Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Tür auf, Tür zu: Klatsch und Tratsch sorgt für Turbulenzen im Treppenhaus

Alle Bewohner beteiligen sich mehr oder weniger und mit unterschiedlichen Absichten am „Tratsch im Treppenhaus“. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Die Ahltener „Unverzagten“ überzeugen mit geglückter Stückauswahl eines Klassikers

AHLTEN (hdb). „Ich doch nicht“: Meta Boldt spielt die Unschuld vom Lande, rollt die Augen und spitzt ihren roten Schmollmund. Dabei ist die tratschsüchtige Frau mit altbackener Kittelschürze und Kopftuch a là Witwe Bolte Dreh- und Angelpunkt im turbulenten Schwank „Tratsch im Treppenhaus“. Die „Unverzagten“ landeten mit ihrer Inszenierung einen Volltreffer.
Von Klatsch und Tratsch prominenter Zeitgenossen – oder jenen, die sich dafür halten – lebt eine ganze Medienlandschaft. In einem Mehrfamilienhaus gibt es aber auch hinreichend viele Begebenheiten, die Anlass für Gerüchte und Verdächtigungen bieten. Und wenn dann noch eine Mitbewohnerin wie Meta Boldt aus der unteren Etage ihre Augen überall und ihr Ohr an sämtlichen (vier) Türen hat, sind Verwicklungen und Verwirrungen vorprogrammiert.
Davon lebt der vieraktige Schwank, der vom Theaterpraktiker Jens Exler geschriebene Schwank, der durch die Fernsehübertragung aus dem Ohnsorg-Theater und Heidi Kabel und Henry Vahl in den Hauptrollen Kultstatus erreicht hat.
Zu der Stückauswahl sind die „Unverzagten“ zu beglückwünschen – und zu Christel Garms in ihrem Ensemble. Aus allem, was sie im Treppenhaus so aufschnappt, zieht sie ihre – falschen – Schlüsse und tritt sie unter den Mietparteien als Tatsachen breit.
Wie sie dabei säuselt und sinniert, poltert und polemisiert, tadelt und tratscht ist überdurchschnittlich gekonnt. Die Creme gegen ihre durch die Wortkaskaden entstandenen Falten um den Mund herum, angeboten im Gastauftritt einer Kosmetikberaterin, lehnt Meta Boldt zum Glück ab.
Die kleine Szene hatte Regisseur Klaus-Dieter Garms extra für Marita Amoateng geschrieben und in der öffentlichen Generalprobe eingefügt. Die Hannoveranerin hatte ihren kurzen Auftritt als Geburtstagsgeschenk erhalten, wie der Vereinsvorsitzende Bernd Lönink verriet.
Um Christa Garms als szenischen Mittelpunkt herum spielten nach anfangs schleppendem Beginn die übrigen Aktiven mit wachsender Begeisterung ihre Rollen: Heike Wellmeyer als resolute Witwe Knopp, Jana Wellmeyer als berechnende Untermieterin Silke Seefeldt, Tobias Bartels als ihr schüchterner Liebhaber, Markus Lehnert als vermeintlich tugendsamer Hauseigentümer Tramsen und Horst Groß als erst strenger, dann einsichtiger Vater.
Eine „Doppelrolle“ hatte Klaus-Dieter Garms übernommen. Der künstlerische Leiter der „Unverzagten“ spielte nicht nur den pensionierten Finanzbeamten, notorischen Nörgler und Kaninchenzuchtvereinsvorsitzenden Ewald Brummer (und lief im zweiten Teil zur Hochform auf), sondern führte auch Regie. Dabei hätte er manchmal allerdings auf ein höheres Schwank-Tempo und plausiblere szenische Lösungen setzen können.