"Feiern ist wichtig für uns Menschen"

Feiern ist wichtig für uns menschen: Martin Karras, Pfarrer in St. Nikolaus, Burgdorf und stellv. Regionaldechant im Dekanat Hannover. (Foto: privat)

Gedanken zum Wochenende von Martin Karras, Pfarrer in St. Nikolaus, Burgdorf

Kaum ist die Weihnachtszeit vorbei, hat allerorten der Karneval für viele Menschen seine Hoch-Zeit und erfährt an diesem Wochenende überall seinen Höhepunkt. Unser wichtigstes Hobby scheint das Feiern zu sein, je überschwänglicher, größer und lauter umso besser. Man könnte meinen, wir Menschen hätten keine Sorgen und alles wäre in Ordnung.
In den Neunzigern des letzten Jahrhunderts, während des Golfkrieges, wurden reihenweise die Karnevalsveranstaltungen abgesagt. Wer trotzdem feierte, musste schon fast ein schlechtes Gewissen haben. Der Karneval als Zeit des ausgelassenen Feierns hat in vielen Gegenden eine große Tradition, nicht nur in Deutschland, sondern auch vielen anderen Ländern wie der venezianische Karneval in Italien oder der Karneval in Rio de Janeiro in Brasilien. Überall anders und doch in einem gleich, nämlich der Tatsache, dass Menschen sich freuen. Und zwar Arme wie Reiche.
Feiern, fröhlich sein, ist unabhängig von meiner Finanzkraft. Es ist wichtig für uns Menschen, auch einmal dem Alltag mit all seinen Sorgen und Nöten zu entfliehen. Denn sonst wird unser Leben trübsinnig. Und unser Leben hat doch wahrlich mehr zu bieten als nur Leid und Kummer. Gott hat uns Lebensfreude geschenkt, die Gewissheit, dass es sich lohnt zu leben, dass es auch viele schöne Erfahrungen gibt.
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, heißt es in einem alten Karnevalsschlager. Das ist richtig und falsch zugleich, weil zwar die Zeit der großen Festivitäten zu Ende ist, aber es beginnt die Fastenzeit, Zeit der Vorbereitung auf das österliche Fest des Lebens und der Hoffnung in Jesus Christus.
So wichtig es ist, fröhlich und ausgelassen zu sein, so wichtig ist es aber auch, die Realität des Lebens nicht aus den Augen zu verlieren und vor allem bei aller Narretei nicht zu vergessen, woher ich dies alles habe: von Gott. So hat der Karneval nicht die Aufgabe, Wahrheit, gerade wenn sie hart ist, zu vertuschen, sondern im Gegenteil. Wenn ich an die Reden denke, die in der Bütt gehalten werden, so wird dort die Wahrheit gesagt, für alle verständlich, aber nicht verletzend.
Und so kann ich vielleicht auch manches während des Karnevals lernen, in der Fastenzeit darüber nachdenken und gemeinsam mit Jesus einen neuen Weg beginnen. Denn er hat mit uns in seiner Auferstehung einen neuen Weg begonnen. Einen Weg der froh macht. Und nur als frohe, lebensbejahende Christen, können wir glaubwürdig die Botschaft des Lebens bezeugen.

Martin Karras, Pfarrer in St. Nikolaus, Burgdorf und stellv. Regionaldechant im Dekanat Hannover