Brummerbühne Sievershausen: Schäferstündchen wird von Hindernissen überschattet

Schon die Aufforderung, sein Gspusi Sabine (Bianca Schäffer) testhalber über die Schwelle zu tragen, kann der erheblich ältere Benno Hubwedel (Uwe Anders) kaum bewältigen. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand: Laienspieler bereiten dem Immenser Publikum ein ungetrübtes Theatervergnügen

LEHRTE/IMMENSEN (hdb). Es darf gelacht werden: Die Brummerbühne Sievershausen hat ihrem treuen Publikum im Nachbarort Immensen zweieinhalb vergnügliche Stunden beschert. „Das gestörte Schäferstündchen“ hieß das turbulente Lustspiel. Darstellerisch überragten Maren Kühn und Marc Garbutt.
Das Bühnenbild von Kris Hoppenworth und Stefan Rohthe war so funktional wie das nach Schwank-Elementen gestrickte Stück von Walter G. Pfaus: Das Wohnzimmer von Sabine Bickel - die den deutlich älteren Benno Hubwedel zu einem Schäferstündchen erwartet – mit Sofa, Tisch, drei Türen und drei Zimmerpflanzen. Und einem Telefon, das genau in dem Moment versagt, als der Klingelton erwartet wird. Pointiert und mit einer gehörigen Portion Chuzpe improvisierte Mark Garbutt (als Sabines Freund Peter): „Jetzt müsste eigentlich das Telefon klingeln!“ Der Szenenbeifall war ihm sicher.
Garbutt, der sich mit blonder Perücke sogar in Sabines Freundin Maria verwandelte, und Spielleiterin Maren Kühn, die - ganz nah an prallem Volkstheater - eine herrlich schrullige Alte spielte, ragten aus dem sechsköpfigen Ensemble heraus. Ihren Leistung nahe kamen Erika Hoppenworth als männermordende Nachbarin und Sven Heise als Sabines Vater. Heise legte eine tolle Studie als Angetrunkener hin, war eine Szene später allerdings schon wieder erstaunlich „nüchtern“.
Bianca Schäffer als zielstrebig ihre Heiratspläne mit dem widerspenstigen Peter verfolgende Sabine und Uwe Anders als lüsterner Schwerenöter Benno Hubwedel hatten gegen die komödiantischen Akteure keinen leichten Stand.
Durch die altersmäßig nicht ganz stimmige Besetzung war allerdings auch die Ausgangslage der verwickelten Handlung - „alter Sack“ ist scharf auf ein Schäferstündchen mit einem „jungen Ding“ - entschärft worden.
Der Schwung der Darsteller und die Turbulenz der Handlung wurden allerdings auch durch zwei längere Pausen auf eine fast zweieinhalbstündige Spieldauer ausgedehnt. Knapp 100 Zuschauer waren danach dennoch begeistert von dem neuen Stück und applaudierten der Brummerbühne ausdauernd. Deren drei letzte Vorstellungen im Januar in Hämelerwald sind übrigens bereits ausverkauft, wie Stefan Kaiser als Gesamtleiter verkündete.


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Foto: Horst-Dieter Brand

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Happy End nach Hindernissen: Sabine (Bianca Schäffer, links) bekommt ihren Peter (Mak Garbutt, rechts) und Horst (Sven Heise, Mitte) seine Lore (Maren Kühn), während sich Benno (Uwe Anders) hinter einer Hexenmaske versteckt.
Foto: Horst-Dieter Brand