Kita-Streik: Neuorganisation der Notbetreuung im Bereich der Stadt Lehrte

Noch ist der Streik, mit dem der öffentliche Sozial- und Erziehungsdienst eine Eingruppierung in die jeweils nächste Gehaltsgruppe fordert (im Durchschnitt zehn Prozent mehr Entgelt) unbefristet . . . (Foto: Walter Klinger)

Platzvergabe nach Dringlichkeit - Notgruppen aufgestockt

LEHRTE (r/kl). Die unbefristeten Streikhandlungen im Sozial- und Erziehungsdienst dauern mittlerweile gut drei Wochen an - ein Ende ist derzeit nicht absehbar.
Aktuell werden 235 Kinder in mehreren Kindertagesstätten, verteilt über das gesamte Lehrter Stadtgebiet, von Teilen des Fachpersonals in jetzt bereits zehn Notgruppen (am Donnerstag dieser Woche um zwei aufgestockt) betreut. Die Kita Hämelerwald fährt Regelbetrieb und betreut täglich 75 Kindergarten- und 20 Hortkinder.
Der Bedarf an einer Notbetreuung der Eltern, die eine Betreuung bisher in Eigenregie sicherstellen konnten oder bei der Vergabe der Notbetreuungsplätze nicht zum Zuge gekommen sind, ist stetig steigend. Aktuell stehen rund 150 Kinder auf der Warteliste.
"Aus diesem Grund wird die Notbetreuung in der derzeitigen Form am Dienstag, 2. Juni enden. Die Vergabe der ab Mittwoch, 3. Juni, zur Verfügung stehenden Notbetreuungsplätze wird in den jeweiligen Kindertagesstätten im Rahmen einer Dringlichkeitsprüfung vorgenommen", informiert Stadtpressesprecher Fabian Nolting.
Eine Übersicht der eingerichteten Notbetreuungsgruppen ist auf der Homepage der Stadt Lehrte (www.lehrte.de) veröffentlicht. Dort werden zudem in regelmäßigen Abständen aktuelle Entwicklungen aufgezeigt.

Bürgermeister sollen höher gruppieren
ver.di beklagt Gehaltsniveau von 1991

LEHRTE/SEHNDE (r/kl). "Es sind die Menschen in den Sozial- und Erziehungsdiensten, die mit hohem persönlichen Einsatz und großer Professionalität einen substanziellen Beitrag zu unserem Gemeinwesen leisten. Für die Beschäftigten haben sich die pädagogischen Anforderungen in den letzten Jahren deutlich erhöht. Gleichzeitig ist das Arbeitsumfeld komplizierter geworden".
Dies schrieb jetzt der ver.di-Ortsverband Lehrte/Sehnde jetzt den dortigen Bürgermeistern und denen von Burgdorf und Uetze. Im krassen Gegensatz zu der verantwortungsvollen Tätigkeit stehe die Bezahlung in den Sozial- und Erziehungsberufen. So liege die Bewertung der Tätigkeiten von Erzieher/innen und Sozialpädagog/innen noch auf dem Niveau von 1991.
(Zur Information: Soziallassistentinnen werden in der Regel in der Entgeltgruppe S3 eingruppiert (2.043 bis 2.678 Euro, abhängig von der Berufserfahrung); Erzieher/Innen (S6) erhalten 2.366 bis 3.289 Euro).
Fünf Verhandlungsrunden mit den Arbeitgebern über eine bessere Eingruppierung der Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsdiensten seien ohne Ergebnis geblieben. Die Aufwertung sozialer Berufe durch eine zeitgemäße Eingruppierung der Fachkräfte habe bisher nicht stattgefunden. In sozialen Berufen seien überwiegend Frauen tätig. Die Anhebung der Eingruppierung ist also sowohl ein Schritt hin zur Entgeltgleichheit als auch ein Baustein zur gesellschaftlichen Aufwertung.
Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften unterstützten die Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsdienste in den aktuellen Tarifauseinandersetzungen solidarisch.
"Bitte setzen Sie sich bei Ihrem kommunalen Arbeitgeberverband dafür ein, dass die Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsdiensten die geforderte Anerkennung und Aufwertung ihrer Arbeit erhalten und es schnell zu einem Tarifergebnis kommt – die Beschäftigten haben es verdient!", schreibt ver.di den Bürgermeistern.