„Eltern stehen immer mehr unter Druck!“

Familientherapeutin Ester Quindt ging in den Austausch und die Diskussion mit Eltern zum Thema Erziehungsdruck. (Foto: Dana Noll)
Lehrte: Städtische Galerie |

Ein Beitrag von Dana Noll - Stadtkitabeirat bot ihnen Austausch und Orientierung

LEHRTE (dno). Zu einem Informations- und Diskussionsabend hatte der Stadtkitabeirat Lehrte in die Städtische Galerie eingeladen. Der Fachvortrag „Eltern unter Druck – Elternsein zwischen Perfektionismus und Überforderung“ brachte auf den Punkt, in welcher Situation sich Familien heute oft befinden.
Referentin Esther Quindt, Diplom-Psychologin und Familientherapeutin, ist in der Familien- und Erziehungsberatungsstelle Burgdorf tätig und erlebt tagtäglich die Schwierigkeiten, mit denen Eltern zu kämpfen haben.
„Das Generationenbarometer zeigt, 67 Prozent der Eltern empfinden Erziehung als schwierig und 47 Prozent meinen sogar, es ist in den letzten Jahren noch schwieriger geworden“, so Quindt, „die Eltern sind verunsichert und haben Selbstzweifel und nur selten das Gefühl, eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein.“
Ein Kind verändert das Leben. Während es noch vor Jahren relativ starre normative Vorstellungen gab, was gute Eltern leisten müssen, erleben sich Eltern heute in einem Umfeld, das eine Vielzahl von Anforderungen stellt. „Satt und sauber“ reicht nicht mehr. Erziehung wird zu einem Projekt, zu dem jeder etwas zu sagen hat.
Noch nie haben sich Eltern mit so viel Erziehungsfragen auseinandergesetzt. Trotz zahlloser Erziehungsratgeber, Elternzeitschriften, Informationen, Studien, Ratgebern und Tipps zum Thema Erziehung fällt es vielen Eltern immer schwerer eine klare Position darin zu beziehen, wie sie ihre Elternrolle ausfüllen wollen.
Zweifel an der eigenen Erziehungskompetenz werden zu einem häufigen Begleiter im Familienalltag. Und das, obwohl das Generationenbarometer auch zeigt, dass 67 Prozent der 16- bis 29-jährigen sagen, „Ich habe/hatte eine glückliche Kindheit!“ (Von den Ü60 behaupten dies nur 49 Prozent.)
„Trotz der vielen Unterschiede, sind den Kindern und Jugendlichen von heute die Werte Familie, Freundschaft und Vertrauen immer noch am wichtigsten“, so Quindt, „Auch Manieren, Toleranz und Durchsetzungsvermögen nehmen wieder an Bedeutung zu“.
Interessant für die etwa 40 Zuhörerinnen war der Aspekt, dass die Kinder heute oft viel selbstsicherer und bindungsfähiger sind. Auch die Illusion, „Früher war alles besser“ ist eben nur eine Illusion.
„Die heutigen Eltern setzen sich viel mehr mit ihren Kindern und deren Erziehung auseinander“, lobte die Referentin und ermunterte, „den ewigen Kritiker in uns mal auszuschalten!“