Grüne diskutierten über Stand der Kindergesundheit

Lehrter Grüne diskutierten über die medizinische Versorgung von Kindern, links Prof. Dr. Rainer Nustede, Kinderchirurg und Sprecher der Lehrter Grünen und der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, Thomas Schremmer (rechts). (Foto: Dana Noll)
Lehrte: Restaurant Vileh |

Ein Beitrag von Dana Noll - Dialogveranstaltung zur medizinischen Versorgung

LEHRTE (dno). „Wir schauen nach Themen die relevant sind, wo es Möglichkeiten gibt und wo wir auch eingreifen können“, so der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen Landtagsfraktion Thomas Schremmer. Gemeinsam mit Prof. Dr. Rainer Nustede, Kinderchirurg und Sprecher der Lehrter GRÜNEN wurde zu einem Diskussionsabend im Rahmen des GrünTisches ins Restaurant "Vileh" im Lehrter Dorf eingeladen.
Auf der Agenda: Die Gesundheitsversorgung von Kindern. In Deutschland ist das Erkrankungsrisiko von Kindern aus sozial schwachen Familien dreifach erhöht – das bedeutet, arme Kinder sind häufiger und auch schwerer krank als ihre Altersgenossen. Sie leiden oft unter chronischen und zunehmend psychischen Erkrankungen, häufigen Unfallverletzungen, aggressiven Verhaltensmustern oder auch Fehlregulationen des Immunsystems.
„Wir haben also junge Menschen, die einerseits relativ gesund sind, aber gemessen am Stand einer modernen Industriegesellschaft weniger Chancen haben“, so Prof. Dr. Nustede.
Die aktuell zu verzeichnende konsequente Ökonomisierung auch der Kindermedizin verschärft diese Situation. Eine angemessene medizinische Versorgung besonders im stationären Bereich ist daher eine Herausforderung. Denn aufgrund mangelnder Planbarkeit beispielsweise beim Einsatz von Personal, kommt es zu hohen Vorhaltekosten.
Steigender Kostendruck und unzureichende Refinanzierung vor allem für Familien schwer kranker und ärmerer Kinder sind die Folge und ohne fachliche Unterstützung und private Initiativen kaum zu bewältigen.
Dabei hat besonders der Kostendruck gravierende Folgen für die Kindermedizin. So musste zwischen 1991 und 2012 jede fünfte Kinderklinik wegen Unterfinanzierung schließen. Auch eine intensive Beratung und Betreuung sowie eine ambulante Weiterführung komplexer Behandlungsmaßnahmen im häuslichen Umfeld sind kaum aufrecht zu erhalten.
So wurde das in den USA entwickelte DRG System (Diagnostic Related Groups) 2003 auch in Deutschland eingeführt. Dieses Klassifikationssystem dient einem pauschalierten Abrechnungsverfahren im Gesundheitswesen insbesondere in den Krankenhäusern.
Das ist durchaus von Vorteil, wenn es um klar planbare und überschaubare Maßnahmen geht. Leider hat es aber viele Nachteile und Lücken bei Behandlungen von Notfällen, seltenen Erkrankungen oder fehlender Planbarkeit – eben wie häufig in der Kindermedizin. Hier ist eine Standardisierung und die Orientierung an Durchschnittskosten problematisch.
„Die Finanzierung der stationären Kinderheilkunde kann nicht allein über die Fallpauschalen des DRG Systems geregelt werden. Es ist in der gegenwärtigen Form ungeeignet für die Versorgung kranker Kinder. Daher sollte ein leistungsgerechtes Vergütungssystem entwickelt werden, dass die Besonderheiten der Kindermedizin abbildet – von medizinischer Versorgung über Pflege bis hin zur psychosozialen Begleitung aller Familienmitglieder“, so Prof. Dr. Nustede.