Beim Niedersachsen-Derby macht die Polizei auch in Lehrte "die Räume zu"

LEHRTE (kl). Neben den Vorteilen hat Lehrte auch den Fluch der zentralen Lage: Ob Castortransport oder Putinbesuch - die Eisenbahnerstadt als Knotenpunkt auch der Autobahnen in alle Himmelsrichtungen ist immer mittendrin. Das neue Sicherheitskonzept von Bundespolizei und 96-Ordnern macht jetzt auch bei den Niedersachen-Derbys auf Lehrtes (Autobahn-)Parkplätzen und dem Bahnhof präventiv die Räume für gewaltbereite Fußballfans eng. (Foto: Walter Klinger)
 
Klare Ansagen für die Fußball-Derbyfans geben digitale Textlaufbänder auf den Fahrplananzeigen schon an den Tunneleingängen zum Lehrter Bahnhof. (Foto: Walter Klinger)

Viel Zuspruch für striktes Sicherheitskonzept

LEHRTE. Wenn außer Hannover in der Region eine Stadt keine Insel ist, dann wohl doch Lehrte. Ob Atommüll oder Präsidentenbesuche - die "Eisenbahnerstadt" ist auf Grund ihrer logistisch einmaligen Lage stets Sammelpunkt. Für Demonstranten und Fußballfans und leider auch für Wohnungseinbrecher (weshalb ebenfalls die Einbruchs-Sondereinheit von hieraus arbeitet), aber eben auch für die Bundespolizei - und seit kurzem auch für die professionellen 96-Ordner.
Vorbei sind die Zeiten, als die Videokameras im Bahnhofstunnel dem Polizeikomissariat Lehrte unverhofft Fußballfans aus Braunschweig anzeigten, die aber plötzlich verschwunden waren. Und der Einsatzleiter der aus Döhren zur Suche herbei gerufenen Verfügungseinheit dann den Fehler machte, allein und ausgerechnet in der "Bahnhofskneipe" an der Bahnhofstraße zu fragen, ob denn hier BTSV-Fans zu finden seien . . .
Heute gibt es für die Hochrisikospiele zwischen Hannover und Braunschweig ein ausgeklügeltes und abgestimmtes Sicherheitskonzept. Dazu gehören - weil hier nach wie vor die Umsteigestation zu beiden Stadien ist - Zugumlegungen in Lehrte, um die Fanzüge auf einem Gleis zu haben, wo die Bundespolizei sie bereits eskortierend erwartet.
Vor dem Remis am vergangenen Sonntag hatten Einsatzkräfte der Bundespolizei auch im Bahnhofstunnel Position bezogen, um die klaren Regeln durchzusetzen, die an den Eingängen auf digitalen Textlaufbändern unter den Zuganzeigen annonciert waren: Von 5.00 bis 13.30 Uhr und von 15.00 bis 20.00 Uhr sei am Derbytag das Mitführen von Glasflaschen, Dosen, pyrotechnischen Gegenständen, Schutzbewaffnung und Vermummungsgegenständen auf Bahnhöfen und in den Zügen nicht gestattet.
In Lehrte gab es zwar ein paar kleine Lacher, weil der Spitzname des Frontmannes der Fanbrigade des SV 06 Lehrte nun mal "Dose" lautet, aber insgesamt nur zustimmende Reaktionen und absolut keine Probleme. Genau dies bleibt auch beim Rückspiel in dann Fahrtrichtung Hannover zu hoffen. Denn der Wirt und Braunschweig-Fan, bei dem die "Eintracht"-Schlachtenbummler früher beim Umsteigen schnell noch ein Bierchen in der Burgdorfer Straße nahmen, praktiziert dort nicht mehr.
Prompt wurden am frühen Morgen des ersten Zweitliga-Derbys die Kofferraumdeckel einiger Mercedes-Limousinen zugeklappt, die auch sofort aus dem Gewerbegebiet an der Autobahnabfahrt Lehrte verschwanden, als sich dort plötzlich Kleinbusse der Bundespolizei sammelten. Die Luftaufklärung per Polizeihubschrauber über Autobahn und Stadt verstärkte den Verdrängungseffekt noch.
Für den es beste Voraussetzungen auch auf dem Parkplatz an der Raststätte "Lehrter See" gab, wo professionelle 96-Ordner ihre Schutzbewaffnung anlegten. und in filmreifer schneller Formation in Richtung Braunschweig starteten. Fotografieren ließen diese Protectoren sich zwar nicht, aber ihre filmreife schnelle Abfahrt Richtung Braunschweig hinterließ Eindruck.
"Wie der Secret Service!", kommentierte ein daneben parkender Autofahrer. Wobei nicht ganz klar war, ob er nun die perfekt engmaschige Fahrzeugformation oder deren schicke schwarze VW-Busse mit den verspiegelten Scheiben meinte.
Klar ist aber auch hier: Bei Niedersachsen-Derbys werden die Räume für alle, die in Lehrte nicht nur legalen Spaß wollen, sehr, sehr eng. Bei der Frage, wer den Millionenbetrag für die insgesamt 1.600 Polizisten letztlich zahlt, wird die Zeche nicht in Lehrte bleiben. Der Wunsch, dass die Terminplanung für das Derby-Rückspiel den Ordnungshütern nicht auch noch das Osterfest vermiest, findet in dieser Stadt mit vielen Fußballfans, aber auch starken Gewerkschaften, jedenfalls breite Zustimmung . . . Walter Klinger