Fast 500 Flüchtlinge von Lehrte aus in Erstaufnahmeeinrichtungen weitergeleitet

"Where are we here? In Germany? Good!" - auch bei den erleichtert aus dem Sonderzug steigenden Flüchtlingen waren die vorhandenen Informationen oft nur bruchstückhaft. (Foto: Walter Klinger)
 
Vor allem junge Männer aus vielen verschiedenen Ländern marschierten in der langen Reihe der Flüchtlinge vom Bahnhof über dazu gesperrte Burgdorfer Straße in die Turnhalle Friedrichstraße. (Foto: Walter Klinger)

Region leistet Amtshilfe für den Bund: 186 Helfer/innen im Einsatz - Auch am Samstag zwei Sonderzüge

LEHRTE/REGION (r/kl). Die Lehrter City wurde am Dienstag (29. Oktober 2015) erstmals zum Umsteigepunkt für knapp 500 Flüchtlinge. Gemerkt hat dies aber kaum jemand, denn der lange Marschzug der Neuankömmlige zog gegen 9.00 Uhr sehr still und diszipliniert zur Turnhalle Friedrichstraße, von wo sie in Bussen in Erstaufnahmeeinrichtungen in allen Norddeutschen Bundesländern, aber auch in eine neue Außenstation derselben in Köthenwald gebracht wurden.
Am Sonntagnachmittag, als die Meldung eintraf, dass das Landesinnenministerium die Region Hannover bei der Flüchtlingsverteilung um Amtshilfe bittet, wurde noch für 2.000 eintreffende Flüchtlinge geplant, so dass der gestrige Flüchtlingszug von 186 Einsatzkräften von Polizei, Bundeswehr, Freiwilliger Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und dem Deutschen Roten Kreuz erwartet wurde.
So viele Helfer/innen wären für die dann tatsächlich gemeldeten 492 Ankömmlinge also gar nicht notwendig gewesen, aber auch dies gehört derzeit zu den Unwägbarkeiten bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme. Ebenso wie die Verspätung des ursprünglich schon für für 6.30 Uhr angekündigten Sonderzuges aus Passau. Auf Bahnhöfen unterwegs mussten erkrankte Kinder versorgt werden, aber auch die Notbremse wurde gezogen, weil einige Flüchtlinge andere Vorstellungen vom Reiseziel hatten und ausstiegen.
Ähnliches zeigte sich auch in Lehrte: Mindestens anderthalb Dutzend Flüchtlinge kauften sich noch im Bahnhof Fahrkarten zu anderen Reisezielen, noch gut 30 - so die Schätzung bei Redaktionsschluss - waren in der Lehrter Innenstadt unterwegs.
Die zuständige Dezernentin Cora Hermenau von der Regionsverwaltung wies dazu darauf hin, dass viele Flüchtlinge sehr viel durchgemacht und konkrete Vorstellungen von ihren Zielorten und ihrer Zukunft hätten. Auch sie könnten die in Deutschland geltende Freizügigkeit für sich in Anspruch nehmen.
In der Turnhalle Friedrichstraße wurde das verbliebene Gros der Flüchtlinge vom DRK mit Mineralwasser und Schokoriegeln versorgt und ärztlich begutachtet. Neben Erkältungen und leichtem Fieber wurden ernstere Erkrankungen nicht festgestellt.
In 21 Bussen - auch aus Steinfurt, Osterholz-Scharmbeck und Hamburg - ging es dann in Erstaufnahmeeinrichtungen weiter, in denen die Flüchtlinge erst einmal registriert und so lange aufgenommen werden, bis sie möglichst schnell auf die jeweiligen Städte und Gemeinden verteilt werden können.
Über die Ziele der Busse gab es nach den Worten von Einsatzleiter Jörn Engel (stellvertretender Leiter der Technischen Einsatzleitung der Region) so manche Diskussion mit Flüchtlingen, die selbst ganz woanders hin wollten - trotz der für einige Sprachen bereit stehenden Dolmetscher durch "letztlich nicht immer überwundene Sprachbarrieren" erschwert.
Am Samstag dieser Woche werden zwei weitere Flüchtlingszüge in Lehrte erwartet. Lehrte biete sich auf Grund seiner guten Verkehrsanbindungen dafür an. "Hier kommt man schnell hin, aber auch schnell wieder weg", sagt Bürgermeister Klaus Sidortschuk. Zu einem Ersatz für das Flüchtlings-"Drehkreuz", das in Bad Fallingbostel aufgebaut wird, darauf legt Sidortschuk wert, werde Lehrte aber nicht. Es wird erwartet, dass auch Samstag alles reibungslos läuft - Einsatzleiter Jörn Engel jedenfalls lobte die schnelle und unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Stadt Lehrte und den Hilfsorganisationen.