Begeisternde „Schubertiade“ in der Matthäuskirche Lehrte

Gestalteten zusammen mit dem Männerensemble der Matthäuskantorei ein bemerkenswertes Konzert: Die Sänger des Lehrter Männerchores. (Foto: LMC Lehrte)
Lehrte: Matthäuskirche |

250 Besucher lauschten den Klängen von Franz Schubert

LEHRTE (r/kl). „Auf! Jeder sei nun froh und sorgenfrei!“ – mit dieser Aufmunterung eröffnete der Lehrter Männerchor am Sonntagnachmittag seine „Schubertiade“ und führte das Publikum in der gut besuchten Matthäuskirche mit drei Trinkliedern gleich schwungvoll und kräftig in die sinnenfreudige Liederwelt und Schaffensperiode des 17-jährigen Franz Schubert ein.
Auch die musikalisch anspruchsvolle Vertonung von Goethes Ballade „Im Gegenwärtigen Vergangenes“, die sich an die Trinklieder anschloss, meisterte der Chor mit Bravour. Joachim Beuster begleitete die Sänger dabei mit präzisem Klavierspiel und Sven Erdmann unterstützte den Chor mit seinem voll tönenden Bariton als „Vorsänger“ und Solist.
Aber nicht nur Schuberts Musik war Inhalt der „Schubertiade“. Im wechselseitigen Dialog zwischen Musik und Text erfuhren die Zuhörer interessante Episoden aus dem Leben des jungen Komponisten sowie seine vergeblichen Bemühungen um Kontaktaufnahme und Anerkennung zum großen deutschen Dichter J. W. von Goethe. Ein weiterer Textbeitrag widmete sich dem großen Freundeskreis, der aus Künstlern aller Couleur bestand und der Franz Schubert Zeit seines Lebens getragen und begleitet hat.
Schon zu jener Zeit sprach man bei solchen Zusammenkünften von „Schubertiaden“. Rolf Hirschberg las die Texte, Briefausschnitte und Tagebuchaufzeichnungen mit ausdrucksstarker Stimme und vermochte im Zusammenspiel mit den dazu eingeblendeten Bildern dem Publikum ein authentisches Flair der damaligen Schubert’schen Lebenssituationen zu präsentieren.
Dem Männerensemble der Matthäus-Kantorei war es dann vorbehalten, die einfühlsame Seite Franz Schuberts als einen unserer bedeutendsten Liederkomponisten vorzustellen, wobei die wunderbaren Melodiebögen in der Vertonung des 23. Psalms wohl besonders berührten. Joachim Beuster am Klavier und die Kantoreisänger überzeugten bei ihren vier Liedern mit feiner Interpretation und verbreiteten mit ihren gut ausbalancierten Stimmen eine wohltuende Ruhe und Klarheit in den Kirchenraum.
Sven Erdmann und Joachim Beuster übernahmen dann den solistischen Teil der „Schubertiade“ und musizierten eindrucksvoll einige Goethelieder aus dem breiten Spektrum der Gedichte, die Franz Schubert dem von ihm hoch verehrten „Meister“ aus Weimar gewidmet hat. Im Anschluss trat der Lehrter Männerchor noch einmal mit Chorwerken auf, die den Zauber der Nacht beschreiben und Franz Schubert als Komponisten zeigen, der auch Naturbeschreibungen einfühlsam in Musik zu übersetzen vermochte.
Besonders im „Nachtgesang im Walde“ gelang es den Sängern, ein beeindruckendes Naturbild nachzuzeichnen. Mit dem Schubert-Lied „Zur Guten Nacht“ verabschiedeten sich alle Künstler dann gemeinsam vom Publikum, wobei nach anderthalb Stunden die Schlussstrophe des Liedes wohl manchem Zuhörer noch in den sonntäglichen Abend nachgeklungen haben dürfte: „Schlaft wohl und träumt wie Bräute! Kommt nächstens gern wie heute! Seid auf manch’ neues Lied bedacht! Und geht ihr dann nach Hause, zur Ruh’ in eure Klause, so singt mit Liebe: gute Nacht; so singt mit Liebe: gute Nacht!“
Ein insgesamt bemerkenswertes Konzert mit vielen anregenden Momenten aus der Lieder- und Lebenswelt von Franz Schubert. Verdienter Beifall für diese „Schubertiade“, die der Lehrter Männerchor erstmals veranstaltet hat und deren Erlös aus den Publikumsspenden einen ansehnlichen Betrag zugunsten der Orgelrestaurierung in der Matthäuskirche erbrachte.