Gastkinder aus Tschernobyl in Lehrte und Sehnde sagten „Do svidaniya“

Die Stelzenläufer beeindruckten ganz besonders mit ihrer kleinen Choreografie und verteilten Blumen an die Gastfamilien. (Foto: Dana Noll)

Ein Beitrag von Dana Noll - Vier erlebnisreiche Wochen mit Sport, Spiel und Spaß gingen zu Ende

LEHRTE (dno). Als die Kinder aus Tschernobyl in Lehrte ankamen strahlte die Sonne. Und als sie sich am Montag von ihren Gasteltern verabschieden mussten, lachte sie wieder vom Himmel. Obwohl den meisten wohl eher zum Weinen zumute war.
Doch erst einmal konnte das Abschiednehmen noch ein bisschen warten. Denn die zehn Kinder aus der Region Gomel bei Tschernobyl hatten als kleines Dankeschön an ihre Gastfamilien für die schöne Zeit, beim Abschiedstreff im Matthäus-Gemeindezentrum Lehrte eine Überraschung vorbereitet: eine kleine Vorführung aus Gesang und Tanz.
Tagelang wurde geübt und trainiert und die Kinder waren ein wenig aufgeregt, aber mit voller Konzentration, dabei. Die Gasteltern waren sichtlich gerührt und applaudierten kräftig.
Den Höhepunkt bildeten die drei kleinen Stelzenläufer, die nicht nur Blumen verteilten sondern auch eine kleine Choreographie einstudiert hatten. Faszinierend, was die Kinder in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hatten!
Und das, obwohl es für ihren Aufenthalt in Lehrte ein umfangreiches Programm mit (Besichtigungs-)Aktivitäten gab. An drei Vormittagen in der Woche wurden sie mit Spiel- und Bastelaktionen von ehrenamtlichen Helfern betreut. Ausflüge in den Zoo Hannover oder zum Klimahaus Bremerhaven brachten viel Spaß.
Aber auch in Lehrte gab es viel zu entdecken. So erhielten die Kinder Freikarten für die Lehrter Schwimmbäder, durften in die Soccer Halle des SV Lehrte 06 und besuchten die örtliche Polizei.
„Am schönsten war es im Rastiland, bei der Freiwilligen Feuerwehr in Ilten und am Irenensee“, so der 13-jährige Sergej, der bereits zum sechsten Mal an diesem erholungsaufenthalt teilnahm. Und obwohl er ein wenig traurig war, Abschied nehmen zu müssen, freute er sich auch auf seine Familie, besonders auf seine Schwester, in Gomel.
„Und auf einen russischen Borschtsch, so einen richtigen Eintopf“, ergänzt er weiter. Sein Vater Alexander Pokulnewitsch begleitete als Dolmetscher die Gruppe und musste lächeln: “Na ja, Pizza und Lasagne haben auch ganz gut geschmeckt. Und von Nutella konnten die Kinder nicht genug bekommen!“
Nur zwei Flugstunden liegen zwischen Hannover und Gomel, der zweitgrößten Stadt in Weißrussland. „Dennoch sind es Welten, die uns trennen. Bei uns ist die Inflation sehr hoch, ein Euro hat den Wert von 17.000 Rubel! Die Lebenserwartung von Männern liegt nur bei 60 Jahren“, so Pokulnewitsch.
Seit nunmehr 20 Jahren kommen Kinder aus Tschernobyl in ihren Sommerferien für vier Wochen nach Lehrte zu Besuch. „Die Planungen für das nächste Jahr beginnen wieder im Herbst. Sachspenden haben wir genügend, aber über finanzielle Unterstützung des Projektes wären wir dankbar“, so der Diakon der Matthäusgemeinde, Sven-Oliver Salzer.
Auch interessierte Gastfamilien können sich dann wieder melden. Kenntnisse der russischen Sprache sind vorteilhaft, aber nicht unbedingt nötig. „Es macht so viel Spaß mit den Kindern und bereichert das eigene Familienleben“, so eine Gastmutter.