Blues-Musiker sind sich einig: „Das ist ein Spitzen-Publikum hier in Lehrte!“

Blues ist das nicht, stellten die Festivalbesucher fest: Mit Rock'n'Roll vom Feinsten und ihrer fantastischen Stimme brachte Nikki Hill die Bluesfans zum Tanzen. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Besucher meinten, die beiden gehörten eigentlich auch auf die Hauptbühne: Das Duo „Greyhound George & Andy The Alligator“ spielte in den Umbaupausen – und auch von ihnen forderte das Publikum Zugaben ein. (Foto: Susanna Veenhuis)
Lehrte: Rodelberg im Stadtpark Lehrte |

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - 1.200 begeisterte Bluesfestival-Besucher ließen sich vom Regen nicht die Laune verderben

LEHRTE (sv). Regentropfen und kalter Wind, heiße Musik und strahlende Gesichter: Das waren die Kennzeichen des diesjährigen Lehrter Bluesfestivals. Gut 1200 Besucher ließen sich von anfänglichen Regenschauern nicht von ihrem oft schon langjährigen jährlichen Ritual am ersten „Samstach“ im September abhalten und besuchten das Festivalgelände am Rodelberg im Hohnhorstpark. Nicht nur die Besucher, sondern auch die Musiker genossen die entspannte Atmosphäre auf dem im vergangenen Jahr zum besten Bluesfestival Deutschlands gekürten Open Air-Konzert.
„Ich steh im Regen und warte auf Dich!“ Die ersten Takte des Lieds von Zarah Leander ertönten zur Eröffnung des 32. Lehrter Bluesfestivals. Und im wahrsten Sinn des Wortes mussten Gäste und Veranstalter sowie an die 80 ehrenamtliche Helfer erstmal einen Schauer über sich ergehen lassen.
Gut ausgerüstet mit festem Schuhwerk, wasserabweisender Kleidung und einer durch nichts zu trübenden guten Laune waren die Besucher schon gleich zu Beginn des Festivals, das Moderatorin Claudia Grumser stets pünktlich um 16 Uhr eröffnete, auf das Gelände geströmt. Auch bis 18 Uhr immer wieder einsetzende Schauer taten der guten Stimmung keinen Abbruch, die ungebrochene Feierlaune der Gäste befeuerte wiederum die Musiker, die ebenso erstaunt wie erfreut mit verstärkter Spielfreude reagierten.
Das registrierten die jungen Mitglieder der „Marius Tilly Band“ ebenso wie die erfahrenen Bands. Die hannoversche Gruppe hatte sich eigentlich zusammen mit einer sehr jungen Sängerin auf deren Gast-Auftritt auf dem Bluesfestival vorbereitet: Die zwölfjährige Amber, Bluesfan und Teilnehmerin bei dem SAT1-Gesangscontest „The Voice Kids“, hatte wegen einer ernsthaften Erkrankung kurzfristig absagen müssen.
„Aber der Platz ist schon früh voll“, sagte Bandleader Tilly. Mit ihrem flotten Bluesrock brachte die vor sechs Jahren in Unna gegründete Bluesband den Kreislauf der Besucher schon von Anfang an gut auf Trab.
Es war ihr erster Auftritt in Deutschland und auch der erste vor einem so großen Publikum: Die Combo „Mojo Hands“, in ihrem Heimatland Dänemark als eine der besten Bluesbands gehandelt, meisterte ihren Programmpart mit großer Begeisterung – und kam beim Lehrter Publikum hervorragend an.
Schon seit 18 Jahren sind sie in Sachen Blues auch viel in Schweden unterwegs, seit drei Jahren krönt Zenia Madsen Levring mit ihrem Gesang den von ihr selbst als Blues Boogie bezeichneten Sound der Band. „Man spürt genau, wie sehr die Leute die Musik genießen. Und sie singen sogar mit“, sagte die rothaarige Sängerin sehr angetan.
Mit dem gleichen Song wie bei einem Konzert vor drei Wochen in einem kleinen Club in Celle, das einige der Bluesfestivalveranstalter besucht hatten, starteten der US-Amerikaner Tim Mitchell und seine hiesige Band auch ihren Auftritt in Lehrte. Doch Mitchells Gitarrensoli in „The Most Beautiful Girl“ waren nur ein Vorgeschmack auf das Können des Gitarristen, das bei Titeln von Jimmy Hendrix, Pearl Jam und eigenen Kompositionen voll zum Tragen kam. Auch er durfte nicht ohne Zugabe von der Bühne.
Was drauf stand, war gar nicht drin: „Otis Redding“ prangte in großen Lettern auf dem rosa Pullover von Nikki Hill (USA), die ein absolutes Kontrastprogramm zu den Blues-Sounds der anderen Bands brachte. Die zierliche Sängerin mit der großen Stimme outete sich als Fan von „Little Richard“ und trat mit ihrer Band „Pirate Crew“ eine Lawine des Rock'n'Roll los.
„Blues ist das ja nicht“, stellten einige Besucher fest, lauschten aber fasziniert dem 22-jährigen Energiebündel aus USA, das zum Sound seiner Band „Pirate Crew“ über die Bühne wirbelte und die Besucher zum Tanzen brachte.
Hohe Anerkennung zollte das Publikum auch dem Duo „Greyhound George & Andy The Alligator“ alias Jürgen Schildmann und Andy Grünert, die in den Umbaupausen neben der Bühne Chicago-Blues der 1940er- und 50er-Jahre servierten. „Die gehören eigentlich auch auf die große Bühne“, meinten nicht wenige.
Ging es vor der Bühne auch entsprechend lebhaft zu, bei den Sanitätern des Deutschen Roten Kreuzes blieb alles ruhig. „Einen Wespenstich haben wir verarztet“, sagte Andreas Klingberg, der zusammen mit Michaela Constabel und Sabine Kamp Sanitätsdienst leistete.
„Aufbau, Festival und Abbau liefen reibungslos, schnell und trotzdem super entspannt, die Besucher waren alle gut drauf, die Musiker glücklich, und jetzt freuen wir uns auf das 33. Bluesfestival“, zog Mitorganisatorin Claudia Grumser ein durchweg positives Fazit.