Großbrand vernichtet Sporthalle im Schulzentrum Lehrte Süd

Gut 40 Meter hoch loderten nach dem Einsturz des Sporthallendaches die Flammen in den Nachthimmel. (Foto: Stadtfeuerwehr Lehrte)
 
Die Sporthalle im Schulzentrum Lehrte-Süd im Schein der im Innenraum lodernden Flammen. Zerstörte Scheiben beim Löschversuch an den brennenden Umkleiden führten zu einer kompletten Durchzündung innerhalb der Sporthalle. (Foto: Stadtfeuerwehr Lehrte)
 
Wegen der Hitze und Rauchentwicklung gab es bereits im Eingangsbereich der Halle kein Durchkommen durch die Flammenwand. (Foto: Feuerwehr Lehrte)
 
Das Einreißen des Daches und dann auch der Räume des lichterloh brennden Umkleidebereichs durch einen Spezialbagger ermöglichte den Feuerwehren den Löschangriff ins Innere. (Foto: Stadtfeuerwehr Lehrte)
 
Während aus den Luftöffnungen bereits dichter Rauch quoll, riss der Kettenbagger die gesamten Umkleideräume ein. (Foto: Stadtfeuerwehr Lehrte)
Lehrte: Sporthalle Schulzentrum Lehrte-Süd |

Millionenschaden - Glutnester flammen immer wieder auf - Ständige Brandwache - Zumindest am Montag (23. Januar 2017) Schulausfall in der Realschule Lehrte

LEHRTE (r/kl). Ein Großbrand hat am frühen Samstagmorgen (21. Januar 2017) die Sporthalle im Schulzentrum Lehrte-Süd vernichtet. Die Ausmaße des Schadensfeuers offenbarten sich den Einsatzkräften der Lehrter Ortsfeuerwehr, die vor den Schulgebäuden zwei brennende Müllcontainer abgelöscht hatten, erst nach und nach.
Nach mehreren Nachalarmierungen wurde der Brand schließlich von drei Drehleitern und mit Löschangriffen von den Außenseiten des Gebäudes aus unter Kontrolle gebracht. Mehr als 200 Feuerwehrleute aus fünf Löschzügen der Freiwilligen Stadtfeuerwehr Lehrte waren im Einsatz.
Das Dach des brennenden Umkleidetraktes wurde noch während des Löscheinsatzes von einem Spezialbagger eingerissen. Wegen der Einsturzgefahr begann dann am Samstagvormittag ein Bagger damit, die nur noch allein stehenden drei Wände in die ausgebrannte Halle zu schieben.
Als Folge des Brandes hat auch die Heizungsanlage der unmittelbar benachbarten Realschule Schaden genommen, so dass der Unterricht zumindest am Montag, 23. Januar 2017, für die Lehrter Realschülerinnen und Realschüler ausfällt.
Nicht betroffen vom Schulausfall sind die Hauptschule und die Integrierte Gesamtschule (IGS). Die Heizungsanlagen konnten in den jeweiligen Gebäuden zwischenzeitlich erfolgreich repariert und wieder in Betrieb genommen werden. In der benachbarten Berthold-Otto-Schule und der Grundschule Lehrte-Süd findet der Unterricht ebenfalls planmäßig statt.
"Auch wenn die Feuerwehr die Halle nicht mehr retten konnte, so ist es unter großem Einsatz gelungen, ein Übergreifen der Flammen auf die anderen Gebäude des Schulzentrums zu verhindern", hat Bürgermeister Klaus Sidortschuk die Einsatzkräfte gelobt.
Zeugen der Vorgänge, die zu dem Brand führten, werden gebeten, sich unter der Telefon (0511) 1 09 - 55 55 beim Kriminaldauerdienst Hannover oder beim Polizeikommissariat Lehrte unter Telefon (05132) 8 27 - 0 zu melden.

So lief der schwierige Feuerwehreinsatz ab:

Die Freiwillige Ortsfeuerwehr Lehrte wurde am um 0.54 Uhr wegen einer Rauchentwicklung im Bereich der Hauptschule Lehrte-Süd alarmiert. Noch vor dem Abrücken aus der Feuerwache berichtete die Leitstelle von einem Containerbrand. Auf der Anfahrt erhielten die Feuerwehrleute die Meldung, dass sich der brennende Container unter einem Vordach befinden solle.
Vor Ort wurden vor der Schule im Bereich eines Fahrradunterstandes zwei brennende Müllcontainer aus Kunststoff vorgefunden, aus denen etwa vier Meter hohe Flammen schlugen.
Die bereits eingetroffene Polizei machte den Gruppenführer der ersten Einsatzkräfte darauf aufmerksam, dass in der etwa 50 Meter entfernten Sporthalle eine Verrauchung zu erkennen sei.
Während der Angriffstrupp die brennenden Container ablöschte, ging der Gruppenführer gemeinsam mit dem jetzt ebenfalls eingetroffenen Einsatzleitdienst (ELD) der Feuerwehr auf Erkundung zur Sporthalle. Dabei wurde ein Rauchaustritt aus den dortigen Abluftöffnungen der festgestellt.
Während sich die Feuerwehrführungskräfte durch das Einschlagen einer Scheibe in der Eingangstür einen Zugang zur Halle verschafften, um eine Erkundung im Inneren vornehmen zu können, wurde zeitgleich die Alarmstufe erhöht.
Da die Rauchentwicklung massiv zunahm, wurde kurz darauf die Alarmstufe erneut erhöht und der 3. Zug der Stadtfeuerwehr zusammen mit dem Einsatzleitwagen 2 alarmiert. Nach dem Öffnen der ersten Tür wurde eine starke Verrauchung und Wärmestrahlung im Eingangsbereich festgestellt, zusätzlich trat der Rauch mittlerweile aus allen Öffnungen der Halle.
Erneut wurde die Alarmstufe um den 2. Zug, kurz danach um den 5. Zug, 4. Zug und 6. Zug der Stadtfeuerwehr erhöht. Kurze Zeit später wurden die Drehleitern aus Burgdorf und Sehnde nachgefordert.
Der Angriffstrupp, der zu Erkundung und Lokalisierung der Brandstelle im Inneren unter schwerem Atemschutz eingesetzt war, musste aufgrund der extremen Hitze und wegen des Rauchs bei Sichtweite null das Gebäude wieder verlassen, ohne den Brandherd lokalisieren zu können. Noch während der Trupp das Gebäude verlies, waren zeitgleich Einsturzgeräusche zu vernehmen.
Nun konnte die Feuerwehr auf Grund der Einsturzgefahr keinen weiteren Trupp im Innenangriff einsetzen. Zu dieser Zeit war auch von außen noch kein Feuer zu erkennen.
Auch nach Öffnung einer zweiten Zugangstür wurde eine massive Verrauchung und Wärmestrahlung aus der Turnhalle festgestellt. Von dieser Tür aus wurde ein C-Rohr eingesetzt, um die Rauchgase in der Halle herunter zu kühlen.
Zu diesem Zeitpunkt waren erste Flammen im Außenbereich des Umkleidetraktes zu erkennen. Diese wurden im Außenangriff mit einem C-Löschrohr heruntergeschlagen.
Durch das Wasser barsten auch die Scheiben im oberen Bereich der Sporthalle. Jetzt erkannte die Feuerwehr, dass die Flammen nicht aus dem Dach des Umkleidetraktes schlugen, sondern durch die Scheiben der Halle schienen.
Mit der Sauerstoffzufuhr durch die zerstörten Scheiben gab es sofort eine massive Durchzündung, welche in Sekunden die gesamte Halle in Brand steckte. Zeitgleich stürzte das komplette Dach ein. Die Flammen schlugen jetzt über mehr als 30 Meter in den Himmel.
Der Schwerpunkt wurde nun auf Riegelstellungen aus jeweils mehreren Löschrohren zu den eng angrenzenden benachbarten Schulgebäuden gelegt. Ein Übergreifen des Feuers auf weitere bisher nicht betroffene Teile des Schulkomplexes (Haupt-, Realschule und IGS) konnte so verhindert werden.
Das Feuer wurde jetzt von drei Drehleitern mit Wenderohren und insgesamt acht C-Rohren bekämpft und unter Kontrolle gebracht.
Da sich die Flammen in der Zwischendecke des Umkleidetraktes weiter ausbreiteten, durch die Einsturzgefahr aber kein effektiver Innenangriff möglich war, wurde ein Fachberater Bau vom Technischen Hilfswek (THW) hinzugezogen. Dieser bestätigte nach Sichtung des Traktes die Einsturzgefahr.
Da keine effektive Bekämpfung der Flammen möglich war, diese aber immer wieder aufloderten, wurde ein Kettenbagger nachgefordert, um das Dach des Umkleidebereiches abzutragen. Der Bagger riss den kompletten Umkleidetrakt ein, während die Flammen von der Drehleiter aus und mittels eines B-Hohlstrahlrohres gelöscht wurden.
Im Anschluss wurde die gesamte Brandstelle von der Drehleiter aus mit Schaum bedeckt. Der Feuerwehreinsatz endete erst um 14.30 Uhr am Samstagnachmittag - vorläufig. Auch nach dem offiziellen Einsatzende hatten zwölf Kameraden der Ortsfeuerwehr Lehrte noch bis etwa 20.00 Uhr fast durchgehend mit Nachlöscharbeiten zu tun.
Als letzter Schritt wurde der Schaumteppich über der gesamten Einsatzstelle erneuert und verstärkt. Als die letzten Feuerwehrleute die Einsatzstelle gegen 19.00 Uhr verließen, lag ein etwa 60 Zentimeter dicker Teppich aus Schaum über den Trümmern der Sporthalle.
Um 2.16 Uhr am Sonntagmorgen wurden sie dann erneut alarmiert, da aus den Trümmern wieder Rauch aufstieg. Erneut wurde die Trümmer so weit möglich auseinander gezogen und die Glutnester abgelöscht. Gegen 6.00 Uhr waren zunächst keine weiteren Brandstellen mehr zu erkennen.
Um 7.43 Uhr wurde die Feuerwehr dann erneut alarmiert. An der Einsatzstelle bot sich ein ähnliches Bild: vereinzelt stiegen kleine Rauchsäulen aus dem Schuttberg.
Vom Einsatzleitdienst der Feuerwehr wurde nun eine durchgehend besetzte Brandwache an der Einsatzstelle durch den 7. Zug der Stadtfeuerwehr Lehrte angeordnet.
Zusammen mit einem Lehrter Abrissunternehmen wurde der Schutthaufen mit den von außen zugänglichen Trümmern des eingerissenen Gebäudes umgeschichtet und die dabei gefundenen Brandnester abgelöscht.
Zusätzlich wurde das Technische Hilfswerk alarmiert, um den Innenbereich der Halle zu räumen. Sonntagabend übernahm der 2. Zug der Stadtfeuerwehr die Brandwache vom 7. Zug. In der Nacht wird der 2. Zug nochmals abgelöst. Am heutigen Montag soll entschieden werden, wie weiter verfahren wird.
Auf Grund des Dacheinsturzes und des weiteren Abrisses der Hallenwände hat die Polizei jetzt große Schwierigkeiten, die genaue Brandursache im Gebäude zu ermitteln. Ihre Brandermittler werden Anfang der neuen Woche vor Ort sein. Zeugen der Vorgänge, die zu dem Brand führten, werden gebeten, sich unter der Telefon (0511) 1 09 - 55 55 beim Kriminaldauerdienst Hannover oder beim Polizeikommissariat Lehrte unter Telefon (05132) 8 27 - 0 zu melden.
Kleinere Brandstiftungen, insbesondere an Containern, hatte es am Rande des Schulgeländes schon häufiger gegeben. Ob dieses Mal Brandstiftung vorlag, konnte noch nicht geklärt werden.
Als sicher gilt aber, dass sich der Brand auf die Lehrter Schulentwicklung auswirken dürfte. Noch stockt ja der Schulentwicklungsplan, weil die Ratsmehrheit eine Elternbefragung in Auftrag gegeben hat, die nach vier Infoveranstaltungen (zwei in Lehrte, zwei in Hämelerwald) der weiterführenden Schulen (bis auf die auslaufende Hauptschule) im März erfolgen soll.
Bei einer Podiumsdiskussion des ebenfalls unter Raumnot leidenden Gymnasiums in Lehrte-Mitte hatten am vergangenen Dienstag Politiker aller Parteien im Lehrter Stadtrat bereits zu erkennen gegeben, dass vielleicht die für den Schulbau in den nächsten drei Jahren vorgesehenen 18 Millionen Euro aufgestockt werden müssen. Dies wird nach dem Brand immer wahrscheinlicher und könnte auch Auswirkungen auf die laufenden Haushaltsberatungen der Stadt Lehrte haben.
Selbst bei einem Wiederaufbau der abgebrannten Halle bekäme die Stadt die Kosten wohl nicht in voller Höhe erstattet, da sich inzwischen bauliche Standards und auch die Auslegung und Austattung etwa von Spielfeldern auch für außerschulische Nutzung durch Sportvereine geändert haben.
Andererseits aber eröffnet der Totalverlust der ohnehin sanierungsbedürftigen Sporthalle neue Möglichkeiten bei der gebotenen baulichen Überplanung des Schulzentrums unter anderem dann auch mit einer Mensa.
Bei der Schuldiskussion im Gymnasium war zudem aus der Politik kolportiert worden, dass der Fachdienst Schule, Sport, Kultur der Stadt für die kommenden Aufgaben nicht optimal aufgestellt sei. Da dessen Mitarbeiter nach dem Brand nun noch mehr gefordert werden, muss die Politik möglichweise auch hier reagieren.
Schulsport wird es im Schulpark Lehrte-Süd aber weiterhin geben. In der im Vergleich noch jüngeren und größeren Vierfeldhalle werden die sportlichen Akteure aber wohl mehr zusammenrücken müssen.
Anders sieht es am Nachmittag und Abend bei den Sportvereinen aus, denn alle Hallenzeiten in den Lehrter Sporthallen sind bereits vergeben. Unter anderem die Tischtennis-Jugend und Senioren des Lehrter SV stehen jetzt im Winter erst einmal ohne Trainingsmöglichkeit da.
Für die Fußballer des Postsportvereins Lehrte, die ebenfalls in der angebrannten Halle trainierten, will der SV 06 Lehrte in seiner Soccerhalle (Volksbank Arena) an der Mielestraße Möglichkeiten schaffen. Beim SV 06 trainieren nach dem Brand, welche vor einigen Monaten die KGS-Turnhalle in Sehnde vernichtete, gelegentlich bereits Fußballer des TuS Wehmingen.
Das erste am frühen Samstagmorgen gegen 1.00 Uhr zur Brandstelle ausrückende Feuerwehrfahrzeug begegnete übrigens den letzten Gästen des Neujahrsempfanges der Stadt Lehrte, die gerade das Kurt-Hirschfeld-Forum verlassen hatten. Von Beifall unterbrochen, hatte hier vor mehr als 300 Vertretern aus Vereinen, Wirtschaft, öffentlichem Leben und Politik (darunter auch Regionspräsident Hauke Jagau) Bürgermeister Klaus Sidortschuk (SPD) neben anderen ehrenamtlichen Funktionen besonders auch den Feuerwehren für ihren Einsatz gedankt.
Der Bürgermeister sagte: "Liebe Gäste, zur Infrastruktur einer Stadt zählt bekanntermaßen auch auch der Feuerschutz. Brandschutz ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Bevor ich auf die Investitionen eingehe, möchte ich mich bei allen ehrenamtlich tätigen Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmännern für ihren Einsatz bedanken!
Unsere Feuerwehr hier in Lehrte gehört zu den am stärksten belasteten Freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen. Zuletzt machte die Nominierung für den sogenannten Feuerwehr-Oscar, den Magirus Award, deutlich, welchen Rang unsere Feuerwehr einnimmt. In sieben Tagen findet die offizielle Bekanntgabe der Gewinner statt, aber allein die Nominierung ist schon eine verdiente Wertschätzung."
Neben Stadtbrandmeister Jörg Posenauer und den Ortsbrandmeistern hatte Sidortschuk beim Neujahrsempfang auch den Ortsbeauftragten des Technischen Hilfswerkes in Lehrte (THW), Andreas Flörke, begrüßt. Beide Organisationen hätten unterschiedliche Aufgaben, arbeiteten aber - wo immer dies möglich sei - gut zusammen, würdigte der Bürgermeister. Der Einsatzverlauf beim aktuellen Turnhallenbrand bewies dies jetzt einmal mehr.