Die neue Drehleiter für Lehrte ermöglicht multifunktionale Rettung

Mit dem Bürgermeister im Tragekorb, zeigte die Ortsfeuerwehr nach der offiziellen Fahrzeugübergabe beim Ausfahren der neuen Drehleiter zunächst die Funktion des schwenkbaren Gelenkarms, an dem der Tragekorb zur Personenbeförderung befestigt ist. (Foto: Walter Klinger)
 
Die neue Drehleiter ermöglicht für die Feuerwehr eine beeindruckende Arbeits-(und Rettungs-)Höhe im Tragekorb: 32 Meter über dem Boden! (Foto: Walter Klinger)

Für Höhen- und Tiefenrettung sowie auch als Kran einsetzbar

LEHRTE (kl). Ihr erstes Einsatzjahr hat sie bereits hinter sich, den ersten wirklichen Einsatz aber erlebte sie in Lehrte: Die Ortsfeuerwehr Lehrte hat nun auch offiziell ihre neue multifunktionale Drehleiter, die zuvor schon einmal ausrücken musste, in Dienst gestellt.
Davor ein Jahr lang Vorführmodell in Karlsruhe, hatte die Stadt Lehrte sie sich kurzfristig für insgesamt 561.680 Euro (und damit rund 200.000 Euro günstiger als der Listenpreis inklusive Zusatzausrüstung) zum Ersatz für das Vorgängermodell gesichert, bei welchem nach knapp 20 Jahren treuem Dienst die rechnergesteuerte Leitersteuerung ausgefallen war. Das Altffahrzeug ist als Beitrag zur Finanzierung inzwischen bereits verkauft worden.
"Kein gutes Jahr für die Lehrter Drehleitern", bilanzierte Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk bei dem an sich freudigen Ereignis der Fahrzeugübergabe am vergangenen Freitag. Denn nach einem Unfall ist auch die bei der Ortsfeuerwehr Hämelerwald stationierte Drehleiter ausgefallen, kann aber reparariert werden und ist zurzeit in einer Fachwerkstatt.
Für ihr bisheriges Gegenstück in Lehrte wäre eine Reparatur "aber mit unabwägbaren finanziellen Risiken verbunden gewesen", berichtete der Bürgermeister, der im beschleunigten Verfahren mit den politischen Fraktionen im Stadtrat die Neubeschaffung verabredete. Die Stadt habe sich damit "die einzige Drehleiter, die auf dem Markt verfügbar war" gesichert, so Sidortschuk.
"Dass das so schnell gehen könnte, hätte ich nicht geglaubt", bekannte Stadtbrandmeister Jörg Posenauer erfreut, als er für die Stadtfeuerwehr am vergangenen Freitag im Beisein des für die Feuerwehr zuständigen Fachbereichsleiters Michael Grossmann vom Bürgermeister die Fahrzeugschlüssel in Empfang nahm und sie an Ortsbrandmeister Karl-Heinz Schlehuber von der Ortsfeuerwehr Lehrte (= Kernstadt) weitergab.
Deren Drehleiter-Maschinist war zwar gerade erkrankt, aber da seit bereits seit knapp einem Monat an der "Neuen" geübt werden konnte, gibt es bereits Vertrtreter. Die Maschinisten können jetzt unter zahlreichen Rettungsfunktionen wählen. Warum es "Maschinist" heißt? "Multifunktionaler kann ein solches Fahrzeug nicht ausgestattet sein", erläuterte Ortsbrandmeister Karl-Heinz Schlehuber, "wir sprechen deshalb auch nicht von einem Fahrzeug, sondern von einer Maschine".
Der (Fahrzeug-)Unterbau ist im Sinne des Wortes aber der "Mercedes der Feuerwehr", erinnerte der Bürgermeister. Im Aufbau der Drehleiter mit der offiziellen Typbezeichnung DLA (K) 32/12 aber steckt neben Hydraulik auch jede Menge Elektronik, wie Walter Strothmann von der Herstellerfirma Domeyer(-Metz) aus Bremen erläuterte, als der Ortsbrandmeister die beiden Gruppenführer Silvio Fraterrigo und Marc Wilhelms mit Fahrzeugschlüsseln austattete.
Die Arbeitshöhe des Tragekorbs beträgt bis zu 32 Meter. Automatisch stellt sich diese Arbeitsplattform bei jeder Neigung in eine stets waagerechte Position. Als Besonderheit macht dies ein Gelenkarm möglich, der es zusammen mit einem Abstandssensor ebenfalls erlaubt, den Tragekorb in 60 Zentimeter Abstand an mehrstöckigen Hausfassaden auf und ab zu fahren, auch wenn der Maschinist von unten und das Team unter schwerem Atemschutz im Tragekorb oben, etwa durch Rauch, selbst keine freie Sicht haben.
Eine Memory-Funktion ermöglicht in solchen Situationen zudem die mehrmalige exakte Wiederholung von Leiterfahrten (inklusive millimetergenauem Absetzen des Tragekorbs), ohne dass jedes Mal neu von Hand gesteuert werden muss.
Mit bis zu 450 Kilogramm Traglast, geeignet also auch für schwergewichtige Personen, die nicht mehr durch Treppenflure transportiert werden können, wird der Tragekorb immer in gerader Lage direkt vor dem Fahrzeug abgesetzt.
Der Gelenkarm (Feuerwehr-Spitzname: "Knickarm") ermöglicht es auch, bei horizontal ausgefahrener Leiter Einsätze und Rettungsarbeiten zwei Meter unter der Standhöhe des Fahrzeuges vorzunehmen - diese "Tiefenrettung" ist wichtig für Bergungen aus Gräben und von Böschungen, aber auch aus Schächten. Unterhalb des Gelenkarms kann die Leiter als Kran eingesetzt werden und trägt in dieser Fuktion ein Gewicht von bis zu zwei Tonnen.
Mit der Neuanschaffung haben sich die Möglichkeiten zur schnellen Rettung für die Ortsfeuerwehr Lehrte also deutlich erweitert. Bürgermeister Klaus Sidortschuk sprach bei der Fahrzeugübergabe zugleich die Planungen zur Verbesserung der räumlichen Situation durch den Bau einer neuen Feuerwache an.
Auch bei deren Vollendung werde die Freiwillige Feuerwehr die Säule des Brandschutzes in der Stadt Lehrte bleiben. Kein anderes Ehrenamt erfordere so viel Leistungsdichte, zeitliche Einsatzbereitschaft und körperliche Fitness wie dieser Dienst an der Allgemeinheit, würdigte Sidortschuk.
Gemeinsam mit Stadtbrandmeister Jörg Posenauer, Gruppenführer Silvio Fraterrigo und dem zehnjährigen Jugenfeuerwehrmitglied Fabian Höhne (10 Jahre alt) inspizierte der Bürgermeister dann das Gelände des künftigen Neubaues von Baubetriebshof und Feuerwache aus luftiger Höhe - von der ausgefahrenen Drehleiter.