„Girlsnightout“: Abends weggehen und hoffen, dass irgendetwas passiert

Viele Worte, kaum Handlung: Die Darstellerinnen (von links) Hannah Mitera, Rachel Brandt, Luise Kotlewski, Larissa Doelle und Rieke Kohn hatten es mit dem sperrigen Text nicht leicht. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Theater-AG des Gymnasiums Lehrte wagt sich mit Erfolg an ein Stückfragment

LEHRTE (hdb). Sie reden viel und sagen meistens nur wenig: Gesine Dankwarts Textcollage von Teenager-Gedanken, Beobachtungen, Träumen und Erfahrungen stellt an die fünf Darstellerinnen ebenso hohe Anforderungen wie an deren Publikum. Die Theater-AG des Gymnasiums konnte dennoch einen respektablen Erfolg verbuchen.
Ungewöhnlich war schon die ohne Rollenverteilung und klassischen Aufbau ausgesuchte Textvorlage, ungewöhnlich ebenso die Verlegung der Spielfläche von der Bühne (Entwurf: Ansgar Weicht) in den Zuschauerraum. Das Publikum bei zwei gut besuchten Vorstellungen im Kurt-Hirschfeld-Forum konnte somit die unzähligen Sponti-Sprüche und den oft schmerzhaften Seelenstriptease der Protagonistinnen von gleich drei Seiten aus betrachten. Bei der Hauptprobe hatte allerdings durch diese Anordnung die Textverständlichkeit teilweise noch etwas gelitten.
„Abends weggehen und wirklich hoffen, dass heute Abend noch etwas passiert“: Mit diesem einhelligen Wunsch der fünf Jugendlichen beginnen die Vorbereitungen von Julia (Larissa Doelle, Nathalie (Luise Kotlewski), Laura (Rachel Brandt), Kim (Rieke Kohn) und Maxi (Hannah Mitera) in privater Atmosphäre und im Freizeitlook.
Der ändert sich im Laufe der Ereignisse in ein schickes Outfit und hippes Make up. Zwischendurch wird gefeixt (über dicke Mädels) und gelästert (über den erigierten Penis des Mannes), geflucht (über Zukunftsängste) und geträumt (von einer beruflichen Karriere). Neuigkeiten und Erkenntnisgewinn der Autorin waren aber trotz der imponierend bewältigten Textfülle ziemliche Mangelware, was den Darstellerinnen dennoch nicht ihre Spielfreude trübte.
Die Textauswahl war ziemlich schwierig gewesen, berichtete Rieke Kohn nach der (fast) unfallfreien Hauptprobe. Denn im Gegensatz zu früheren Zeiten hatten sich diesmal nur weibliche Mitglieder für die Theater-AG entschieden. Anfang Januar hatten laut Hannah Mitera die Aufführungsvorbereitungen begonnen, ein Workshop im Naturfreundehaus Braunschweig legte die Basis für die Form und die Rollenaufteilung. „Das haben die Fünf ganz prima hingekriegt“, lobte AG-Leiter und Regisseur Friedrich-Uwe Röber das Engagement des Quintetts.
Röber wurde unterstützt von der Regieassistentin Sabrine Chelbi, die aus dem Probenprozess verriet: „Manchmal hat Herr Röber wirklich nachgefragt: Wie machen denn Frauen das?“ Larissa Doelle wusste von der Schwierigkeit zu berichten, für jede Person deren individuellen Charakter zu finden, während Rachel Brandt Tipps verriet, wie sie sich Brücken gebaut hätten, um die langen Textpassagen auswendig zu lernen. Und Luise Kotlewski fasste die Erwartungen des Ensembles zusammen: „Wir hoffen auf das Mitgefühl der Zuschauer, die auch mitlachen sollen“, - getreu dem mehrfach eingespielten Cindy Lauper-Hit „Girls wanna have fun“.