Kandidaten-Kreuz weist in alle Richtungen des Kirchenkreises

Im Amt offen sein für Anregungen aus allen Seiten, das demonstrierten Abordnungen der KirchenvorstandskandidatInnen aus den 18 Gemeinden des Kirchenkreises jetzt mit einem auf dem Spittaplatz gemeinsam gebildeten Kreuz in alle Himmelsrichtungen vor der Superintendentur des Kirchenkreises Burgdorf. (Foto: KK Burgdorf/Wolfgang Hornig)

Sonntag ist Kirchenvorstandswahl: Machen Sie mit und Ihre Gemeinde stark?

LEHRTE/SEHNDE/BURGDORF. Sie haben alle Aufgaben, die es in der politischen Arena auch gibt, vom Bau- bis zum Finanzausschuss, aber halt ohne Fraktionen und zusätzlich mit dem Auftrag zur christlichen Verkündigung: Die Kirchenvorsteher in den evangelisch-lutherischen Gemeinden des Kirchenkreises Hannover. Wie in der gesamten Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover werden sie am Sonntag, 18. März, auf sechs Jahre Amtszeit neui gewählt. Und sind bereit, das Kreuz des Kümmerns auf sich zu nehmen, wie jetzt beim KandidatInnen-Treff vor der Superintendentur in Burgdorf ein aus den KandidatInnen gebildetes sichtbares Kreuz auf dem Spittaplatz vor der St. Pankratiusgemeinde signalisierte.
Insgesamt 189 Anwärterinnen und Anwärter waren vom Wahlausschuss des Kirchenkreistages und Superintendent Dr. Ralph Charbonnier aufgerufen, gemeinsam zusammen zu kommen. Etwa die Hälfte der KandidatInnen unterbrach für ihr Menschen-Kreuz das gewohnte Wochenendprogramm. Keine Gemeinde fehlte, jede hatte zumindest eine Abordnung geschickt.
Als "Zeichen des Aufbruchs" wertete Superintendent Dr. Ralph Charbonnier diese Beteiligung. Und wie in den Gemeinden üblich, verstellte auch bei dieser Kirchenkreis-Veranstaltung der Blick auf das Ganze nicht den auf den Einzelnen: "Alles Gute auf Deinen Wegfen" sangen die angehenden Kirchenvorsteher für das gerührte Geburtstagskind in ihrer großen Runde, Ellen Lütge aus Uetze.
Das gemeinsam dargestellte Kreuzes wies übrigens in alle Himmelsrichtungen des Kirchenkreises. Ein Kreuz, das auf die Kirchenvorstandswahl am 18. März aufmerksam machen sollte. 50.600 evangelisch-lutherische Christinnen und Christen ab 16 Jahren sind in den 18 Kirchengemeinden des Kirchenkreises wahlberechtigt. Die 189 Anwärterinnen und Anwärter auf das Amt des oder der Kirchenvorsteher/in müssen dagegen über 18 Jahre alt und damit volljährig sein.
Die Wahllokale sind im Regelfall - es sei denn, Gemeindeveranstaltungen wie Gottesdienste sind zeitlich vorgeschaltet - am Sonntag von 8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Superintendent Dr. Ralph Charbonnier hofft auf eine hohe Wahlbeteiligung, unter dem Motto "Gemeinde stark machen" hat es bereits zahlreiche Vorstellungen der örtlichen KandidatInnen gegeben, Familiengottesdienste, sogar Wahl-Fahrdienste und auch Wahlcafes und Wahlpartys wollen am Sonntag die Wahlbeteiligung in den Gemeinden stärken.
Dass diese so stark wird wie bei den politischen Wahlen, wird ein Traum bleiben. Fehlt bei dieser Kirchenwahl doch jegliche Polarisierung. Und obwohl sie ständig in der Bevölkerung gefordert wird: Wer wählt denn Harmonie und eine auf eine unverrückbare gemeinsam akzeptierte Autorität gegründete Gemeinsamkeit?
Mal sehen: Die Briefwahlbeteiligung ist nach Einschätzung des Kirchenkreises im Vergleich schon sehr hoch.
Und zumindest eine Kandidatin hat die Kirchenwahl der Politik abspenstig gemacht: Weil man (frau!) hier weniger in Fraktionszwang gedrängt und mehr als Mensch gesehen wird, hat Christine Hoins aus Lehrte, Teilnehmerin des Mentoring-Programms "Frauen in die Politik", der Kandidatur für den Kirchenvorstand den Vorrang gegeben.
Macht ja nichts, sagt der in Ahlten ebenfalls für den Kirchenvorstand kandidierende Lehrter FDP-Parteichef Dieter Münstermann: bei den wichtigen Entscheidungen sehe man sich sowieso auf allen Ebenen wieder. Dass Münstermann aber nur in der Kirche die Chance habe, über drei Prozent zu kommen, darüber können in der Gemeinschaft der KirchenvorstandskandiatInnen beide herzlich lachen.
Dass die Kirchenwahl Beteiligung findet, steht außer Frage. Interessieren würde uns Lokaljournalisten aber schon, ob sich auch in der Streitkultur der politischen Landschaft etwas änderte, würde man auch die dortigen Sitzungen mit einem gemeinsamen Gebet beginnen . . .
Ob die Weisheit der Gemeindeglieder nun auch politisch Engagierte ins Amt beruft, oder dem Engagement in Gruppen der Gemeinde, oder manchmal auch beidem, bei den Wahlentscheidungen den Vorrang geben wird: Eine echte Personenwahl ist die Kirchenvorstandswahl auf jeden Fall, stärker sogar noch als in der Politik, denn einen Einzug über (Partei-)Listen gibt es bei der Kirchenvorstandswahl nicht. Und so ist gar nicht ausgeschlossen, dass am Sonntag manche/r Kirchenvorsteher/in in ihrer/seiner Gemeinde mehr persönliche Stimmen erhält, als es zum Einzug in den Gemeinde- oder Stadtrat bräuchte . . . Walter Klinger