Bei ihrer Fortbildung in Lehrte schlüpfen Lehrer in die Rolle von Schülern

Im „Reflektionskreis“ werden die zuvor behandelten Themen und Rollenspiele ausgewertet. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Lehrte: Hauptschule Lehrte |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - An einem dreitägigen Seminar an der Hauptschule nehmen 25 Pädagogen teil

LEHRTE (hdb). Seltenes und ungewohntes Rollenspiel: Im Lehrerzimmer der Hauptschule drücken 25 Pädagogen drei Tage lang die Schulbank. Dabei nehmen sie auch die Sichtweise von Schülern ein. Ziel des Kompetenzprogramms „Erwachsen werden“ ist die Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung bei Schülern der Sekundarstufe 1.
In der Mitte des ausgeräumten Lehrerzimmers steht ein dreibeiniger Hocker aus Pappe. Auf der Sitzfläche steht das Wort „Selbstvertrauen“. Die Lehrerinnen und Lehrer - 19 von der Haupt-, fünf von der Realschule Lehrte sowie ein auswärtiger Referendar – sitzen in einem großen Kreis. Zuvor hat eine Gruppe Begriffe auf farblich unterschiedlichen Karteikarten notiert und sternförmig auf dem Fußboden ausgebreitet. Die drei Hockerbeine sollen die drei Säulen dokumentieren, auf denen Selbstvertrauen von Jugendlichen basiert. In solche haben sich die Erwachsenen hineinversetzt und ihre spontanen Gedanken notiert.
Hartmut Denker, selbst Lehrer an einer Hauptschule in Oldenburg, hat eine Zusatzausbildung als Lions-Quest-Trainer absolviert und erörtert mit der Gruppe insgesamt oder in einem inneren Kreis Sichtweisen und Erfahrungen zu insgesamt sieben Themenkreisen wie „Wünsche und Erwartungen“, „Störungen/Verhaltensregeln“ und „bewusste Planung von Gruppenprozessen. Immer wieder reflektieren die Pädagogen Theorie und Praxis, damit sie künftig noch besser und einheitlicher wichtige Lebenskompetenz an jugendliche weitergeben können.
„Schulvorstand und Elternrat haben einstimmig dieser Fortbildung zugestimmt“, sagte Hauptschulrektor Burkhard Kappe in einer Unterrichtspause. Das war erforderlich, weil ein Tag Unterricht ausfiel. Dafür haben aber auch die Lehrer ihren ansonsten freien Sonnabend für die insgesamt 25 Unterrichtsstunden geopfert. „Es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre“, lobte Lehrgangsleiter Denker sowohl die Disziplin als auch die „Reflektionsfreudigkeit“ der Teilnehmer, die pro Schuljahr einen Anspruch auf fünf Tage pro Schuljahr für ihre Fortbildung besitzen.