Gesprächige „Handy-Eltern“ und verständnislose Kinder . . .

Viel Applaus für alle Vortragenden gab es von den über 100 Anwesenden bei der gelungenen Fachtagung der Stadt Lehrte zum Thema Netzwerkkoordination „Frühe Hilfen“. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Moderator Christoph Tiegel und Silvia Walter von der Koordinierungsstelle „Frühe Hilfen“ dankten dem Publikum für dessen Interesse. (Foto: Susanna Veenhuis)

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Stadt Lehrte startet Kampagne „Sprich mit Deinem Kind“

LEHRTE (sv). Eine Frau oder ein Mann führen intensive Telefongespräche via Handy und schieben so nebenbei eine Kinderkarre mit dem völlig gelangweilten oder nörgeligen Nachwuchs vor sich her. Solche Szenen sind im Stadtbild leider keine Seltenheit. Anlässlich der Fachtagung „Frühe Hilfen“ startete die Stadt Lehrte jetzt die Kampagne „Sprich mit Deinem Kind“ für einen kindgerechten Umgang mit dem Mobiltelefon.
„Stell Dir vor, alle reden über Dich, aber keiner spricht mit Dir!“ Mit diesem etwas abgewandelten Sponti-Spruch aus der Friedensbewegung eröffnete der erste Stadtrat Stadtrat Uwe Bee die Kampagne „Sprechen Sie lieber mit Ihrem Kind“ - mit Betonung auf dem „mit“. Erwachsene haben immer viel zu besprechen und wichtige Dinge zu regeln: Wer holt die Kleinen vom Sport ab? Wann ist die Kindergeburtstagsfeier zu Ende? Aber selbst wenn die Eltern per Mobiltelefon solche Themen besprechen, bei denen es rund ums Kind geht, verstehen die lieben Kleinen nur „Bahnhof“: Mit wem reden Mama und Papa da bloß? Das Kind fühlt sich ausgeschlossen.
Solchen Situationen will die Stadt Lehrte mit der Plakataktion „Sprich mit Deinem Kind“ entgegenwirken. Denn Erziehung besteht zum größten Teil aus dem Vorbild der Eltern. Deren Art und Frequenz der Handynutzung wirkt sich von klein auf auf die Kinder aus und beeinflusst die Kommunikation, Beziehung und Bindung zu Säuglingen und kleinen Kindern.
Gerade die Kleinsten brauchen die ungeteilte Zuwendung ihrer Eltern und können die Mimik und Gestik ihrer telefonierenden Eltern leicht missdeuten. Möglicherweise kristallisiert sich bei dem Kleinkind die Erkenntnis heraus, dass die Eltern es gar nicht wahrnehmen, wenn die Familie zwar zusammen ist, die Erwachsenen aber ständig irgendwie abgelenkt erscheinen und merkwürdig reagieren.
Der Kampagnenstart war eingebunden in die Fachtagung „Frühe Hilfen“, zu der Silvia Walter von der gleichnamigen Koordinierungsstelle Fachkräfte aus Beratungs- und Frühforderungsstellen, dem Gesundheitswesen, der Kinder- und Jugendhilfe, aus Kindertageseinrichtungen und sozialen Einrichtungen, von Polizei und Justiz, aus der Arbeitsverwaltung und dem Jobcenter eingeladen hatte.
Mehr als 100 Fachleute ließen sich von Kapazitäten der Kinder- und Jugendhilfe wie Prof. Dr. Dr. h. c. Reinhard Wiesner, der maßgeblich das Kinder- und Jugendhilfegesetz des Sozialgesetzbuchs SGB VIII gestaltet hat, dem Pädiatrie-Facharzt Dr. Burkhard Lawrenz und Gebit Münster vom Fachinformationssystem Frühe Hilfen Niedersachsen (FIS) über die Möglichkeiten für früh einsetzende bestmögliche Betreuung von Kindern in Fachvorträgen und bei einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion informieren und zur Erweiterung des bestehenden Netzwerks anregen. Der Journalist und WDR-Mitarbeiter Christoph Tiegel moderierte die Fachtagung.
Um die Aufnahmefähigkeit aller Beteiligten aufrecht zu erhalten, animierte das Improvisations-Theater „Die Improkokken“ mittags und gegen Ende der Tagung die Teilnehmer mit ihrer ganz persönlichen Interpretation der Tagungsinhalte zur Wahrnehmung der bearbeiteten Themen aus völlig skurrilen Blickwinkeln – gleichzeitig auch sehr zum Vergnügen der Tagungsbesucher.