Kammerorchester bereitet Dirigenten einen klang- und schwungvollen Abschied

„Klassik im Mai“ war das Konzert überschrieben, das das Kammerorchester Lehrte vor etwa 150 Zuhörern in der Matthäuskirche spielte. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Lehrte: Matthäuskirche |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Als Nachfolger von Justus Tennie setzt sich Philip Hildebrand aus Burgdorf durch

LEHRTE (hdb). Arnhild Burgdorf gehört dem Kammerorchester Lehrte schon seit 22 Jahren an. Seitdem hat sie annähernd ein Dutzend Dirigenten kommen und gehen gesehen
Demnächst wird sich die Geigerin und Pressesprecherin des Kammerorchesters wieder an einen neuen Pult-Chef gewöhnen müssen. Dem bei seinem stürmisch gefeierten Abschiedskonzert scheidenden Justus Tennie folgt der erst 20-jährige Philip Hildebrand.
Der 20-Jährige Burgdorfer ist von Haus aus längst ein anerkannter Geiger, der mit seinem Instrument schon mehrfach und erfolgreich an "Jugend musiziert"-Wettbewerben teilgenommen hat. Er hat das Abitur am Gymnasium seines Wohnortes bestanden und beginnt ab kommendem Semester sein Studium an der hannoverschen Musikhochschule.
Nach Angaben von Arnhild Burgdorf hat sich Hildebrand, der aus einer sehr musikalischen Familie stammt, unter sechs weiteren Bewerbern nach entsprechendem Probedirigat durchgesetzt. Hildebrand wird erstmals am 18. Mai verantwortlich vor dem Orchester stehen, das regelmäßig montags von 20.00 bis 22.00 Uhr im Gemeindehaus der Matthäus-Kirchengemeinde Lehrte probt.
In der Matthäus-Kirche hat sich jetzt auch der bisherige Dirigent Justus Tennie mit einem eindrucksvollen Programm verabschiedet. Der 22-Jährige hatte das Amateurensemble im Herbst 2012 übernommen und war als Student an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg stets gependelt.
Diese Belastung war jetzt durch steigende berufliche Belastungen nicht mehr möglich, so dass Tennie seinen Vertrag nicht verlängern konnte. Mit dem um einige Instrumentalisten wie Trompeter und Posaunisten verstärkten Stammorchester machte er sich selbst ein besonders gelungenes Abschiedsgeschenk.
Unter seiner Stabführung musizierte das Kammerorchester klang- und schwungvoll, folgte den Vorgaben seines Chefs fast hingebungsvoll und traf den Charakter der unterschiedlichen Werke zwischen Romantik, Wiener Schule und italienischem Verismo - von Ludwig van Beethoven über Carl Maria von Weber und Giacomo Puccini bis Franz Schubert - bis in kleinste Nuancen.
Dabei fielen einige wenige Temposchwankungen kaum ins Gewicht. Positiv auffallend waren auch die guten Leistungen der Holz- und Blechbläser, insbesondere der beiden Hörner.
Ganz groß trumpfte auch die Solistin Julia Butte- Wendt mit Webers Fagottkonzert F-Dur auf. Das von der schwarzen Tiefe des Instrumentes hingerissene Publikum - und selbst das Orchester applaudierte danach – erklatschte sich als Zugabe zwei Motetten von Johann Sebastian Bach. Und Tennies zweijähriges Gastspiel in Lehrte endete schmissig mit der Dreingabe eines Marsches von Johann Strauß.
Die Altersstruktur des Orchesters hat sich nach Angaben von Arnhild Burgdorf erfreulich verjüngt. „Uns fehlt eigentlich derzeit nur eine Oboe und ein Kontrabass“, sagt sie und stellt zum Thema häufiger Dirigentenwechsel fest: „Die meisten von uns sehen das positiv. Es hat doch den Vorteil, dass wir immer wieder neue Erkenntnisse gewinnen und unterschiedliche Interpretationen kennenlernen.“