„Gute Nacht, von Wölfen bewacht“: Fans feiern Angelika Milster in der Markuskirche Lehrte

„Wie aus einem Guss“ urteilte ein Zuhörer über das wunderbare Zusammenspiel zwischen der Sängerin und dem Pianisten Jürgen Grimm, der gefühlt ein ganzes Orchester ersetzte. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Mit stehenden Ovationen huldigte das begeisterte Publikum der Musical-Diva, die an diesem Abend neben Musical-Songs und Tenorarien auch klassische Kirchenlieder sang. (Foto: Susanna Veenhuis)
Lehrte: Ev.-luth. Markuskirche Lehrte |

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Mit ihrem neuen Programm „Begegnungen“ zog die Diva ihre Zuhörer in den Bann

LEHRTE. „Begegnungen – musical trifft Klassik“ heißt das Programm, mit dem der deutsche Musical-Star Angelika Milster jetzt in der Markuskirche gastierte, am Klavier begleitet von Jürgen Grimm. Das vom MARKTSPIEGEL präsentierte Konzert geriet auch zu einer äußerst intensiven Begegnung mit ihren Fans aus Lehrte und Umgebung, die ihrem Idol mit stehende Ovationen huldigten. Dabei bewies die Diva augenzwinkernd, dass sie nicht nur das Musical-Genre beherrscht, sondern auch als Tenor eine ziemlich gute Figur macht.
Nach einem fröhlichen Einstand mit dem Song „People“ aus dem Musical „Funny Girl“ von 1964 zur Begrüßung leitete Angelika Milster mit dem Lied über die Vision Martin Luther Kings zu aktuellen Krisensituationen über. „Wenn sich Neid, Gier und Hass begegnen, wird es eng“, sagte sie und stimmte eine Mahnung in Form des Anti-Kriegs-Klassikers „Sag mir, wo die Blumen sind“ von Pete Seeger aus dem Jahr 1955 auf Deutsch an.
„Ich denke, Lieder sind immer auch Begegnungen – sie drücken Emotionen wie Glück, Liebe und Traurigkeit aus. Aber mit diesem Lied möchte ich Sie jetzt fröhlich machen“, sagte Milster und intonierte so einfühlsam und stimmgewaltig den Song „Somewhere Over The Rainbow“, dass es den Zuhörern vor Entzücken einen Schauder nach dem anderen über den Rücken jagte.
Wenn einige der 350 Konzertbesucher bei dem Schalflied „Guten Abend, gute Nacht“ jetzt immer an Wölfe denken müssen, dann hat Angelika Milsters Großvater schuld. Anstelle von Engeln habe er stets „von Wölfen bewacht“ - sehr zum Unmut ihrer Großmutter. „Aber Alpträume? Ich doch nicht“, plauderte sie aus dem Nähkästchen von Klein-Angelika.
Mutig, wie sie ist, habe sie sich früher vorgestellt, Tenorarien zu singen – und präsentierte mitreißend aus Puccinis Oper „Turandot“ die Arie „Nessun Dorma“, die letztlich durch den großen Erfolg des britischen Hobby-Tenors PaulPotts bekannt wurde. „Das war die Begegnung mit dem Tenor Luciano Milster“, beschloss sie humorvoll ihr Wildern in fremden Stimmlagen.
Überhaupt hörte das angenehme Rückenschaudern gar nicht mehr auf, denn die unter anderem mit dem Ernst-Lubitsch-Preis, dem Echo und der Goldenen Schallplatte ausgezeichnete Schauspielerin und Sängerin erfüllte auch bei lateinischen Kirchenliedern das Kirchenschiff mit dem ihr eignen Timbre – sehr zur Begeisterung ihres Publikums.
Auch, wenn sie ein medizinischer Notfall im Publikum, der sich glücklicherweise als kleiner Schwächefall entpuppte, ausgerechnet in ihren Honneurs an Edit Piaf zu einer Pause zwang, zelebrierte das Publikum danach wieder mit ihr und ihren Liedern begeistert den Abend. Der Organist Jürgen Grimm begnügte sich nicht mit einer simplen Begleitung am Klavier, sondern bildete mit seinen Künsten ein ganzes Orchester ab, setzte Kontrapunkte und präsentierte Soli, wobei er sich bisweilen musikalisch von der Sängerin distanzierte, um dann wieder das Thema aufzunehmen und den Gesang zu ergänzen.
„Das Konzert war ausverkauft, ich hatte keine Karte und bin auf gut Glück hierhergekommen, und es hat geklappt“, sagte Marlies Fröchling glücklich, die sich besonders über die Musicalmelodien wie das Lied der Grizabella aus „Cats“ freute. Wolfgang Henschen aus Ahlten zeigte sich ebenfalls fasziniert. „Das Zusammenwirken von Klavier und Stimme ist fantastisch, wie aus einem Guss!“ Auch für Eva und Karl-Heinz Müller aus Peine war der Abend ein großer Genuss.: „Wir haben Angelika Milster vor ein paar Jahren auf der Aida und später auf Norderney erlebt – da mussten wir einfach hierher kommen!“ Susanna Veenhuis