Katharina Hagena las in der Städtischen Galerie Lehrte

Bibliotheksleiterin Ingrid Klug freute sich, die Bestseller-Schriftstellerin und fast 80 Zuhörerinnen zu Gast zu haben, und Katharina Hagena freute sich über die Galerie als „schönen Ort für eine Lesung“. (Foto: Susanna Veenhuis)
Lehrte: Städtische Galerie |

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - "Warten auf das Knacken"

LEHRTE (sv). Warten. Das ist das Thema von Katharina Hagenas neuem Buch „Das Geräusch des Lichts“, 2016 erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
Ein klein wenig warten, bis es losging, mussten auch die rund 75 Besucherinnen der Lesung, zu der die Lehrter Stadtbibliothek die Autorin in die Städtische Galerie gebeten hatte. Welche die Autorin bei der Begrüßung, wie sie betonte, sehr schön fand. Damit war zumindest das Warten vorbei. Aber eigentlich ging es da erst so richtig los.
In dem Buch handelt es sich um die fiktiven Lebensgeschichten von fünf Patienten im Warte-Zimmer eines Nervenarztes, jedem und jeder einzelnen zugeordnet und ausgedacht von einer von ihnen während der Warte-Zeit. Sie beobachtet ihre Mitpatienten und strickt aus dem wenigen, was sie während dieses unfreiwilligen Zusammenseins erfährt, und ihrer eigenen überbordenden Fantasie Geschichten über sie zusammen.
Demnach soll ihre Sitznachbarin von Beruf Botanikerin und mit der Erforschung von Moos-Arten befasst sein – und mit der Suche nach dem Verbleib einer verschollenen Freundin.
In dem ihr eigenen unaufgeregten Schreibstil lässt Hagena die Botanikerin dabei Dinge erfahren und erleben, die – vielleicht gerade aufgrund der Erzählweise – letztendlich umso überraschender wirken.
Einem anderen Patienten ordnet sie das Vermächtnis seiner verstorbenen Frau zu, einmal Polarlicht zu erleben, um deren letzten Wunsch zu erfüllen. Auch ein Zwölfjähriger ist unter den Patienten.
Ihm dichtet die Wartende eine ständige und intensive Suche nach seiner Mutter und Schwester an, die er besonders an unüblichen Orten wie Gullideckeln und anderen Ver- und Entsorgungsöffnungen in der städtischen Matrix betreibt in dem Glauben, dort könnten die Zugänge dem Planeten verborgen sein, auf denen er die beiden vermutet.
Auch sich selber verschont die Protagonistin in dem Buch nicht mit der Erfindung einer Geschichte, obwohl ihr – anders als bei den anderen Patienten – ihre eigene Realität gegenwärtig ist. Vielleicht gelingt ihr dies gerade deswegen besonders gut.
Leider stellt im Anschluss an die Lesung niemand im Publikum diese Frage an die Autorin. Aber die Feststellung einer Besucherin, dass dies ein Buch über die Zeit und das Warten sei, bestätigt Katharina Hagena. Und auch über die Suche nach Wahrheit und Trost. Und eine Erzählung wider den Tod.
Sie hatte, wie angekündigt, nur die Anfänge von vier der fünf Geschichten in dem Buch vorgelesen. Dann hieß es für die Besucherinnen wiederum, zu warten, bis man mit dem Buch zu Hause ist und es sich zum Lesen gemütlich gemacht hat; warten, bis man im Buch zu den mit Spannung erwarteten Stellen gelangt.
Das Publikum weiß nun auch vielleicht ein bisschen mehr als vor der Lesung über Kanada und Moos und anderes, für das die Figuren in dem Buch als Projektoren dienen. Denn dafür begeisterte sich die Schriftstellerin, forschte nach, reiste mehrfach nach Kanada und erlebte dort Aurora Borealis, das Nordlicht. Das, so wissen die Zuhörerinnen nun ebenfalls, gelegentlich knackende Geräusche hervorbringt.
Noch einmal würdigte Katharina Hagena die ehemalige alte Schlosserei, in der die städtische Galerie residiert, als besonderen Ort für eine Lesung, sehr zur Freude des Lehrter Publikums und auch von Bibliotheksleiterin Ingrid Klug.
Die versicherte, auch 2018 wieder interessante Autoren einzuladen. So schwebe ihr für das Frühjahr Sebastian Fitzek vor. „Außerdem will ich sehen, was es Neues auf der Frankfurter Buchmesse gibt!“

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Die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Katharina Hagena war mit ihrem neuen Buch „Das Geräusch des Lichts“ in Lehrte zu Gast. Foto: Susanna Veenhuis

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