Benefiz-Konzert für die Stiftung „Frieden ist ein Menschenrecht“ in Sievershausen

Baut musikalische Brücken zum Verständnis der Friedensbitten in verschiedenen Jahrhunderten: Das Vokalensemble "ARTonal" bei seinem morgigen Konzert in Sievershausen. (Foto: Ensemble ARTonal)
Lehrte: Ev.-luth. St. Martinskirche |

Lieder von Friedenssehnsucht, Soldatenleben und und Krieg . . .

SIEVERSHAUSEN (r/kl). Am morgigen Volkstrauertag (Sonntag, 15. November) lädt die Kirchengemeinde St. Martin ab 18.00 Uhr zu einem besonderen Benefiz-Konzert für die Stiftung „Frieden ist ein Menschenrecht“ ein. Unter dem Titel „Von Friedenssehnsucht, Soldatenleben und Krieg“ nähert sich das Vokalensemble ARTonal mit musikalischen Zeugnissen dieser Thematik.
"Verleih uns Frieden gnädiglich" – die Hoffnung auf Frieden durchzieht die Zeugnisse der Menschheit bis heute. So nimmt es nicht wunder, dass die Friedenssehnsucht auch in Werken der Musikgeschichte ihren Ausdruck fand. Zu hören sein werden unter anderen Friedensbitten von der Gregorianik bis zur Moderne. Doch ist jede gesungene Friedensbitte ausschließlich religiös motiviert? Überraschendes tritt in den begleitenden Texten für den Zuhörer zu Tage und lässt ihn von Anbeginn aufhorchen.
Schon die alten Psalmbeter zeigen, wie eng Freud und Leid, (Gottes)Lob und (Gottes)Anklage, Jubel und Verzweiflung in psychischen Extremsituationen beieinander liegen, Psalmvertonungen aus Barock und Moderne stehen für innere Kämpfe und Brüche in der menschlichen Existenz.
Dass alles seine zwei Seiten hat, die sich gegenseitig entlarven können, zieht sich als Konzept durch das ganze Konzert und lässt den Zuhörer taumeln. Musikalische Warnungen („Es zieht ein dunkle Wolk herein“) verhallen, werden gar missbraucht. Stattdessen begeistert die virtuose Komposition "La Guerre", eine lautmalerische Schlachtenbeschreibung aus dem 16. Jahrhundert von Jannequin.
Und dass mit Musik sowieso alles besser geht und sie den Krieg zum Unterhaltungsfaktor herunterbricht, erlebt der Zuhörer unmittelbar. Er wird hineingezogen in musikalische und textliche Schilderungen des vermeintlich schönen Soldatenlebens, die offenbaren, dass die Gestattung von Genüssen aller Art, allem voran der Alkohol eine wesentliche Rolle spielen beim Mut fassen und Verdrängen der Kriegserlebnisse.
Und auf einmal wird eine über den Tod hinaus reichende Heldenverehrung in einer Liedkomposition eines unbekannten Komponisten aus dem 19. Jahrhundert zu einem erschütternden Zeitdokument, das sich nicht mehr durch die ästhetische Einordnung in die Kategorie alter „Sentimental-Kitsch“ so einfach wegwischen lässt.
Im Siegestaumel wurde gern vergessen, dass bei Siegern und Besiegten kein Krieg ohne Opfer, Leid und Zerstörung bleibt. Der Leiter des Dresdner Kreuzchores, Rudolf Mauersberger, war es, der diese Kriegsfolgen in eine ergreifende Motette fasste. Angesichts seiner von Brand und Sprengbomben zerstörten Stadt Dresden schrieb er sein Werk "Wie liegt die Stadt so wüst", eine Trauermotette nach den Klagliedern Jeremiae für vier- bis siebenstimmigen Chor.
Das seit 2003 existierende Vokalensemble ARTonal, in der Region Braunschweig-Wolfsburg-Wolfenbüttel beheimatet, war in den letzten Jahren neben weiteren Themenkonzerten mit Programmen zu Krieg und Frieden erfolgreich in verschiedenen Städten Niedersachsens unterwegs. Ralf Kleefeld, Mitglied der Theatergruppe „Kleine Bühne Wolfenbüttel“, spricht die moderierenden Texte.
Der Eintritt zu diesem Konzert ist frei, aber es werden großzügige Spenden für die Arbeit der Stiftung „Frieden ist ein Menschenrecht“ erhofft. Im Anschluss an das Konzert lädt die Stiftung zur Vorstellung ihrer Arbeit in das Antikriegshaus gleich neben der Kirche ein.