Begegnung mit der „spritzigsten“ Sportart der Region in Lehrte

Seit 2010 in der Nationalmannschaft: Die zweimalige EM-Teilnehmerin Tatjana Steinhauer hat das Einmaleins des Wasserballs beim Lehrter SV erlernt. (Foto: Wolfgang Philipps)
Lehrte: Hallen- und Freibad Lehrte |

Interessante Partien für die mehr als 40 Wasserballer beim Lehrter SV

LEHRTE (r/kl). Die Sportart ist aktionsreich, farbenfroh und im wahrsten Sinne des Wortes „spritzig“: Bereits seit 1949 wird beim Lehrter Sport-Verein (LSV) Wasserball gespielt, dennoch ist sie bis heute eine der exotischsten und vielleicht auch außergewöhnlichsten Wettkampfsportarten im Stadtgebiet geblieben. Dieser Tage geht die neue Saison in ihre "heiße" Phase.
Der Lehrter SV ist seit langen Jahren sogar der einzige Verein im Gebiet des früheren Landeskreises Burgdorf, der die Sportart anbietet. Gespielt wird im tiefen Wasser mit 7er-Mannschaften, und Zuschauer sind immer wieder erstaunt, wie sicher die gelben Kunststoffbälle durch die Luft fliegen und die Spieler sich in Position bringen. Das aktionsreiche Ballspiel der Schwimmer ist bereits seit dem Jahre 1900 olympisch, sonderlich populär ist es in Deutschland trotzdem nicht.
„Die Sportart läuft halt nicht im Fernsehen“, sagt Trainer Joachim Haake, seit langen Jahren das „Gesicht“ des Lehrter Wasserballs. Dabei gäbe es im Vergleich mit den „großen“ Ballspielen auch reichlich Vorzüge: Die Sportart ist gesund, Verletzungen sind trotz der Zweikämpfe dank des Mediums Wasser selten, und durchtrainierte Wasserballer sind optisch ein absoluter Blickfang.
Lange Jahre flogen die Bälle in der Eisenbahnerstadt auch bei überregionalen Meisterschaften über das Wasser: In den „hallenbadlosen“ 1960er Jahren waren die Lehrter sogar dreimaliger norddeutscher Meister bei den damals weit verbreiteten Titelkämpfen für „Vereine ohne Winterbad“ (VoW). 1997 sind die beiden aktuellen Trainer Joachim Haake und Wolfgang Philipps mit der Männermannschaft des Klubs sogar im deutschen-Pokalwettbewerb ins Wasser gestiegen, doch das liegt schon einige Zeit zurück.
Aktuell spielen die LSV-Teams nur noch im Bezirk Hannover um Punkte, sorgen hier allerdings mit einer anderen Besonderheit für Aufsehen. Die Abteilung bietet als einer von wenigen Vereinen in Niedersachsen seit 2008 auch Frauenwasserball an. Seit 2010 spielt hier auch ein Team um Punkte, doch der erste Lehrter Beitrag zum Frauenwasserball ist es nicht: Die aktuelle Nationalspielerin Tatjana Steinhauer (jetzt in Bochum aktiv) entstammt einer Jungen-Mannschaft des Lehrter SV und hat es inzwischen sogar auf zwei EM-Teilnahmen gebracht.
Dass die Sportart in den Mittelmeerländern wesentlich populärer ist, ist kein Zufall – und vielleicht ist es auch eine Frage des dortigen Lebensgefühls: „In Kroatien oder Malta schwimmen Wasserball-Tore direkt am Strand und werden von Kindern eifrig genutzt“, weiß Wolfgang Philipps zu berichten, „vielleicht wäre das auch hier für die Freibäder mal eine Maßnahme.“
In der Tat lieben auch in Deutschland die Wasserballer vielerorts den viel zu kurzen Sommer: Die Lehrter Teams absolvieren dort nicht nur gut die Hälfte ihrer Punktspiele, sondern fahren auch regelmäßig auf große Turniere. Die Mehrzahl der Übungseinheiten wird allerdings während der Hallenzeit absolviert: Männer und Frauen trainieren zweimal pro Woche, oftmals gemeinsam. Dienstags steht nach den Schwimmeinheiten dann auch meist ein Übungsspiel im großen Becken auf dem Programm. „Wir haben immer viel Spaß“, berichtet Torjäger Sören Giere, der selbst seit mehr als zwei Jahrzehnten aktiv ist.
Anschauungsmöglichkeiten für Neugierige gibt es in den kommenden Wochen reichlich: Am Sonntag, 10. Februar, stehen im Lehrter Hallenbad Punktspiele der Frauen (12.30 Uhr gegen TKJ Sarstedt) und Männer (14.30 Uhr gegen den 1. WV Wunstorf) auf dem Programm.
Am Dienstagabend, 12. Februar, folgt an gleicher Stelle von 20.00 Uhr an das Bezirkspokalspiel der Männer gegen den RSV Hannover, und Pokalkämpfe der LSV-Teams gelten seit langen Jahren als ein heißes Pflaster: 2005 gab es in einer Partie gegen den TuS Syke sogar eine sechsmalige Verlängerung.
„Da haben wir den Weltrekord für das längste Wasserballspiel nur um drei Minuten verfehlt“, erinnert sich Philipps noch gut an eine absolute Kuriosität der ereignisreichen Lehrter Wasserball-Historie, allerdings denkt daran keiner der Spieler an diesem Trainingsabend: Die meisten genießen es einfach nur, einen langen Arbeitstag in einem so gänzlich anderen Medium sportlich abzuschließen.
Angeboten wird die Sportart Wasserball von der Schwimmabteilung des Lehrter Sport-Vereins (LSV) zum normalen Mitgliedsbeitrag: Mehr als 40 Aktive im Alter von zehn bis 52 Jahren jagen derzeit den gelben Kunststoffbällen hinterher. Neben dem Männer- und Frauenteam gibt es auch eine gemischte Nachwuchsgruppe, die mittwochs von 17.00 bis 18.00 Uhr im Lehrter Hallenbad trainiert. Gesucht werden hier besonders Jungen und Mädchen der Jahrgänge 2001 und jünger. Weitere Informationen zu der Sportart gibt es unter www.lsv-wasserball.de oder Telefon (0176) 24 96 22 78.