Gymnasiasten aus Lehrte meisterten das Waldwildniscamp

Durch 32 Stunden unter extremsten Bedingungen ohne Zelte, Nahrung und andere Hilfsmittel des alltäglichen Lebens bei durchschnittlich drei Grad Celsius und Dauerregen sahen sich die Gymnasiast/innen im Friedrichsbrunner Wald ganz ungewohnten Herausforderungen gegenüber . . . (Foto: Gymmnasium Lehrte)
 
Ohne Feuerzeug, Streichhölzer und Zunder war dies im dauerregen nicht leicht, aber nach drei Stunden brannte das Lagerfeuer zum Wärmen und Kochen dauerhaft . . . (Foto: Gymnasium Lehrte)

Survivaltraining im Ostharz als Projekt im Seminarfachkurs

LEHRTE (r/kl). Die Jugend von heute ist verweichlicht! So hört man es oft floskelhaft im Sprachgebrauch der älteren Generationen. Nach einem erfolgten Projekt einiger Schüler/innen des Gymnasiums Lehrte würde der ein oder andere dies jedoch sicherlich hinterfragen.
15 Teilnehmer/innen eines Seminarfachkurses des Gymnasiums Lehrte stellten dies an zwei Tagen unter Beweis, indem sie gemeinsam mit ihren Lehrkräften Frau Baranek und Frau Bredthauer insgesamt 32 Stunden unter extremsten Bedingungen ohne Zelte, Nahrung und andere Hilfsmittel des alltäglichen Lebens bei durchschnittlich drei Grad Celsius und Dauerregen im Friedrichsbrunner Wald (Ostharz, Sachsen Anhalt) verbrachten.
Ziele dieses Projektes sollten die Wertschätzung von Rohstoffen, die Stärkung der Naturverbundenheit und die Teambildung sein.
Nach einigen Wochen der theoretischen Vorbereitung in Sachen Feuerentfachen ohne Feuerzeug, Lagerbau und Ernährung durch Ressourcen des Waldes, hieß es für den Seminarfachkurs von Frau Baranek dieses nun auch praktisch durchzuführen.
Nach der Ankunft in Friedrichsbrunn wanderte der Kurs zum Gondelteich, der zuvor als Lagerplatz ausgewählt wurde. Dort angekommen ging es sofort an den Bau der so genannten „Biberbauten“, die in der Vorbereitungszeit als passende Lagervariante ausgewählt wurden.
Die Entfachung eines wärmenden Lagerfeuers, das auch zur Nahrungszubereitung gebraucht wurde, erforderte aufgrund des anhaltenden Regens jedoch sehr viel Geduld, da weder trockenes Holz noch Zunder zu finden war.
Abhilfe brachte ein Tampon, der sich als optimale Anzündhilfe herausstellte. Nach etwa drei Stunden gelang es den Schülern tatsächlich mit den nassen Materialien, ein dauerhaftes Lagerfeuer zu entfachen.
Zur Deckung des grundlegenden Energiebedarfs hatte die Survival-Gruppe Reis im Gepäck, der über dem Feuer in Seewasser gekocht und mit gesammelten Brennnesseln noch etwas verfeinert wurde.
Bis zum Eintreten der Dunkelheit waren die Teilnehmer die gesamte Zeit mit dem Lagerbau, der Nahrungssuche und dem Entfachen und Aufrechterhalten des Feuers beschäftigt.
„Die größte Herausforderung stellte jedoch die Nacht dar, wegen der spürbar absinkenden Temperatur und wegen des Dauerregens!“. stellte die Schülerin Tabea Dammann fest. Abgesehen von Til Dralle und Silas Wehrmann, die ihr Lager so perfektioniert hatten, dass sie warm und trocken schlafen konnten, machte von den anderen Teilnehmern kaum jemand für längere Zeit ein Auge zu.
Ab sechs Uhr versammelten sich die ersten Schüler, um das Feuer wieder zu entfachen und die Schlafsäcke zu trocknen. Zum Frühstück gab es erneut für jeden eine Schale Reis. Gegen Mittag wurde das Lager abgebaut und die Spuren im Wald verwischt.
Der Bekanntheitsgrad der bis dahin matschverschmierten Gruppe im Dorf Friedrichsbrunn hatte sich soweit ausgeweitet, dass jeder, der ihnen begegnete, sie ansprach, ob sie die Nacht gut überstanden hätten.
Hungrig tauschten die Schülerinnen und Schüler bis zur Abholung durch den Bus im ganzen Dorf Eier gegen Nahrungsmittel. Die Ausbeute stellte einen kulinarischen Wohlgenuss dar, der die Kraftreserven der Überlebenskämpfer wieder stärkte, bis der beheizte Bus die geschaffte aber glückliche Gruppe wieder in ein beheiztes Leben mit Nahrungsvorräten und einem trockenen Heim brachte.
Lehrerin Baranek zog Bilanz: „Es war kalt und anstrengend, aber auch ein unvergessliches Erlebnis und ein ganz besonderes Schulprojekt!“