"Christkindlmesse“ erklang noch einmal in Lehrte

Der Projektchor aus Singenden diverser Chöre aus Lehrte und Umgebung füllte einen großen Teil der Empore in der Matthäuskirche am Markt. (Foto: T. Fürst/privat)
Lehrte: Ev.-luth. Matthäuskirche am Markt |

Projektchor wiederholte die romantische Pastoralmesse in historischer Form

LEHRTE (r/kl). Beim musikalischen Gottesdienst, der immer am 1. Weihnachtsfeiertag in der Lehrter Matthäuskirche am Markt gefeiert wird, spielte sich dieses Jahr etwas Besonderes ab. Schon die Art der musikalischen Umrahmung der Feier durch den Projektchor war außergewöhnlich und hatte viele Menschen angelockt. So war die Kirche bei diesem Gottesdienst bis auf wenige Plätze voll besetzt.
Im vergangenen Jahr wurde beim Adventssingen der Lehrter Chöre am dritten Advent von einem großen Projektchor und Musikern des Lehrter Kammerorchesters die sogenannte „Christkindlmesse“ (Pastoralmesse C-Dur, op. 110) von Ignaz Reimann aufgeführt.
In diesem Projektchor hatten sich Sänger diverser Chöre aus Lehrte und Umgebung allein für diese Aufführung zusammengefunden. Soweit bekannt, gab es das in Lehrte vorher nicht. Auf vielfachen Wunsch und auf Anregung von Pastorin Beate Gärtner haben nun die damaligen Organisatoren erneut einen großen Chor zusammengerufen, der die Messe in etwas anderer Form aufführte und damit die Besonderheit dieses Ereignisses noch verstärkte.
Pastorin Gärtner und der in diesem Jahr etwa 60-köpfige Projektchor feierten mit den Besuchern einen imposanten Weihnachtsgottesdienst mit Abendmahl. Der Chor sang voll freudiger Kraft und ruhiger Inbrunst, jeweils wie es die Partitur erforderte. Jürgen Tippe war es als musikalischem Leiter in kürzester Zeit gelungen, aus der zusammengewürfelten Gruppe einen anerkennenswert einheitlichen Klangkörper zu formen.
Pastoralmessen dieser Art waren vor allem im Schlesien des späten 19. Jahrhunderts beliebt und verbreitet. Sie waren für die Verwendung im Gottesdienst und angepasst an die Liturgie gedacht und deshalb immer relativ kurz. Das als „Christkindlmesse“ bekannte Werk von Reimann ist für den Gottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag geschrieben worden, wurde in diesem Jahr also am historisch richtigen Tag gesungen.
Der Komponist hat das Werk so geschrieben, dass es für Streichorchester, Orgel oder beides geeignet ist. Während die einzige bekannte Einspielung Streicher und Orgel verwendet und die hiesige Aufführung im letzten Jahr mit Streichorchester stattfand, sticht die diesjährige Aufführung mit ausschließlicher Orgelbegleitung hervor. Iveta Weide, Organistin der Markusgemeinde, beeindruckte mit ihrem gefühlvollen Orgelspiel und gab damit die passende instrumentale Ergänzung zu diesem zu Herzen gehenden Stück christlicher Chormusik.
Freudestrahlend entließ Pastorin Gärtner Besucher und Akteure nach rauschendem Applaus für diesen äußerst bemerkenswerten Gottesdienst. Ihr Dank richtete sich an alle Beteiligten für die Bereicherung dieses Weihnachtsfestes.
Dr. Christian Schumann (ensemble vis-à-vis/DoppelTerz)