Bebauungsplan für Innenstadt-Kleingärten in Lehrte ist in Vorbereitung

Unter anderem in Workshops (unser Foto) für die Spitzenvertreter aller gesellschaftlichen Gruppen war das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) vorbereitet worden, dass der Bebauung von Freiflächen in der Inenstadt Vorrang einräumt. (Foto: Archiv/Walter Klinger)
Lehrte: Kleingartekolonie Feierabend |

Parzellenpächter sind empört - Stadt: Planung aber "im Bürgerdialog" entwickelt

LEHRTE (r/kl). Mehrere Faktoren greifen ineinander, so dass die Kleingärtner an der Manskestraße um den Bestand ihrer 107 Parzellen großen Kleingartenkolonie "Feierabend" fürchten müssen. Die Beratungen über einen dort möglichen Bebauungsplan starten demnächst. Die Kleingärtner-Basis ist empört, die Stadt mahnt zu Sachlichkeit in der Diskussion.
Grundlegend den Vorrang von Baulücken vor der Entwicklung im Außenbereich hatte bereits vor einem Jahr das Monate lang öffentlich erarbeitete Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) festgelegt. 1.000 neue und vor allem bezahlbare Wohnungen fordert die SPD Lehrte in ihrem Wahlprogramm. Und die hohen Anliegerkosten für die Sanierung der Manskestraße (hier war erst das Kanalsystem zerfallen, bevor dann für die Anlieger um so teurer neu saniert wurde) bringen die Eigentümer in Bedrängnis, welche diese Belastung offenbar durch den Verkauf der Kleingärten bewältigen wollen.
Im Klartext: Unbebaute Grundstücke in dieser Größenordnung (56.000 Quadratmeter) sind in umbauten Innenstadtbereichen wegen der Infrastrukturkosten heutzutage langfristig privat einfach nicht mehr zu (er)halten.
Die Kleingärtner, denen die Stadt Umsiedlung und Entschädigungszahlungen für ihre liebevoll gestalteten Grünoasen anbietet, hätten das alles kommen sehen können - ihre Verbandsvorstand, so versichert die Stadt, war schon eingeladen, bei der Aufstellung des ISEK mitzuwirken. Und während der Vorbereitung der Bebauungsplan-Vorlage sei mit Verband und Vereinsvorstand gesprochen worden.
Bürgermeister Klaus Sidortschuk hat dies in einer Stellungnahme, die auch den Lehrter Kleingartenverein zuging, so verdeutlicht: "Die Stadt Lehrte hat in einem sehr breiten Dialogverfahren ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (Vorlage 094/2015) aufgestellt, in dem zu vielen Fragen Entwicklungsperspektiven der Stadt Lehrte aufgezeigt werden.
Auch zu der Frage der zukünftigen Wohnbauentwicklung wurden konkrete Antworten gegeben. Bei der Entwicklung von Baugebieten gilt der Grundsatz der Innen- vor Außenentwicklung. Konkret soll vorrangig flächensparender Neubau in integrierten Lagen entstehen, wobei der Schwerpunkt der Siedlungsentwicklung auf der Kernstadt liegt.
Als Ergebnis der Prüfungen wurde unter anderen eine Fläche an der Manskestraße (Fläche des KGV Feierabend e.V.) mit höchster Priorität bewertet. Ob diese Fläche aber tatsächlich zu Bauland entwickelt werden kann und soll oder welche Art der Bebauung gegebenenfalls erfolgen soll, kann wie viele andere Fragen erst in einem entsprechenden Bebauungsplanverfahren erarbeitet werden.
Die Stadtverwaltung hat hierzu eine Beschlussvorlage (Nr. 119/2016) erarbeitet, mit der das entsprechende Bebauungsplanverfahren nunmehr formell eingeleitet werden soll.
Der 1. Vorsitzende des Kleingartenvereins Feierabend e. V. und der 1. Vorsitzende des Bezirksverbandes der Kleingärtner wurden in einem persönlichen Gespräch beim Bürgermeister vor der Veröffentlichung von der beabsichtigten Eröffnung des Verfahrens informiert. Im Rahmen dieses Gespräches wurden die Möglichkeiten besprochen, die das Verfahren auch für die Kleingärten bietet.
Bürgermeister Sidortschuk hat in einem Schreiben an die Vorsitzenden der Kleingärtnervereine in der Kernstadt diesen Hintergrund und die Ziele der Stadt Lehrte beschrieben und darum gebeten, das Schreiben an alle Vereinsmitglieder weiter zu geben, damit alle unmittelbar informiert sind.
Die Stadt Lehrte wird selbstverständlich alle ihr obliegenden Pflichten nach dem Bundeskleingartengesetz uneingeschränkt erfüllen und darüber hinaus gehende Möglichkeiten gemeinsam mit den Kleingartenvereinen in Lehrte prüfen und besprechen. Es wird dabei bleiben, dass in Lehrte für die Kleingartenanlagen, die Vereine und die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner sehr gute Bedingungen gelten.
In Lehrte sind diese Bedingungen so gut, dass auch aus anderen Städten Kleingärtnerinnen und Kleingärtner nach Lehrte in die hiesigen Anlagen kommen, weil es eben anderenorts nicht so gute Bedingungen gibt. Das ist gut so und das soll auch so bleiben.
Es wird auch in Zukunft hier in unserer Stadt ein sehr gutes Angebot an Kleingärten geben. Aber dennoch muss die Stadt Lehrte die Möglichkeit haben, über erforderliche Entwicklungen sachlich zu diskutieren und in einem öffentlichen Verfahren eine Lösung zu finden, die die Interessen aller Beteiligten würdigt.
Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept selbst hält zur Frage der Siedlungsentwicklung im Übrigen auch fest, dass diese nicht in alle Richtungen möglich ist. So heißt es dort, dass sich im Westen eine breite Zone mit Dauerkleingärten bis an die südwestlich angrenzende Stadtgrenze von Sehnde erstreckt.
Dieser gesamte Bereich westlich der Tiefe Straße, des Ahlten-Iltener Grenzgrabens, des Baugebietes Lehrte-West bis an die Iltener Straße heran ist deshalb auch aus Sicht der Stadtverwaltung Lehrte für eine Siedlungsentwicklung tabu.
Alle Beteiligten werden gebeten, die Diskussion aufmerksam zu verfolgen und sich sachlich daran zu beteiligen, damit am Ende des Verfahrens ein gutes und gemeinsam getragenes Ergebnis steht. Das jedenfalls ist Ziel der Stadt Lehrte", versichert der Lehrter Bürgermeister.