Außenseiter-Kunst von Timo Sandau beeindruckt in der Alten Schlosserei

Timo Sandau vor einem seiner traumatischen Kohlezeichnungen, die er alle nicht mit Titeln versehen hat. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Lehrte: Städtische Galerie |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Vernissage vor vollen Stuhlreihen und mit der Musik von „Donkey Bridge“

LEHRTE (hdb). Die Anzahl der Stuhlreihen musste aufgestockt werden, um dem Besucherstrom zur ersten diesjährigen Vernissage in der Städtischen Galerie gerecht zu werden. Timo Sandau stellt dort bis Mitte April 18 seiner surrealen Kohlezeichnungen unter dem Titel „Weg da! Augenblicke eines Ausgegrenzten“ aus.
Diese Überschrift leitet sich unmittelbar aus dem Lebenslauf des inzwischen 48-Jährigen und seinen sehr persönlichen Erfahrungen mit seiner überwundenen psychischen Erkrankung ab. Offenherzig schildert er kurz vor Ausstellungseröffnungseinen zunächst sechsjährigen Heimaufenthalt.
„Danach habe ich auf der Straße gelebt“, erzählt er weiter und ergänzt: „Ich habe versucht, einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Heute bin ich einer der glücklichsten Menschen.“ Dabei und aus einer Suchtkrankheit haben dem gebürtigen Hamburger seine künstlerische Tätigkeit und Thomas Tschirner von der Lehrter Drogenberatung geholfen.
Was lag da näher, als dass der Experte ein Grußwort an die mehr als 100 Besucher richtete und das „außergewöhnliche Talent“ des Autodidakten hervorhob, der auch Gedichte und Songtexte schreibt. Sandau hat die 18 ausgestellten Bilder der Drogenberatungsstelle überlassen, so dass der Erlös aus eventuellen Verkäufen der Fachstelle für Sucht zugutekommt. „Ich will dadurch etwas zurückgeben“, beschreibt er seine Art der Dankbarkeit für die ihm von dort gewährte Unterstützung.
Überwältigt von dieser Geste, dem großen Besucherzuspruch und der erstmals von der Gruppe „Donkey Bridge“ beigesteuerten Musik zeigte sich auch Lehrtes stellvertretender Bürgermeister Burkhard Hoppe in seiner kurzen Begrüßungsansprache. Die städtische Kulturbeauftragte Julienne Franke übernahm danach die fachliche Einordnung von Sandaus „antiakademischer Kunst“, die aber über übliche Hobbykunst hinausreiche.
Franke erläuterte die sogenannte „Outsider-Art“: Werke von Personen, die die sich am Rande der Gesellschaft bewegen, psychisch krank oder Außenseiter seien. Entsprechend surreal sind auch Sandaus verstörende Bilder, die sein Innerstes nach außen zu kehren scheinen, den Betrachter aber suggestiv in den Bann ziehen.
Die Ausstellung ist - bei freiem Eintritt – bis zum 19. April zu besichtigen von Dienstag bis Freitag sowie sonntags jeweils von 14.00 bis 18.00 Uhr.