„Gut Dampf“ beim 23. Dreschefest in Immensen

 
Der neue Vereinsvorsitzende Ulrich Schulz (v.l.) mit seinem Vorgänger Thorsten Kochanneck stolz vor der dank vieler Spenden bei den Veranstaltungen reparierten 113-jährigen "Dampfimme". (Foto: Dana Noll)
Lehrte: Festplatz Auf dem Mühlenberg Immensen |

Ein Beitrag von Dana Noll - Die „Alten“ zeigten, was noch in ihnen steckt

IMMENSEN (dno). „Und immer genug Wasser im Kessel“ so lautet der - nicht ganz ernst gemeinte - Gruß unter den Fahrern der historischen Dampflokomobile. Denn ohne Kohlen und vor allem Wasser, läuft nichts – ganze fünf Kilogramm und 20 Liter verbraucht beispielsweise die englische Dampfseilpfluglokomotive von Harald Baßler. Mit 550 zurück gelegten Kilometern hatte er die weiteste Anreise nach Immensen.
Schon seit vielen Jahren kommt er aus dem beschaulichen Oberasbach, in der Nähe von Baden-Baden, zum „Dreschefest“. „Das passt hier einfach“, fasst der Franke kurz und bündig zusammen.
Unter dem Motto „Heuernte“ legte das 23. Dreschefest am vergangenen Wochenende mit 2.500 Besucher/innen noch an Beliebthweit zu. Etwa 250 alte Traktoren und Dampfmaschinen wurden von Groß und Klein auf dem Mühlenberg bestaunt. Marken wie Lanz Bulldog, Hanomag, Deutz, Fendt und Porsche waren zu sehen aber auch Oldtimer, Unimogs sowie Motorräder und Modell-Dampfmaschinen. Das älteste Landfahrzeug vor Ort war eine Hanomag WD26 aus dem Jahr 1925.
Mal wieder schafften es die Organisatoren, die „“Freunde historischer Fahrzeuge“, generationsübergreifend ein buntes Ausstellungs-Programm aus Information und Unterhaltung zu bieten. „Wir möchten einfach die alte Technik zeigen und vorführen. In diesem Jahr vor allem, wie damals gemäht und gewendet wurde“, so Ulrich „Uli“ Schulz, der neue Vereinsvorsitzende.
Dass vor allem viel körperliche Arbeit in der damaligen Heuernte steckte, zeigten die Vorführungen. „Heute steht eher die Technik im Vordergrund. Damals war die Vielfalt an Landmaschinen größer, da es auch viele Firmen gab, die kleinere Schlepper gebaut haben. Selbst Schmiede haben Landmaschinen für den Selbstzweck gefertigt“, erklärt Schulz.
Viel Handarbeit steckt auch heute noch in den historischen Landfahrzeugen. „Sechs Jahre habe ich an meiner Dampfmaschine gearbeitet“, fügt Harald Baßler ein. „Bei einem solch zeitaufwendigen Hobby, muss meist die ganze Familie mitziehen“, schmunzelt Schulz. Wenn die „alten Damen“ zu den Festen ausgeführt werden, werden sie vorher liebevoll geputzt und auf ihren großen Auftritt vorbereitet. „Ohne Pflege geht es nicht. Rost oder eine zu starke Beanspruchung zerstören die Fahrzeuge“, erklärt der Vereinsvorsitzende.
Der Nachwuchs steht nicht nur im Verein in den Startlöchern, sondern zeigte sich auch auf dem Dreschefest interessiert und aktiv. So ließen sich die ganz Kleinen gemütlich auf Mini- Loks über das Festgelände chauffieren. Möglich gemacht hat das ein Projekt des Schulzentrums Lehrte-Süd, wo Schüler/innen unter Leitung von Vereinsmitgliedern gemeinsam ein ganzes Schuljahr lang einen Trecker restauriert sowie einen Baumanhänger gebaut hatten. Dieses Zuggespann war neben den anderen Mini-Dampfmaschinen der große Hit bei den Kindern.
Die Größeren zeigten mehr Interesse an technischen Details. Verblüfft hielten sie sich die Ohren zu, denn die historischen Dampfmaschinen machten nicht nur ordentlich Dampf, sondern auch Krach! Für echte Liebhaber klang das natürlich wie „Musik in den Ohren“. Ein echtes Liebhaberstück feierte sein Comeback auf heimischen Boden. Die Dampfimme zeigte sich Dank Spendengeldern und viel Engagement wieder in Bestform!
„Hier ist alles Teamarbeit. Wir werden von den heimischen Landwirten unterstützt, wie von Bauer Kruse, der uns seine Wiese zur Verfügung gestellt hat“, dankt Ulrich Schulz.