Beim „Porsche-Cello“ geraten die Viertklässler vollends aus dem Häuschen . . .

Großes Interesse brachten die Viertklässler der Grundschule Lehrte Süd Kristina Altjunan und Christian Edelmann von den NDR-Radiophilharmonikern entgegen, als sie dort ihren Beruf und ihre Instrumente vorstellten. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Indem die Schüler im Takt immer schneller klatschten, veranlassten sie die Musiker, schneller zu spielen – und gaben damit wie ein Dirigent das Tempo vor. (Foto: Susanna Veenhuis)

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - NDR-Radiophilharmoniker zu Gast in der Grundschule Lehrte-Süd

LEHRTE (sv). „Können Sie auch die deutsche Nationalhymne spielen?“ Diese und viele andere Fragen bekamen Kristina Altjunan und Christian Edelmann von den Viertklässlern in der Grundschule Lehrte-Süd jetzt gestellt. Die Geigerin und der Cellist von der NDR-Radiophilharmonie waren dort unter dem Motto „Musiker kommen in die Schule“ einen Vormittag lang zu Gast, um sich, ihren Beruf und ihre Instrumente vorzustellen – und ernteten begeistertes Interesse.
Die Geige, die Kristina Altjunan in die Schule mitgebracht hatte, war den meisten Schülern wohlbekannt; das weitaus größere Streichinstrument von Christian Edelmann hingegen konnten nur wenige korrekt als Cello identifizieren. Nichtsdestotrotz interessierten sich die Schüler sehr für diese klassischen Instrumente und lauschten gespannt den Geschichten der beiden Philharmoniker: „Mann, das ist ja größer als ich“, staunte ein Schüler.
Zu Anfang schauten die Schüler erst einmal ziemlich befremdet: Das Duett der beiden Musiker zum Auftakt klang ziemlich schräg, irgendetwas schien nicht zu stimmen. „Man muss das halt einstellen, irgendwie“, meinte ein Junge und hatte Recht. Die Musiker demonstrierten, wie es sich anhört, wenn die Instrumente nicht gestimmt werden, und zeigten auch gleich den Unterschied.
Edelmann hatte unter anderem einen selbst gebauten, einsaitigen Teekistenbass mitgebracht, den er zupfen und auch mit dem Bogen spielen konnte. Die Schüler lernten, wie auf einem Saiteninstrument Töne erzeugt werden und wie man deren Klang mit Hilfe des Resonanzkörpers aus Holz verstärkt.
Oder auch minimiert, um beispielsweise Nachbarn nicht auf die Nerven zu fallen: Mit einem so genannten Hoteldämpfer. „Als Orchester sind wir oft auf Reisen. Wie die Sportler müssen auch wir immer üben und trainieren, und damit wir die anderen Hotelgäste nicht stören, können wir diesen kleinen Dämpfer auf die Saiten setzen“, erklärte Kristina Altjunan.
Sie hatte auch eine Stimmgabel mitgebracht. „So hören sich Eure Stühle an“, sagte sie und hielt die Gabel sehr zum Vergnügen der Kinder an einen Schulstuhl. Mit diesem Gerät könne man immer und überall die Instrumente stimmen - „ganz einfach und ohne Batterien!“
Immer und überall gilt auch die Sprache der Musik, denn sie ist international. „Als Kristina nach Deutschland kam, konnte sie noch nicht so gut Deutsch, aber hervorragend Geige spielen“, berichtete Edelmann über seine Kollegin aus Armenien. Man muss schon ein sehr guter Musiker sein, um bei der Radiophilharmonie angenommen zu werden, sagte er.
Denn für jeden freien Platz in dem 120 Personen starken Orchester gebe es etwa 200 Bewerbungen aus der ganzen Welt, in dem mehrstufigen Aufnahmeverfahren gelte es, Nerven zu beweisen. „Das ist ein bisschen wie 'Voice of Germany', Deutschland sucht den Supercellisten“, frotzelte Altunjan.
Das Angebot der NDR-Radiophilharmonie für Schulen und Kindergärten zur Vorstellung klassischer Instrumente ist kostenlos, Kontakt: NDR, Carmen Fender Telefon (0511) 9 88 23 42. „Wir sind nicht dazu verpflichtet, wir tun das freiwillig“, erklärte Edelmann. „Durch diese Präsentationen in Kindergärten und Schulen wird uns immer noch mehr bewusst, was für einen tollen Job wir haben“, sagte er, der zusammen mit seiner Kollegin auch schon Krabbelkindern in einer Kindergartenkrippe das Cello und die Geige nahegebracht hat.
Auch die Lehrter Grundschüler zeigten sich begeistert, wenn die Musiker ihre Instrumente zirpen, sägen, rocken oder jaulen ließen. Vollends aus dem Häuschen gerieten sie bei dem akustisch dargestellten Porsche, der mit röhrendem Motor an der Ampel wartet, beschleunigt und plötzlich heftig abbremst – dabei war es nur ein Cello!