Gefährlich wird es, wenn man den Alkohol „braucht“

Beriet unsere Leser/innen bei der gemeinsamen Telefonaktion: BZgA-Suchtberater Thomas Weßling. (Foto: BZgA)
 
Gab unseren Leser/innen am Telefon Tipps gegen Alkoholsucht: BZgA-Suchtberaterin Heike Ross-Helmig. (Foto: BZgA)

Erfolgreiche Telefonaktion des MARKTSPIEGELS mit Beratern der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

ALTKREIS BURGDORF (r/kl). Die Nachfrage während der Telefonaktion mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), exklusiv für unsere Leser/innen, war groß. Es meldeten sich sowohl Menschen, die sich Sorgen um ihre Angehörigen machten als auch Leser, die für sich selbst wissen wollten, ob ihr Alkoholkonsum noch im grünen Bereich liegt.
Die Berater der Bundeszentrale standen Rede und Antwort. Hier eine Zusammenfassung:

"Ich brauche abends einfach mein Gläschen Rotwein um runter zu kommen. Der Stress auf Arbeit und mit meinen pflegebedürftigen Eltern ist einfach zu groß. Ein Glas ist doch in Ordnung, oder?"
Gegen ein Glas Rotwein am Abend - mit einer zweitägigen Pause pro Woche - ist eigentlich nichts zu sagen. Bedenklich ist aber, dass Sie meinen, den Alkohol zu „brauchen“ um zu funktionieren. Das könnte gefährlich werden.
Denn um den gleichen entspannenden Effekt zu erreichen, müssen Sie bald mehr trinken, da sich der Körper über Wochen und Monate an den Alkohol gewöhnt. So kann aus dem Gläschen schnell ein Fläschchen werden.
Man sollte nie vergessen, dass Alkohol ein Zellgift ist, das durch das Blut in alle Organe des Körpers transportiert wird und dort Schaden anrichten kann.

"Wie soll ich aber abends zu Ruhe kommen? Die Zeit, um Yoga zu erlernen oder zu meditieren, habe ich nicht . . ."
Ich rate Ihnen zu überlegen, wie Sie Ihr Leben anders organisieren können, um gar nicht erst in heftige Stresssituationen zu geraten. Holen Sie sich dabei Unterstützung, zum Beispiel in psychosozialen Beratungsstellen.
Es ist oft hilfreich, wenn Dritte von außen mit draufgucken. Adressen für passende Beratungsstellen finden sie im Internet unter www.dajeb.de. Hier kann man auch besprechen, wie man aus Stresssituationen ohne Alkohol herauskommen kann.
Mitunter hilft schon ein warmes Wannenbad, ein Spaziergang, gute Musik oder ein Gespräch mit der besten Freundin.

"Ich trinke pro Tag drei, vier Bier und dazu auch ein paar Kräuterschnaps und merke selbst, dass ich am nächsten Tag nicht richtig fit bin. Eigentlich will ich weniger trinken. Aber es klappt selten. Wie kann ich es schaffen ohne das Problem an die große Glocke zu hängen?"
Ich rate Ihnen, sich an eine Suchtberatungsstelle zu wenden. Dort werden nicht nur Schwerstabhängige beraten sondern auch Menschen, die ihren Alkoholkonsum reduzieren möchten.
Die Berater unterliegen – genau wie Ärzte – der Schweigepflicht. Es wird also nichts von Ihrem Problem nach außen dringen. Eine Datei von Beratungsstellen steht im Internet unter www.bzga.de/service/beratungsstellen/suchtprobleme.

"Ich war bereits bei einer stationären Suchttherapie. Das ist jetzt zwei Jahre her. Jetzt trinke ich aber doch wieder und - ehrlich gesagt – es wird immer mehr. Was raten Sie mir?"
Am sinnvollsten wäre es, sich beim Hausarzt eine Einweisung zur Entgiftung zu holen, parallel dazu sollten Sie eine Suchtberatungsstelle aufsuchen, um den weiteren Fortgang zu besprechen. Denn nach der Entgiftung muss möglichst sofort eine stationäre oder ambulante Therapie folgen. Rückfälle sind bei Suchterkrankungen keine Seltenheit. Ein zweiter Versuch kann sich durchaus lohnen.

"Meine Frau und ich trinken abends gern Wein. Eine Flasche wird immer leer. Könnte das schaden?"
Wenn Sie auf Ihre Gesundheit achten möchte, sollten Sie als Mann nicht mehr als zwei Gläser Wein, Ihre Frau nur ein Glas trinken. Die Standart-Weingläser, die dieser Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation zugrunde liegen, fassen 0,125 Liter. Damit liegen Sie über der empfohlenen Menge. Hinzu kommt eine weitere Empfehlung: zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein.

"Ich will jetzt wirklich eine Alkohol-Pause von sechs Wochen einlegen. Aber ich ahne schon, dass mir besonders abends mein Bier sehr fehlen wird . . ."
Stellen Sie sich die Lust auf den Alkohol wie eine Welle vor - sie flutet an und wenn sie Sie nicht umwirft, ebbt sie auch wieder ab. Wenn man es viele Male geschafft hat, in diesen Augenblicken standhaft zu bleiben, verfestigt sich diese Erfahrung und man kann besser mit dem Verlangen umgehen.

"Gibt es ein paar Tricks, wie ich über die Momente des Verlangens hinwegkomme?"
Lenken Sie sich ab, indem Sie eine Kleinigkeit erledigen oder sich etwas gönnen. Rufen Sie einen Freund an oder hören Sie zur Entspannung etwas Musik. Bei innerer Unruhe hilft auch oft ein Spaziergang an der frischen Luft oder eine kleine Radtour oder ein Besuch im Fitness-Studio.
Hunger und Durst können auch das Verlangen nach Alkohol verstärken. Trinken Sie etwas Alkoholfreies und überlegen Sie, ob Sie Appetit auf einen kleinen Snack haben.

"Mein Mann betrinkt sich seit mehr als zehn Jahren fast jeden Abend. Er reagiert schon gar nicht mehr auf meine Einwände. Mich bedrückt das sehr. Was kann ich noch tun?"
Man kann nur Menschen helfen, die sich helfen lassen wollen. Das ist bei Ihrem Mann offensichtlich nicht der Fall. Nun müssen Sie entscheiden, wie lange Sie sich das noch anschauen möchten. Vielleicht können Sie erst einmal zu ihm auf Distanz gehen und vereinbaren, dass sie nur etwas gemeinsam unternehmen, wenn er nüchtern ist.
Auf jeden Fall sollten Sie Ihr eigenes Leben gestalten - mit allem, was Ihnen Spaß macht, damit Sie sich mit der Situation nicht zu sehr belasten. Hilfe bekommen Sie bei Angehörigenberatungen, die viele Suchtberatungsstellen anbieten.

Weiter Info-Möglichkeiten:
Das BZgA-Infotelefon zur Suchtvorbeugung ist erreichbar von Montag bis Donnerstag jeweils von 10.00 bis 22.00 Uhr und von Freitag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr unter Telefon (0221) 89 20 31. Info-Material zum Thema Alkohol gibt es kostenlos unter www.bzga.de/Infomaterialien
Infos zur Alkoholprävention gibt es auch im Internet: Für Jugendliche unter 16 Jahren: www.null-alkohol-voll-power.de, für Jugendliche von 16 bis 20 Jahren: www.kenn-dein-limit.info, für Erwachsene: www.kenn-dein-limit.de.