Gottesdienst aus der Matthäuskirche Lehrte "deutschweit"

Erwartungsvolle Stimmung auch bei den Mitwirkenden: Dr. Andreas Wilkening (v.l.), Pastorin Beate Gärtner, Ilona Jordan und Philipp Kredig stand bei den Stellproben im Dezember der Beauftragte der Evangelischen Kirche beim ZDF, Stefan Fritz, zur Seite. (Foto: Walter Klinger)
 
An der Orgel haben am Sonntag noch der von Christian Lange geleitete Posaunenchor (unser Foto) und die Matthäuskantorei Lehrte unter der Leitung von Kantorin Birgit Queißner Platz - den Rest der Emporen belegt das technische Gerät des ZDF-Fernsehteams. (Foto: Walter Klinger)

ZDF überträgt am Sonntag (15. Januar 2017) aus der Kirche am Markt

LEHRTE (r/kl). "Das ist schon Ausnahmezustand", bekennt Kirchenvorsteher Dr. Andreas Wilkening, der selbst zum Thema "Glauben" vor den Kameras stehen wird, zu den umfangreuichen und zeitraubenden Vorbereitungen für die Übertragung des ZDF-Fernsehgottesdienstes am kommenden Sonntag, 15. Januar 2017, ab 9.30 Uhr aus der Matthäuskirche am Lehrter Markt.
Unter dem Titel: „Zum Glauben ermutigt“ ist er der erste von vier ZDF-Gottesdiensten 2017, in denen jeweils zentrale Begriffe der Reformation im Mittelpunkt stehen und für die Gegenwart befragt werden. Zur Predigt kommt Landesbischof Ralf Meister nach Lehrte, die liturgische Leitung des Gottesdienstes hat Pastorin Beate Gärtner.
"Martin Luther meinte, dass der Mensch nicht mehr tun müsse als Gottes Zuwendung glaubend zu empfangen. Im Gottesdienst sprechen Menschen aus der Lehrter Matthäusgemeinde sehr persönlich von ihren Erfahrungen mit diesem Glauben", heißt es auf der Internetseite des ZDF, auf der neben Pastorin Gärtner auch ihre Amtskollegin in der Matthäusgemeinde Lehrte, Gesa Steingräber-Broder, mit einem die Sendung bewerbenden Kurzvideo präsent ist (Weitere Informationen zum Jahresthema 2017 und zu diesem Gottesdienst finden Interessierte unter http://www.zdf.fernsehgottesdienst.de).
Die Kunde vom Fernsehgottesdienst hatte in Lehrte zunächst Unglauben ausgelöst. Lehrter/innen, die das bevorstehende auf der ZDF-Homepage nachprüfen wollten, stießen irritierend zunächst auf die Matthäuskirche Franfurt/Main und vermuteten (zumal bei anderen Übertragungsorten wie Potsdam oder München) ein Missverständnis.
Ausgerechnet das kleine Lehrte? Auch die Gemeinde selbst sei von der Anfrage überrascht gewesen, berichtet Pastorin Gärtner. Doch das ZDF sei schon zuvor vor Ort gewesen und habe sich von der optischen Attraktivität der Matthäuskirche und ihren Buntglasfenstern überzeugt. Historisches bietet das unter Leitung des hannoverschen Hofbaumeisters Conrad Wilhelm Haase errichtete Gotteshaus allemal, das mit der optischen Wirkung innen passte aber erst, nachdem die hübsche Holzkonstruktion mit den Emporen in den 80er Jahren vom übermalten Grau protetantischer Demut befreit worden war.
Die Matthäusgemeinde vor 700.000 Zuschauer/innen (so viel sind es im Durchschnitt bei den Fernsehgottesdiensten, zu Beginn des Jubiläumsjahres 500 Jahre Luther könnten es aber auch mehr sein) präsentieren? In Kooperation mit dem österreichischen Fernsehen überall dorthin, wo deutsch gesprochen und es Kabel- und Satellitenfernsehen gibt?
"Ja Klar!", fingen die beiden Pastorinnen und der Kirchenvorstand gleich Feuer für dieses Unterfangen. Und mussten erleben, dass der "Ausnahmezustand" für die Mitwirkenden in dem Jahr Vorbereitungszeit kontinuierlich zunahm. "Das ist ja nicht einfach ein abgefilmter Gottesdienst", weiß Pastorin Gärtner jetzt, "das ist ein eigenes Format".
Bei sechs Vorbereitungstreffen ging es deshalb auch um die Abstimmung von Wort, Gestik und Mimik, aber auch um ein Coaching für eine wirkungsvolle Ansprache der TV-Zuschauer/innen, damit diese ihre Aufmerksamkeit halten. Es folgten Sprech- und Stellproben, jedes Wort steht im Drehbuch, der Part jede/r Sprecher/in ist auf Sprecherkarten festgehalten.
Und organisatorische Vorbereitungen gab es vor Ort: Unter Leitung von Gesa Steingräber-Broder wurden Einlasskarten an örtliche Ehrengäste wie der Stadt und den Nachbar-Kirchengemeinden, unter den Ehrenamtlichen, vor allem aber an die Besucher/innen zweier Gottesdienste am Jahreswechsel verteilt, denn formal ist dies ja immer noch ein Gemeindegottesdienst von Matthäus Lehrte.
Zumindest, was die Besucherzahl angeht, gilt das aber nur zur Hälfte. Denn nur 240 der sonst 480 Sitzplätze stehen zur Verfügung, denn die Emporen werden für das technische Equipment des ZDF und für den Posaunenchor (geleitet von Christian Lange) und dem Chor der Gemeinde (an der Orgel: Harald Wießner
) unter der Gesamtleitung von Kantorin Birgit Queißner benötigt.
Am Freitag fahren nun zwei große Übertragungswagen des ZDF zum anstrengenden Produktionswochenende vor und werden - damit der Wochenmarkt ungestört vonstatten gehen kann - zentimetergenau vor dem Matthäus-Gemeindezentrum geparkt. Freiwillige aus der Gemeinde verpflegen das Fernsehteam, das sich aber nur kurze Pausen gönnen wird. Bei der Generalprobe am Samstag ab 17.00 Uhr können alle Gemeindeglieder den Gottesdienst miterleben, so lange die Plätze reichen: "Ich bin hier der Hausherr und werde keine Störung zulassen", wird Kirchenvorstandsvorsitzender Wilhelm Busch sein Veto bei Überfüllung, aber auch gegenüber Zuspätkommenden einlegen.
Am Sonntag gibt es dann nur Einlass mit den Einladungskarten. "Es wird live übertragen", sagt Pastorin Steingräber-Broder, "wir wollen damit auch vermeiden, dass wir plötzlich leere Bänke haben, weil viele zu Hause gucken".
20 nach Alter und Qualifikationen gemischte Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde werden dies aber auf jeden Fall tun müssen: Nach dem Gottesdienst sind sie am Zuschauertelefon bis 19.00 Uhr für alle Fragen zu(r) Kirche und Gemeinde und diesem Gottesdienst, von dem auch ein Video bezogen werden kann, erreichbar. Telefonnummer: 0700 - 14 14 10 10 (6 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkkosten abweichend).
Den Gottesdienst gestaltet die Gemeinde übrigens ganz nach ihren Wünschen - nur die Präsentation folgt dem ZDF-Sendungsformat. Kirchenvorsteherin Ilona Jordan, die in dem Gottesdienst wie ihr Vorstandskollege Dr. Andreas Wilkening und Philipp Kredig vom Jugendmitarbeiterkreis auch ganz persönlich über ihren Glauben spricht, war mit Katorin Birgit Queißner Ende vergangenen Jahres zur Eröffnung des Lutherjahres in Eisenach. Und von dem technischen Aufwand beeindruckt.
Der auch in anderer Hinsicht Disziplin verlangt: Die Toilette an der Kirche ist durch Kabelstränge blockiert, Aufstehen darf man für mindestens eine Stunde auch nicht. Viele werden auch deshalb gar nicht so unglücklich sein, Zuhause gucken zu müssen. Für diejenigen auf den Kirchenbänken werden neben den Gottesdienstbeiträgen aber wenigstens die ZDF-Scheinwerfer für ungewohnte Wärme auch in physischer Hinsicht sorgen . . .