Fibromyalgie-Gruppe im Heilpflanzen-Garten Lehrte

Interessiert lauschten die Mitglieder des Burgdorfer Fibromyalgie-Gesprächskreises den Ausführungen der „Kräuterhexe“ Margeretha Ehlvers (links) über schmerzstillende Heilkräuter. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Hafer ist nicht nur für Pferde gut: Auch die Arzneipflanze des Jahres 2017 und deren außergewöhnlichen innerliche wie äußerliche Heilwirkungen stellte Margaretha Ehlvers den Besucherinnen vor. (Foto: Susanna Veenhuis)
Lehrte: Heilpflanzengarten KRH Klinikum |

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Schmerzstiller oder Killer?

LEHRTE (sv). Wunderschön geformte Blüten von einem faszinierenden Blau schmücken den Eisenhut, lateinisch Aconitum napellus. Aber Vorsicht, die Pflanze hat es in sich!
So wurden schon in der Antike Pfeilspitzen und Köder mit ihrem tödlichen Gift Aconitin präpariert, Schutzzonen um Tiergehege mit dem Kraut angelegt und auch unliebsame Mitmenschen aus dem Weg geräumt. Dass gerade diese Pflanze aber in der richtigen Dosierung auch ein sehr gutes Arzneimittel gegen Schmerzen ist, wussten einige der Besucher im Heilpflanzengarten am Lehrter Krankenhaus bereits vorher, hatten sie aber wohl noch nie im Original zu Gesicht bekommen.
Der Burgdorfer Fibromyalgie-Gesprächskreis unter Leitung von Katja Lahmann ließ sich von „Kräuterhexe“ Margaretha Ehlvers einige Sorten und Wirkungsweisen schmerzstillender Pflanzen vorstellen.
Denn Fibromyalgie-Patienten leiden viel unter Schmerzen, besonders in der Nacken-, Rücken-, Arm- und Beinmuskulatur. Dazu können Schwellungsgefühle, Müdigkeit, Schlafstörungen, Reizdarm und -blase, Herz- und Atembeschwerden, vermehrtes Schwitzen und Frieren sowie Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen, Licht und Lärm und kommen. Vieles davon sind auch die Symptome bei einer Eisenhut-Vergiftung.
Bis zur Diagnose Fibromyalgie haben die Erkrankten aufgrund des unspezifischen Krankheitsbilds oft einen langen Leidensweg hinter sich, wie Katja Lahmann berichtete. „Aconitum ist hier unschlagbar, es ist das Mittel der Wahl“, sagte Ehlvers.
Getreu der homöopathischen Lehre, Gleiches mit Gleichem zu therapieren, wirkt der tödliche Eisenhut als Aconitum gerade gegen die meisten dieser Beschwerden ganz hervorragend – allerdings in homöopathischer Verdünnung. Eisenhut-Gattungen sind fast weltweit verbreitet, es gibt sie auch in nahezu allen anderen Blütenfarben.
„Zwischen 1980 und 1984 gab es in der chinesischen Provinz Sezchuan 72 Todesfälle durch Eisenhut – 35 Morde, 16 Selbstmorde und 21 unglückliche Verwechslungen.“ Ehlvers hatte zur Verdeutlichung der Gefahr durch die Pflanze diese Statistik ausgegraben. Sie und ihre Mitstreiterinnen verfügen als „Kräuterhexen“ über viel Fachwissen und pflegen den Heilpflanzen-Garten ehrenamtlich.
2005 wurde der Blaue Eisenhut vom Botanischen Sondergarten in Hamburg zur Giftpflanze des Jahres gekürt. Die ebenfalls giftige Arnica montana oder auch „Bergwohlverleih“ ist den meisten Patienten eher als homöopathisches Mittel bekannt, in dieser Form hilft sie unter anderem gegen stumpfe Verletzungen, Hämatome und Prellungen.
Auch die unscheinbare Weide mit ihren niedlichen Kätzchen im Frühjahr birgt Heilkraft: In der Rinde ist der Schmerz stillende und Fieber senkende Grundstoff Salicin enthalten, der synthetisch hergestellt als Acetylsalicylsäure, kurz ASS, in den Apotheken verfügbar ist.
Ganz und gar ungiftig und innerlich wie äußerlich sehr hilfreich ist dagegen der Hafer. Margaretha Ehlvers versäumte es nicht, zur Komplettierung ihres Vortrags die Arzneipflanze des Jahres vorzustellen, die vor allem wegen ihrer guten Heilwirkung bei Hauterkrankungen wie etwa Neurodermitis und Psoriasis ausgewählt wurde.
Haferstroh-Tee hilft gegen Übersäuerung, die heilsame Wirkung von Haferschleim auf den Verdauungsapparat ist bekannt. Zudem wirkt sich Hafer positiv auf den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel und bei Diabetes aus.
Die so genannte Hafermilch, ein gluten- und laktosefreies veganes Getränk aus Hafer und Wasser, bildet eine gut schmeckende Alternative zu Kuhmilch, beispielsweise für das Müsli oder den Milchkaffee. Bei einer kleinen Verkostung konnten sich die Besucherinnen davon überzeugen.
Am „25. Tag der Selbsthilfe“ in Burgdorf am 26. August werden die Mitglieder des Fibromyalgie-Kreises sicher einige Pflanzentipps weitergeben können. Die nächste öffentliche Führung im Heilpflanzengarten am Lehrter Krankenhaus findet am Sonntag, 30. Juli, ab 11.00 Uhr zum Thema „Die Apotheke am Wegesrand“ statt, der Eintritt ist frei.