Ex-Ratsherr Clemens Wittkowski aus Lehrte birgt Kunstkleinode

Der Leihgeber Clemens Witkowski, bis vor kurzem noch Lehrter Ratsmitglied, will „Kunst dort zeigen, wo noch nicht so viel Kunst ist“. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Zeichnungen von Hans Jürgen Kallmann lagerten auf Dachboden

LEHRTE (hdb). „Der Lebenslauf von Bildern ähnelt oft einer Kriminalgeschichte“: Diese Einschätzung von Lehrtes Kulturbeauftragten Julienne Franke trifft auch auf die Zeichnungen von Hans Jürgen Kallmann weitgehend zu. 55 Exponate sind jetzt in der Städtischen Galerie zu bestaunen.
Wie und warum die alle 1932 in Halle an der Saale entstandenen Werke des 1908 geborenen und 1991 verstorbenen Kallmann ihren Weg in die Eisenbahnerstadt fanden, erschließt sich dem Ausstellungsbesucher nicht auf den ersten Blick. Bei der Vernissage lüftete der Leihgeber Clemens Witkowski bei nur geringem Publikumszuspruch das Geheimnis: Sein Großvater war Chefredakteur einer Hallenser Zeitung – und in der jeweiligen Sonntagsbeilage wurden die Zeichnungen des ihm bekannten Autodidakten mit zahlreichen lokalen Motiven abgedruckt. Clemens Witkowski, der bis vor kurzem in Lehrte lebte und für die Grünen im Stadtrat saß, erbte die Sammlung.
„Mir war es ein besonderes Anliegen, dass die Bilder hier in Lehrte gezeigt werden“, sagte Witkowski während der Vernissage, die auch seine Mutter und Kallmanns Witwe besuchten.
Die Gäste zu „dieser phantastischen Ausstellung“ begrüßte Bürgermeister Klaus Sidortschuk, der auch das „80 Jahre lange Dachbodendasein“ der Zeichnungen erwähnte. Er dankte auch dem Wilhelm-Busch-Museum, dem Kallmann-Museum Ismaning und der Volksbank Lehrte-Stiftung für deren die ideelle und finanzielle Unterstützung. Julienne Franke übernahm kenntnisreich die Einführung in die geschmackvoll gerahmten Bleistift- und Tuschezeichnungen.
Diese zeigen Menschen in ihrem Alltagsleben, Tiere im Halleschen Zoo und markante bauliche Wahrzeichen der Stadt an der Saale. Später wurde der mehrfache Preisträger Hans Jürgen Kallmann, dessen Kunst 1937 von den Nationalsozialisten als entartet gebrandmarkt wurde, überregional berühmt als Portraitmaler von bekannten Politikern und Künstlern.
Die Ausstellung wird bis zum 22. November zu besichtigen sein. Öffnungszeiten der Städtischen Galerie in der Alten Schlosserei sind bei freiem Eintritt dienstags bis freitags und sonntags jeweils von 14.00 bis 18.00 Uhr. In den Herbstferien plant Julienne Franke zwei Malaktionen für Kinder. „Papagei und Gans“ können Sechs- bis Neunjährige am Mittwoch, 28. Oktober, ab 10.00 Uhr zeichnen. „Mit flottem Strich“ lautet die Aufforderung an Kinder zwischen neun und zwölf Jahren am Donnerstag, 29. Oktober. Anmeldungen sind erforderlich per E-Mail unter julienne.franke@lehrte.de oder per Telefon unter (05132) 8 30 07 15.