Friedenspreis „Sievershäuser Ermutigung“

Der Antikriegshaus-Vorsitzende Elvin Hülser (rechts) und Präsidentin Gisela Fähndrich (Zweite von rechts) übergaben den mit 5.000 Euro dotierten Friedenspreis „Sievershäuser Ermutigung“ an die engagierten Frauen vom Verein „AMICA“. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Der Gastredner und Laudator, Traumatherapeut Lutz-Ulrich Besser, gab einen umfassenden Überblick über die Zusammenhänge von neurologischer Prägung, die letztlich den Charakter des Menschen ausmacht. (Foto: Susanna Veenhuis)
Lehrte: Antikriegshaus Sievershausen |

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - „AMICA“ hilft Frauen und Kindern in Kriegs- und Krisengebieten

SIEVERSHAUSEN (sv). Der kleine Verein „AMICA“ aus Freiburg ist diesjähriger Preisträger des Friedenspreises „Sieverhäuser Ermutigung“. Zum 14. Mal wurde der alle zwei Jahre ausgeschriebene, mit 5.000 Euro dotierte Preis für beispielhafte Menschenrechts- und Friedensarbeit jetzt im Antikriegshaus verliehen – passenderweise am "Internationalen Tag der Menschenrechte".
Bereits 1992 übernahm der Kreis von Frauen aus dem bürgerschaftlichen Engagement der Stadt Freiburg angesichts der Kriegsgräuel im ehemaligen Jugoslawien seine Arbeit auf. Im Mittelpunkt steht die Hilfe für durch Terror und Kriegsgeschehen traumatisierte Frauen und Kinder – inzwischen auch in anderen Ländern wie Libyen, Tschetschenien und dem Libanon. Finanziert wird die Arbeit ausschließlich durch Spenden oder projektbezogene Förderung, beispielsweise durch das Auswärtige Amt.
„Frauen und Kinder leiden am stärksten unter Gewalt und Terror. Sie finden bei uns medizinische und psychologische Hilfe und Betreuung, darüber hinaus auch Begleitung beim Wiederaufbau einer Existenz und Unterstützung in allen Belangen“, stellte Heide Serra die Arbeit des Vereins vor.
Dazu gewinnt und unterstützt der Verein Sozialarbeiterinnen, Ärztinnen, Psychologinnen und Rechtsanwältinnen in den jeweiligen Ländern. Des Weiteren bestärkt er die Akteurinnen vor Ort darin, sich in der Frauen- und Friedensarbeit zu engagieren und ihre Interessen öffentlich zu vertreten. Dazu gehört auch das Anzeigen und Ahnden von Verbrechen gegen Frauen und Kinder.
„Das ist in manchen patriarchalisch geprägten Kulturen nicht so einfach, die Frauen haben vielfach mit Repressalien zu kämpfen“, fügte Serra hinzu. Zusammen mit der Vorsitzenden Dr. Gabriele Michels sowie den Gebietsbetreuerinnen Sylvia Rombach und Dagmar Ihlau war sie zur Entgegennahme des Preises nach Sievershausen gereist.
Angesichts von weltweit 65 Millionen Flüchtlingen - viele davon durch Kriegsgeschehen, Terror und Gewalt schwer traumatisiert - hatte sich die Jury, bestehend aus Mitgliedern des Vereins Antikriegshaus Sievershausen und kompetenten Fachleuten, schon vor zwei Jahren für das Thema „Hilfe für durch Krieg und Flucht traumatisierte Menschen“ zur Ausschreibung entschieden.
Die Auswahl zwischen den elf eingereichten, qualitativ sehr wertvollen Projekten aus aller Welt war den Beteiligten nicht leicht gefallen, wie Jurymitglied Angelika Hirschkorn berichtete: „Letztlich ist die Wahl aber einstimmig gewesen!“
Zum einen die individuelle Hilfe für Betroffene, zum anderen die Arbeit auf politischer Ebene zur Wiederherstellung der Friedensfähigkeit von Gesellschaften, zum dritten aber auch das lang anhaltende Engagement der eigentlich sehr kleinen Initiative von mindestens fünf Jahren in einem Land oder Gebiet waren die ausschlaggebenden Merkmale zur Auswahl von AMICA, sagte Ex-Auslandsbischof Martin Schindehütte, ebenfalls in der Jury.
Gastredner Lutz-Ulrich Besser, Facharzt für Psychiatrie und Gründer des Zentrums für Psychotraumatologie und Traumatherapie Niedersachsen zptn, bestätigte in seinem umfangreichen und spannenden Vortrag über die Zusammenhänge zwischen frühkindlicher Prägung und Friedensfähigkeit einer Gesellschaft, dass körperlich und seelisch zutiefst Erschütterte und Verletzte lange und intensive Betreuung benötigen, um wieder Vertrauen in andere Menschen und in die Zukunft gewinnen zu können.
„Amica heißt auf Deutsch Freundin – und in schlimmen Zeiten ist es besonders wichtig, eine gute Freundin zu haben“, sagte der Lehrter Bürgermeister Klaus Sidortschuk in Bezig auf den Vereinsnamen. Er erinnerte an das selbst erlebte, teilweise unfassbare Elend der Flüchtlinge, die im vergangenen Jahr per Zug und Bus nach Lehrte kamen – einige sogar mit unbehandelten Schussverletzungen. „Wenn Panzer und Soldaten abgezogen sind, ist ein Krieg noch lange nicht vorbei“, brachte es Kirchenkreis-Superintendentin Sabine Preuschoff-Kleinschmit ebenfalls auf den Punkt und bat um Gottes Segen für die Arbeit von AMICA.