innenstadt zu einer Kundgebung vor dem Kurt-Hirschfeld-Forum. (Foto: Dana Noll)
 
„Seit 45 Jahren bin ich schon Pächter, hier haben bereits meine Kinder gespielt und nun auch meine Enkel“, sagt der 75-jährige "Feierabend"-Kleingärtner Herbert Peters. Auch er will hier nicht weg. (Foto: Dana Noll)
Lehrte: Kleingartekolonie Feierabend |

Ein Beitrag von Dana Noll - Wird das Vereinsjubiläum im nächsten Jahr zum Abschiedsfest?

LEHRTE (dno). Damit in der Kleingartenkolonie „Feierabend“ zum Ende des nächsten Jahres nicht die Lichter ausgehen, gingen die Pächter/innen auf die Straße. Mit Trillerpfeifen und Plakaten machten sie bei ihrem Zug durch Lehrte am vergangenen Samstagvormittag deutlich „Wir wollen hier nicht weg!“
Im kommenden Jahr sollte eigentlich ein große Party steigen, denn die Kleingartenkolonie „Feierabend“ feiert 2017 ihr 90-jähriges Bestehen. Nun könnte dies gleichzeitig zu einer Abschiedsfeier werden, falls am 19. Oktober in der Ratssitzung (vor welcher sie noch einmal protestieren wollen) die Gelder für die Vorbereitung der Wohnbebauung bereit gestellt werden.
„Seit 45 Jahren bin ich schon Pächter, hier haben bereits meine Kinder gespielt und nun auch meine Enkel“, so der 75-jährige Herbert Peters. Er gehört zu den mehr als 100 Kleingärtnern, die mit der Kolonie „Feierabend“ zahlreiche Jahre und Erinnerungen verbinden.
Doch auch junge Familien entdeckten in den letzten Jahren zunehmend die „kleine Oase in der Stadt“. „Der Kinderanteil ist hier stark gestiegen“, so Bernd Siegert, der neue 1. Vorsitzende der Kleingartenkolonie „Feierabend“. Für viele Familien seien Urlaubsreisen in den Ferien oder Freizeitparkbesuche an den Wochenenden nicht bezahlbar, die Kleingärten böten eine kostengünstige Alternative. Auch die umliegenden Anwohner/innen schätzten den „grünen Gürtel“.
Auf gut 56.000 Quadratmetern befinden sich 104 Parzellen, die bis auf eine, sämtlich verpachtet sind. Sechs Eigentümer teilen sich das Land. Bislang spülte dies nur 25 Cent pro Quadratmeter, brutto, in ihre Taschen. Nun sehen die Grundstückseigentümer ihre Chance, eines attraktiven Verkaufes. Nach Gesprächen im Februar stand fest, dass die derzeitigen Besitzer an die Stadt Lehrte verkaufen werden, wenn der Stadtrat bei seiner Sitzung am 19. Oktober zustimmt.
Dieser Verkaufswille wurde auch bereits notariell festgelegt. Die Stadt plant auf dem bisherigen Kleingartengelände die Errichtung von Wohnhäusern in einem „gemischten Baugebiet“. Die Nachfrage ist gegeben, über „300 Bauherren sind bereits interessiert“.
„Die Nachfrage gibt es doch immer. Wenn das die letzte freie Fläche in Lehrte wäre, könnte ich es verstehen, aber dem ist nicht so. Die Zerstörung dieser Fläche ist aber nur einmal möglich“, so Siegert.
Das gegenseitige Verständnis für alle Interessengruppen ist gegeben – die Fronten sind nicht verhärtet, aber eindeutig. Besonders die Pächter/innen machten bei ihrem Demonstrationszug am vergangenen Samstagvormittag klar „wir wollen hier nicht weg!“
Und dies, obwohl Ausgleichsflächen angedacht sind. „Das ist nicht so einfach, denn wir haben viele ältere Pächter, die körperlich eingeschränkt sind. Auch gilt dies nur für Lehrter Pächter, aber was ist mit den restlichen 15 Prozent, die nicht aus Lehrte kommen“, so Bernd Siegert.
Viele Fragen müssten dazu noch geklärt werden. Die Piraten Partei Lehrte hat sich dazu bereits geäußert und auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen wird in der Kleingartenkolonie erwartet.