"Blaue" Sievershäuser sehen derzeit absolut "rot"

Nein, getrennte Straßen werden in Sievershausen noch nicht abgesteckt. Aber bis zur Entscheidung der Dorffehde (hier eine Szene aus dem "Spiel ohne Grenzen" sind die BewohnerInnen des Nord- und des Süddorfes strikte (spaßhafte) Rivalen. (Foto: TSV Sievershausen)
 
Am Ende des Konkurrenz-Spektakels am Himmelfahrtstag ist dann wieder alles Ordnung, beide Sievershäuser Ortshälften verstehen sich prächtig - bis halt zur nächsten Dorffehde. (Foto: TSV Sievershausen)

Dorffehde "Norddorf gegen Süddorf" spaltet die Fuhse-Ortschaft

LEHRTE/SIEVERSHAUSEN (r/kl). Während nach überstandenem Winter die Temperaturen unaufhaltsam steigen und es jeden Tag grüner wird, sind alle Menschen gut gelaunt und erfreuen sich am Frühlingserwachen.
Alle Menschen? Nein, nicht alle. In Sievershausen, einem kleinen Dorf im Osten Lehrtes, kühlt die Stimmung der Dorfbewohner immer weiter merklich ab und erreicht ihren Tiefpunkt an Himmelfahrtstag (Donnerstag, 17. Mai). An diesem Tag entlädt sich dieses Stimmungstief in der Dorffehde, in der jedes Jahr erneut klargestellt werden muss, welche Dorfhälfte den „Dorfbürgermeister“ stellt und den Ort für die kommenden zwölf Monate regiert.
An diesem Tag bekommt der Mittelstreifen der Hauptstraße John-F.-Kennedy-Straße/Kurfürstenstraße eine völlig neue Bedeutung; trennt er doch den Norden vom Süden. Das „Wir-Gefühl“ der einzelnen Dorfhälften geht soweit, dass es eigene Ortsschilder gibt. Durch diese Ortsschilder werden Freundschaften, Nachbarschaften und sogar Familien getrennt. Um seine Zugehörigkeit zu zeigen, trägt man verstärkt blaue und rote Kleidung, wobei „blau“ für das Süddorf und „rot“ für das Norddorf steht.
Glauben Sie nicht, dass Sie als Norddörfler beim Einkaufen an der Kasse mit nur einem Artikel in der Hand von einem Süddörfler vorgelassen werden. Aus dem sonst freundlichen „Guten Morgen“ beim Bäcker wird jetzt eher eine Standardhöflichkeit, die mit einem spitzen Kommentar begleitet wird.
Und auf dem Sportplatz überlegt man sich ganz genau, wem alles ein Bier ausgegeben wird. Selbst die Ostfriesen werden in dieser Zeit verschont, erkennt man doch die gleichen tölpelhaften Eigenschaften auch in der jeweils anderen Dorfhälfte.
Deshalb freuen sich alle, im lustigen Wettstreit zu ermitteln, welche Dorfhälfte die „bessere“ ist. Wenn dies am Himmelfahrtstag geklärt ist, kehrt für ein Jahr wieder Ruhe in Sievershausen ein.
Zu gewinnen gibt es außer einem Eintrag auf der Ehrentafel nichts. Allerdings ist es Gewinn genug, auf der „After-Dorffehde-Party“ als Sieger den Verlierer mit einem überlegenen Grinsen zu bestrafen.
So fiebern die Sievershäuser dem großen Tag entgegen, bis, ja bis am Himmelfahrtstag um 10.00 Uhr bei einem gemeinsamen Gottesdienst Lektorin Maren Kühn im Rahmen einer Freiluftandacht auf dem Sportplatz am Schmiedeweg einen letzten Versuch starten wird, die Nord- und Süddörfler friedlich aufeinander einzustimmen.
Doch auch beim Gottesdienst lässt sich die Rivalität nicht ganz vermeiden; denn die Organisatoren haben hierbei die Vergabe des ersten Punktes vorgesehen. Die Dorfhälfte, die mit mehr Besuchern den Gottesdienst beiwohnt, startet mit einem Vorsprung in den weiteren Tag.
Um 10.45 Uhr geht dann der eigentliche Wettstreit los. Zunächst steht bis etwa 13.30 Uhr der Fußball im Mittelpunkt. Kinder, Jugendliche und Herren aus beiden Dorfhälften versuchen die ersten Punkte zu erzielen.
Ab 13.45 Uhr stehen sich die Kontrahenten aus dem Norden und Süden beim „Spiel ohne Grenzen“ gegenüber. Das Organisationsteam hat sich dabei Spiele ausgedacht, für die man nicht sportlich sein muss und schon gar nicht Fußballer. Die Sievershäuser freuen sich schon auf die Spiele, von denen man bis zum Himmelfahrtstag nur die Namen kennt.
So wetteifern die roten und blauen Teams bei den Spielen „Rolling Stones“ (Kinderspiel), „Auf einem Bein kann man nicht stehen“, „Fliegender Teppich“, „Durstig“, „Die Zähne zusammen beißen“ (Kinderspiel), „Schenket ein“ und „Bis auf´s letzte Hemd“. Einiges ist aber garantiert: Es wird spannend, und es gibt viel zu lachen.
Die Siegerehrung mit der Übergabe der Ehrentafel an dem Bürgermeister des Norddorfes oder des Süddorfes (jeweils ältester Teilnehmer) ist gegen 17.00 Uhr geplant.
Die nicht ganz ernst gemeinte Dorffehde wird Spaß für die ganze Familie bringen. So wird es auf dem Sportplatz weitere Aktionen geben. Eine große Hüpfburg und Spielzeug aus dem Spielmobil stehen für die kleinen Akteure bereit. Natürlich ist für ausreichend Essen und Trinken auch mit einer großen Kaffeetafel gesorgt, damit sich Zuschauer und Athleten ausreichend stärken können.
Weitere Infos für alle, die mitfiebern wollen, gibt es unter : www.dorffehde.de und www.sievershausen-macht-spass.de.