Dündar Kelloglu komplettiert die Lehrter Bürgermeister-Riege

Sie repräsentieren in den nächsten fünf Jahren die Stadt Lehrte: Die Bürgermeister-Stellvertreter Burkhard Hoppe (SPD, links), Dündar Kelloglu (Grüne, 2.v.l.) und Hermann Hoffmann (CDU, rechts) und natürlich der hauptamtliche Bürgermeister Klaus Sidortschul (2.v.r.). (Foto: Walter Klinger)

Der erster Stadtrepräsentant mit „Migrationshintergrund“

LEHRTE (kl). Neue Regeln im Lehrter Stadtrat: Einstimmung hat dieser in der zweiten Sitzung der neuen Wahlperiode am Donnerstag seine Geschäftsordung hin zu mehr Bürgerbeteiligung (unter anderem ist es für Einwohner wie externe Sachverständige jetzt leichter, auch während der Sitzungen zu Wort zu kommen) geändert. Mit einer weiteren Änderung bildet nun auch die Repräsentanz der Stadt nach außen die Bevölkerungszusammensetzung besser ab: Auf die neue Position des dritten Stellvertretenden Lehrter Bürgermeisters wurde, wieder einstimmig, der 44-jährige Dündar Kelloglu von den Grünen gewählt – erster Repräsentant der Stadt Lehrte mit Migrationshintergrund.
Wie man (frau!) die neuen Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten nutzen kann, damit werden wir uns noch einmal ausführlicher beschäftigen. Zunächst einmal gilt das Interesse dem neuen Bürgermeister-Stellvertreter. Der stellte direkt nach seiner Wahl nämlich erst einmal den Begriff „Migrationshintergrund“ auf den Prüfstand: Bekennender Sohn einer kurdischen Gastarbeiterfamilie bei der Bundesbahn, ist er in Lehrte geboren, hat hier sein Abitur gemacht, praktiziert heute als Rechtsanwalt mit Schwerpunkt auf Verwaltungsrecht und ist im Landesvostand des Flüchtlingsrates. Kelloglus Pass ist der deutsche, seine „Migrations“-Sprachregelung diese: „Wir sind hier alle Lehrter“ (Beifall im Rat).
Einer der trotz der erst zwei Sitzungen bereits häufigen menschlichen Momente im neuen Rat war, als der „grüne“ Kelloglu seinem „schwatten“ Ratskollegen Peter Düe persönlich dankte: Als erster habe dieser Ende der 70er Jahre die Mauer überwunden, die für die Kinder aus der Schillerstraße bis dahin den Besuch des Spielplatzes am Finkenweg zum absoluten Tabu gemacht hatte. Als erster Einheimischer sei Düe auch in die Kelloglu-Wohnung gekommen und habe gemeinsam mit ihren Kindern gespielt.
CDU-Fraktionschef Dr. Hans-Joachim Denke-Jöhrens rückte das etwas zurecht: Schließlich habe Peter Düe auch italienische Wurzeln. Migrationshintergrund gäbe es somit auch in der CDU. Die – weil die Grünen auch den Stellvertretenden Bürgermeister Hermann Hoffmann von der CDU mitgewählt hatten – jetzt als Vertreter aus dem erstarkten grünen Lager ihrerseits auch für Kelloglu stimme.
Herzliche Gratulation für den dritten Vize-Bürgermeister gab es auch vom hauptamtlichen Bürgermeister Klaus Sidortschuk und seinem ehrenamtlichen Vertreter von der SPD, Burkhard Hoppe. Der dritte Stellvertreter erleichtert es Sidortschuk, nicht an einem Abend gleich zu mehreren Repräsentionsterminen hetzen zu müssen. Gleiches gilt für die Stellvertreter, die nun auch zu dritt mit der gleichen Aufwandsentschädigung wie bislang zu zweit auskommen wollen.
Dündar Kelloglu war übrigens schon einmal bei der Stadt beschäftigt: Als Gymnasiast stellte er im Forum früher die Stühle für die Ratssitzungen auf. Brücken baut er auch sprachlich. Allen, die Schwierigkeiten mit seinem Namen haben, empfiehlt er: „Denken Sie beim Vornamen einfach an Dünndarm, beim Nachnamen an Kellogs.“ Kein Wunder, dass dieser Personalzuwachs die gute Laune im Lehrter Bürgermeister-Quartett noch beflügelt …