Das neue Gourmetrestaurant in Lehrte für Abende voller besonderer Geschmackserlebnisse

Momentan noch ein „Geheimtipp“, der aber zur Spitzenadresse werden soll: Fabian Gugler in seinem neu eröffneten Gourmetrestaurant in der „QualiVita“-Residenz Lehrte. (Foto: Walter Klinger)
 
Nur ein Beispiel für die köstlichen Kreationen des „naibaf“-Samstagmenues: Ètouffèe Taubenbrust und Jacobsmuschel, Zitrusfrüchte, Schalotten, Sellerie und Estragon. (Foto: naibaf Lehrte)

Fabian Gugler will sich einen Michelin-Stern erkochen – und Sie können es genießen!

LEHRTE. Die einstige Eisenbahner-, aber immer noch Industrie(logistik)stadt, ist tatsächlich reich an versteckten Reizen und sogar Schönheiten. Was man Lehrte-Kennern ja nicht eigens erzählen muss. Die jüngste dieser Perlen könnte jetzt sogar zu einem richtigen Stern werden, einem am Gourmethimmel nämlich. Was derzeit hinter den gediegenen schmiedeeisernen Toren der einstigen Zementfabrikantenvilla Germania geschieht, ist für Lehrte selbst sensationell. Findet aber, obwohl noch ein Geheimtipp, bereits regional Beachtung; wohl auch, weil Zuneigung eben bekanntlich durch den Magen geht: Lehrtes erstes wirkliches Gourmet-Restaurant eröffnet am Samstag, 26. März. Mit einem erst knapp 23 Jahre alten Inhaber und Küchenchef, der sich einen Michelin-Stern erkochen will …
Mal ehrlich: Ein Spitzen-Gourmetrestaurant ausgerechnet in Lehrte, das klingt doch so absurd, dass es einem die Lachtränen in die Augen treibt. Und die ortsansässigen Gastronomen dürften, die Selbstzerfleischungsmentalität ist ja bekanntlich schon eine Lehrter Selbstverpflichtung, schon dafür sorgen, dass hierüber noch ausgiebig gelacht werden darf.
Und doch steht in der Titelzeile dieser Ausgabe nicht der 1. April und hat dieser junge Gourmetkoch bereits eine Lobby, die ihn über alle Maßen lobt: Welterfahrene Ärzte und örtliche Firmenchefs (von denen indes einige bekennen, sie wüssten bis heute nicht, was sie da eigentlich gegessen hätten, wollten aber nicht zugeben, dass sie die Menuekarte nicht ganz verstanden haben, Anm.d.Red.) sind bei den ersten Testessen bereits zu Fans geworden. Und werden, weil sie ganz baf waren, wie so ein Menue doch auf der Zunge zergehen kann, es sicher auch bleiben.
In Wirklichkeit sogar „naibaf“, denn das ist der Name des aufgehenden Sterns. Steht auf einem ganz kleinen Schild am Eckpfeiler der Villa in der Benzstraße 2. Das ist genau am Ostring-Brückenbauwerk, direkt zwischen der Güterverkehrs-Doppeletage der Bahn und dem Gewerbegebiet. Nebenan ein Getränkemarkt, wo manche andere Gastronomen ihre Getränke holen, wenn wieder mal die Sonderangebote stimmen.
Etwa nicht die beste Gegend für (Gourmet-)Gastronomie? Dann schieben Sie doch mal das Tor auf – und Sie stehen auf einer wunderschönen Sonnenterrasse (noch nicht Gastronomie-konzessioniert, aber vielleicht macht bei entsprechendem Antrag die Stadtverwaltung hier ja mal ihr Wort von der Unterstützung von Standard-Aufwertungen für Lehrte wahr, Anm.d.Red.), aber abends schon zauberhaft beleuchtet.
Noch so eine Perle in Lehrte. Gezaubert, mit architektonischen Mitteln, haben da Baufachmann Achim Lessmann aus Sievershausen und seine Tochter Jana als Betreiber der drei regionalen „QualiVita“-Seniorenresidenzen. Denn eine solche ist die Villa – und das hinterliegende Restaurant selbst eine Synthese von mediterraner Offenheit und gediegener Clubatmosphäre. Ein Kleinod, dass (nur in Lehrte?) einfach baf macht.
Nicht nur vom Interieur her hat „naibaf“ ein sympathisches Gesicht. Ausländisch der Name? Wenn man so will, ja: Fabian Gugler (22), dessen rückwärts gelesener Vorname „naibaf“ ergibt, ist nach der Lehre im Parkhotel Kronsberg ganz schön in der Welt herum gekommen, hat bei gleich mehreren international bekannten Sterne-Köchen Erfahrungen gesammelt: Im Hilton International Wien, im renommierten 1. Bezirk in Wien im Restaurant Fabius bei Christoph Brunnhuber, im First Floor im Palace Hotel Berlin bei Matthias Buchholz, selbst schon in den USA.
So macht man, in kurzem Wechsel, heute in der Gastronomie Karriere. Aber wo endet eine solche Weltreise, wenn man(n) über den weiteren zielgerichteten Lebensweg nachdenkt?: Zwischenzeitlich erst mal zu Hause, im vom Vater geführten Traditionswirtshaus in Passau, dann beim anderen Familienteil in Sievershausen. Denn Fabian Gugler ist ein Lehrter Jung. Und im übrigen einer, der nicht nur gourmet zu kochen, sondern auch die Speisenkarte ganz ohne Arroganz zu erklären vermag.
Wenn er heute, mit dem österreichischen Charme des Vaters, aber eben unaufdringlich und sachlich, das Erkochen eines Michelin-Sterns als sein Ziel benennt, meint man (zumindest der Berichterstatter, der später auf Kosten eines Bundesamtes 18 Monate daran mitwirken durfte, Anm.d.Red.) etwas vom Augenausdruck des Großvaters wiederzuerkennen, als der im letzten Viertel des letzten Jahrhunderts im vorigen Jahrtausend erklärte, ganz ohne Genehmigung, geschweige denn gesicherte Finanzierung, das älteste Fachwerkhaus in Sievershausen versetzen zu wollen – heute ein Vorzeigehaus für die gesamte Landeskirche.
Und vom österreichischen Vater wird berichtet, er habe es als Konditormeister von Sievershausen aus praktisch bis zum hannoverschen Hoflieferanten gebracht. Insgesamt weist diese Familie eine Rekordzahl selbstständiger Existenzen auf – man darf es dem jungen Fabian Gugler bei seiner Welttour glauben, dass er in der Lage ist, in weniger als einem Jahr das Wesen eines jeden Gastronomiebetriebes zu verstehen.
Vor Jahresfrist hat er nun das Angebot angenommen, mit Schwerpunkt Gastronomieorganisation, im Team der „QualiVita“-Küchenleiter weitere Erfahrungen zu sammeln. Und die Familie Lessmann glaubt an das junge Talent, hat das Restaurant – schon von der Atmosphäre mit Alleinstellungsmerkmal in Lehrte – zur Verfügung gestellt. Zwei Mal war es bei Testessen schon voll besetzt – und bis auf ein paar von Lessmann Eingeladene mussten die Gäste dabei selber zahlen.
Der hochwertige Materialeinsatz in der Gourmetküche hat dabei durchaus seinen Preis. Diese Hemmschwelle ist in Lehrte noch nie erfolgreich überschritten worden. Drei Mal soviel wie beim Griechen kostet hier das Menue. Und Vorsicht: Für die auf das Menue abgestimmten ausgewählten Weine und selbst das Tafelwasser gilt das gleiche. Dennoch wird Fabian Gugler hier nicht groß verdienen. Beim ihm kostet es ja noch nicht mal die Hälfte von dem, was sonst in der Spitzengastronomie selbst für die kleinsten Menues verlangt wird.
Wie einst für die Internationalen Violinkursen (für die Lehrte längst kein Geld mehr hat) gilt auch für „naibaf“: Hier bekommt man den Meister noch, bevor er dann unbezahlbar wird. Genießen kann man(n) (zum Beispiel mit der Frau, die es einem wert ist) diese Abende voll besonderer Geschmackserlebnisse vorerst nur am Samstag, jeweils von 19.00 bis 23.00 Uhr, nach Reservierung bis drei Tage zuvor unter Telefon (05132) 830 555 63 oder Fax: (05132) 830 555 5. Gekocht wird von Fabian Gugler immer nur ein erlesenes Menue (mehr dazu unter www,gourmetrestaurant-naibaf.de), selbstverständlich mit Alternativen für alle, die keinen Fisch oder kein Fleisch mögen.
Überfüllung ist nicht zu befürchten: Das Gourmetrestaurant „naibaf“ hat nur 16 Plätze, die Atmosphäre bleibt stets individuell. Will Fabian Gugler das Ziel, sich in der Spitzengstronomie zu etablieren (in frühestens zwei Jahren) erreichen, müssen Gästezahl und Öffnungstage noch wachsen, braucht er (durch-den-)Mundpropanda auch in der Region. Das hängt nicht zuletzt von denen ab, die in Lehrte seit eh und je deutlich vernehmbar darüber klagen, man könne hier einfach nicht hochrangig ausgehen und schon gar keine Gäste von Welt einladen.
Die Redaktion hat davon die Ohren voll. Wer sich zu besonderem Gaumengenuss fähig fühlt, möge nun bitte erst einmal ins „naibaf“ gehen – oder für immer schweigen. Von denen, die behaupten, sie würden in der eigenen Küche jeden Fernsehkoch und jedes Promidinner schlagen, gar nicht erst zu reden.
Vielleicht liegt es nur an den mangelnden Fähigkeiten von uns als Provinzredakteuren – aber wenn wir googlen, finden wir Sterne in Wolfsburg, Osnabrück, Celle, aber nicht in Hannover. Vielleicht lässt sich das ja jetzt in Lehrte erfolgreich guglern.
Völlig unmöglich wegen dem offensichtlichen Gegensatz zwischen „Lehrte“ und „Gourmet"? Ach wissen Sie, das hat man bei dem Großvater von Fabian Gugler und dessen Riesenprojekt aus dem Nichts damals auch gesagt. Aber beharrlich gearbeitet, mit Herz und Hand, hat der daran, und schließlich doch ausreichend viele mitreißen können … Walter Klinger